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Sammlung Eingang gefunden; nicht leicht das eigent­lich Schlechte. S. 78 mifcht fich in die Sprache des Afteraufklärers der Unwille des Dichters über ihn; man erwartete mehr ironifche Behandlung.

Nr. 5 - Hr. ^tigle hält lieh an die fchmucklofe Wahrheit und Wirklichkeit; diefe giebt er, wie fie auf feinen geraden Verftand und fein unverdorbenes Herz Eindruck macht, treulich wieder, in einer mit behender Leichtigkeit hingleitenden Gedankenfolge und eben fo leichtem Rhythmus, unbekümmert, wie es fcheint, um Kunft. Kein Wunder daher, dafs man­ches von diefen Gedichten durchaus Profa ift, dafs ihn eine gemeinere Natürlichkeit zu hark auf ihre Seite zieht, und dafs er bisweilen zu derb wird. Sein Geradlinn, feine gute Meinung, die Abwefenheit al­ler Prätenfion entwaffnen die Strenge des Lefers, und die Leichtigkeit macht Behagen, die in einigen Ge­dichten mit dem Malse von Kraft und Gedankenge­halt gepaart ift, das auf Beyfall Anfpruch hat, vor­nehmlich auf deffen Beyfall, der das Verdienft der Popularität daneben noch insbefondere in Anfchlag bringt. Den Versbau der Diftichen mufs der Vf. beffer ftudiren.

Nr. 6. Hr. Nehrlich ift ganz das Gegen theil, fei­ne Gedichte lind voll von allein Idealen und Höcft- ften : aber feine Formen und Farben fchwanken und zerrinnen :Der fehattenfehwebende Fittig undhell ergreifend (S. 6 ) lind doch wohl regellofe Wortver- ^ knüpfungen; fie mögen dem Lefer das ihnen Analo- i ge in der Gedanken- und Bilclergefellung andeuten. Wo Hr. N. feine Phantafie In bemtmntere Berührung mit wirklichen Anfchauungen bringt, da giebt es man­chen genialifchen Anklang; aber dann hängt fie lieh auch wieder mehrmals an einen fonderbaren, und für ihn wenigftens, undankbaren Stoff. Mit hoher Rüh­rung befchreibt der Dichter den Eyertanz einer Seil­tänzerin ; die Erwartung ift gefpannt auf eine geifti- gere Beziehung; w r as ift es am Ende? Hr. N. flüftert uns, wie ein Geheimnifs, das Wörtchen: Mignon! zu, und verftummt. Auch fogar ein im Schattenfpiel vorgeflellter Seiltänzer gaukelt uns etwas vor. Wie­derumwird ein Gemählde commentirt, wo eine Wahn- finnige Tauben llatt der Kinder an die Bruft legt. Ein poetifcher Sinn webt in Hn. Ns. Gedichten; es kömmt nur darauf an, dafs er ihn von Bizarrerie und Ver­worrenheit lesmache.

Auch Nr. 7 Hr. Reinhardt hat fein Gutes; etwas Gefühl, Jovialität und Witz; Glätte des Ausdrucks. Urtheil und Gefchmack find nicht reif; die Lebhaf­tigkeit eines fanguinifchen Naturells, mit Oberfläch­lichkeit und Zuverfichtlichkeit gepaart, möchte lieh öfters für poetifche geben. Unter den ernfteren Gedich­ten nimmt fich eine Parodie auf Schillers Götter Grie­

chenlands vor anderen aus: aber ein Stand der Na­tur, wo Jünglinge die Mädchen ohne Widerftand aus dem Bad ins Gebüfch tragen , und ein Stand derjpul- tur , wo die veredelte Liebe veredelnd wirkt, paßen nicht in Ein Gemählde. Hr. R. liebt eine gewifle Schalk­haftigkeit, die wir ihn bitten, difleits der Grenzen der Plattheit zu halten, und z. B. weniger zu jubili- ren, wenn Hr. Boreas die Gewänder lüftet; er wol­le doch überhaupt feinen Gefchmack fowohl fittiieh, als äfthetifch mehr läutern.

Die fchmachtende Liebe, die Nr. 8 laut wird, fchmachtet grofsentheils auch in Hinlicht der poeti- fchen Darfteilung, indem der Vf. fein heifses Gefühl für fie die gänzlich Unbenannte zwar dringend genug erklärt, aber mit weniger Eigenthümlichkeit darftellt: doch einige Lieder erheben fich durch eini­ge Gegenfätze, Bilder, Reflexionen, über die gefühl­volle Leerheit, wobey Sprache und Vers Leichtigkeit und Wohlklang haben.

Ein übrigens verdienter Mann, Hr. Efchke , giebt Nr. 9 die Erzeugnifle feines mangelhaften poetifchen Sinns und Sprachorgans zum Bellen der Brüder her­aus , die eines phylifchen Sinns und der Gabe zu re­den beraubt find; Rec. wünfeht, dafs lieh nach dem Vorgang eines Subfcribenten, der auf der kurzen Li­fte mit 5o Exemplaren lieht, wenn auch nicht begie­rige Lefer, dello willigere Abnehmer finden.

Hr. Ehrhardt, (fo unterfchreibt der Nordhäufer Nr. io die Zueignung) will feine forgenfreye Mufse, die Frucht ehemaliger pädagogifcher Bemühungen, nütz­lich anwenden, und glaubt das als Dichter zu können, wiewohl gänzlich unbekannt mit den Erfiorderniften diefes Berufs. Als Gottfched und Triller noch etwas galten, hätte er Lob verdienen mögen. Doch in man­chen Fabeln hat er vor dem letzteren etwas voraus, die, natürlich erzählt, fich in der Sphäre halten, die fie Jugendlehrern brauchbar machen könnten, unter Bedingung einiger Nachhüife.

Hr. Krämer Nr. n hat es ausdrücklich zunächft auf die Jugend abgefehen. Der Vf. bezeigt grofses Zu­trauen zu der pädagogifchen Wirkfamkeit feiner Lie­der; angenommen, er hätte Recht, fo würden fie den heiligen Bildern gleichen, die Wunder thun, aber nicht fchön find. Ein paar Pröbchen aus S. 465 fr. an die Menfchenretterin Kuh:

Im dumpfen Stalle eingefperrt,

Kriegft du ein Heu und Stroh,

Und wäreft, wenn dein Rachen plärrt.

Mit guter Luft oft froh.

Ferner:

O edle Sklavin, fey mein Bild Für Tugend, Seelenruh;

Soli ich nicht feyn fo menfchlich, mild,

So tugendfam wie du ?

B. d. Sz.

KLEINE S

Schone Künste. Leipzig, in d. Schiiferifchen Buehh,: Das Bufentlieh. Eine Arabeske. Als Seitenftiiek zu dem Uoter- röckchen, wie es feyn füllte. 1S04. 4.8 S. 8. Mit einem Kupfer. (8 gr.) Ein Baron findet feinen Freund verlobt mit einer Ko­kette; als diefe auf den Ball gehen will, reieht ihr Jenny, ihre armeKufine, ein Bufentuch (f. die lteife Abbildung) ; daser-

C H R I F T E N.

freut jenen Baron, noch mehr aber, dafs Jenny eine arme Fa­milie unterftützt» Natürlich heirathet er fie. Das ift alles fchon vielfältig da gevvefen , auch das, dafs dergleichen Bege­benheiten mittelmäfsig befehrieben werden; aber das ift etwas Neues, dafs eine fo magere, dünne Novelle fich ganz allein in die Welt wagt, und thut, als wäre fie ein Buch.