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Aufsenfeite, um den Ton etwas feyerlicher zu ftim- men, und, wie er felbfi Tagt, um hiilorifches Detail zu erfparen. Der Stil ilt nicht ft hr gedrängt oder blü hend, doch frey von allzutreckenem Ernfi, und hat die harmonifche Bildung, welche Affect.ation von lieh abhält; nur bisweilen wird das Btftroben, poetilchen Sch vt mng zu repräfentiren ohne poetilchen Geilt, fühl­barer. Der kosmopolitifche und patriotifche Sinn, der in diefen Darltellungen herricht, empfiehlt lie tlemLe- fer, für deifen InterelTe der Herausgeber durch hifio- rifche Erläuterungen reichlich und zweckmäfsig ge­folgt hat.

In den erotifchen Liedern der Sammlung Nr. 3 fpneht lieh fanfte Empfindung in zarten Andeutungen aus, faft immer mit Beziehung auf eine äufsere Um­gebung, deren Objecten fich Erinnerungen, Sehnen allociiren, und welche, wo einige Handlung im Ge­dicht ilt, der bewerbenden , gewährenden Liebe u. f. w. kleine Anläße, fich zu äufsern, darbieten. Diefe Lieder find daher nicht lbwohl lyrifche Producte im engfien Sinne, hinftrömencler Ergufs des Gefühls, als ein Gewebe von mahlenden Zügen , befonders aus der ländlichen Narur und Empfindung, voll Feinheit und Anmuth. In freyerem Schwünge gedichtet find zvvey geifivolle Trinklieder S. 143 und 147; eine lyrifche Erzählung, der Troubadour S. 40, die die Macht des Gefangs in wechselnden Wirkungen mahlt, könnte man eine finnvolle Variation über das Thema von Dry- dens Fell Alexanders nennen. Den Gegenfatz zu der ländlichen Stille der meiilen Lieder bildet S. 85 das Lob des Stadtlebens, in Strophen, aber kein Lied, fondern ein mahlendes Gedicht, voll glänzender Zü­ge. In den Epilteln und den ihr verwandten Arten poetifcher Mittheilung, (z. B. S. 99 vielleicht) weifs Hr. v. St. durch Aufiäffung feinerer Contrafte, durch eine blühende Tropen - und Bilderfprache, und durch feine Urbanität (Eigenfchaften, die ihm einen Zug von Ähnlichkeit mit Thümmel geben) den Lefer anzuzie­hen : nur möchte man ihm für feine Lebensphilofo- phie einen höheren Standpunkt, felblt poetifchere An­fichten wünlchen. Zwar in einigen hieher gehörigen Liedern, wo der Dichter, die Vergänglichkeit des Le­bens bedenkend, nach einem Jenfeits forfcht, ver- mifst man nicht die ächte elegifche Stimmung; die Epiltel an Lyda, wo die Begierde, nicht ohne Mifs- muth zwar, dem belferen Selblt doch nachgiebt, zeigt den Dichter noch von der würdigeren Seite ; auch kann man manches feiner fatirifchen Gemählde ge­nehmigen. Aber anderemale fprichtftatt einer ernlleren fatirifchen oder eiegifchen Stimmung, oder einer mil­deren horazifchen, die Erfahrung des Weltmanns mit ihrer kälteren Rüge, und felblt die Daritellung leidet an froftiger Künfteley und Schiefheit, wie S. 14 das Reich der Fabel. Keinesweges aber verzeihlich ill ei­ne Schlaffheit der Maximen, wie S. 83 Epiltel an Ly­dia , die S. 59 (das Herz), in fittenlofe Zweydeutig- keit übergeht. Hierin, fo wie in den Invectiven ge­gen das karrikaturmäfsig entltellte ChrifteTithum und feinen Stifter felblt, hat fchwerlich ein deiUjcher Dich­ter von Werthe es dem Vf. gleich gethan. Und nun

noch ein Wort über den poetifchen Stil de« Vfs., der bey allen feinen Vorzügen nicht frey von Manier ilt, eine Hinneigung zum Pretiöfen hat, hin und wieder an fchwieriger Zufammenfügung arbeitet, und bis­weilen räthfelhaft wird. Itec. giebt einige Beyfpiele. Das oben belobte Trinklied S. 143 würde ohne die gefuchte , und mit dem Übrigen fich fchlecht binden­de zweyte Strophe beffer feyn, und wenn es in der letzten heifst:

Der Preude rafche Flügel fchweben,

Wie Schwalben , um der Zukunft Nacht,

Wo uns das Alter unter Reben,

Am Fal's geüittzt, entgegenlacht: fo hat hier jeder Beltandtheil des Gedankens feine Si­gnatur; die Freude, die Zukunft und das trinklultige Älter ihre Flügel, ihre Nacht und fein Fafs; (die Schwalben find wohl unzeitige Reminifcenz aus Bür­ger ). Rec. hält diefe verfchlungenen Embleme für kein mit dem Gedanken erzeugtes Bild von mehr als Schein­leben. Deutlicher giebt fich das pretiöfe Nichts als fol- ches blofs, wenn der Dichter lägt, dafs gefchwätzige Frauen nichts betäuben kann , felbfi: nicht

Das R.ad der Zeit vom Schickfal umgefchwungen. S. 4. Welchen Schwätzer hat der Wettfireit mit dem Zeit­getös noch feine Lunge gekoftet? Nicht vom Lärm, den grofse Begebenheiten in der Welt machen, ift die Rede, denn

Fama felblt mit ihren hundert Zungen tritt noch in eigener Perfon auf.

Oder wenn er einen Greis in feinem Gange wan­ken läüv

Gleich Bienen, die im Blumenkelch lieh wiegen. S.4.5. Was heifst folgendes S. 69:

Das Auge der Regierung blickt Nicht lauernd in die Nacht der Küche,

Wo in des Koches Fault die Pfyche Die Wunder aller Himmelsltriche Noch zwanglos in die Flammen drückt?

Kürzer fafst fich Rec. bey Nr. 4 wegen des ein­facheren Charakters diefer Gedichte. Wenn bey dem vorigen Phantafie, Witz und feinere Sinnlichkeit fich zur Erzeugung zarterer, üppigerer und abwechfeln- derer Gebilde gatten : fo fcheint Hn. Lindenmeyer ganz das Herz zum Dichter zu machen, deffen Wärme die empfänglichen Organe feines Geifies mitbelebt. Er ilt ein durchaus moralifcher Dichter , nicht blofs fofern feine Poefien dje Cenfur der Moral vertragen, fon­dern vermöge ihrer ganzen Tendenz. Die Moral fpricht fich mit aus in den Äufserungen der Gemüthsftim- mung, oder webt fich, mit dem Schein der Zufällig­keit, ins Spiel der Phantafie oder des Witzes ; felblt Charaden und Räthfel dienen ihr als Vehikel. Höhe­rer Schwung und Adel der Gefinnung zeichnet den Gelang auf den Frieden S. 93 aus, und es giebt noch einige diefem ähnliche; bemerkenswerth find auch einige treffliche Verfinnlichungen moralifcher oderre- ligiöfer Gedanken , wie das Glas S. 82 der Himmel S. 27. Auch gelingt es dem Vf., feine Lebensweisheit mit einer naiven Laune zu populariliren, die den Ton manches Bürgerifchen Gedichts hat, z. B. die Lange­weile S. 67. Mehreres von mittlerer Güte hat in die