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ix Zweytes Kapitel.

Polyp oder geronnenes Blut?^)

Dieses ward von altern Zergliederern für eine sehr ge­meine, und sehr gefährliche Krankheit gehalten. Von vie­len Neuern 27 ) wird es als Krankheit ganz und gar ver­worfen. Es besteht aus einer Masse von gerinnbarer Lymphe, welche einige der weitern Höhlen des Herzens, be­sonders die Kammern, anfüllr und sich in die benachbar­ten großen Gefäße erstreckt.

Die gerinnbare Lymphe hat eine gelblich weiße, oder auch wohl eine ziemlich gelbe, Farbe und eine beträchtliche Festigkeit. Sie füllt die Höhle, in welcher sie gefunden wird, völlig, oder doch beynahe aus, und verbreitet sich in die Herzkammern zwischen die Bündel der Fleischfasern. Von diesem Umstande kommt wahrscheinlich der Name Polyp (Vielfuß.) Er erstreckt sich ebenfalls in die großen aus dem Herzen entspringenden Arterien, und nimmt oft die Form der mondförmigen Klappen an. Die Bey- spiele von dieser Erscheinung, die ich beobachtete, waren hauptsächlich in Präparaten, und waren ohne Zweifel erst nach dem Tode entstanden. Jur Erhaltung des Kreislaufs des Bluts ist es nothwendig, daß die Höhlen des Herzens, um das Blut durchlassen zu können, frey sind, und falls eine dieser Höhlen verstopft seyn sollte, würde nothwendig der ganze Kreislauf aufhören. Ein Polyp aber verstopft die Höhle des Herzens, in welcher er gebildet wird, so sehr, daß er den Kreislauf hemmt. Man könnte vielleicht sa­gen, daß Polypen sich gradweise bilden, und daß der

26) Ueber diese Blutgerinnungen, muß man vorzüglich Jojeph.

Paßa de fanguine et fanguineis concretionibus per anato- men indagatis, Rergorai 1786. 8. Nachsehen; W 0 V 0 N ich in dett Göttingschen gelehrten Anzeigen 1787 einen vollständigen Auszug geliefert habe. Er bemüht sich sehr sinnreich und durch eigene Versuche und Beobachtungen darzuthun, daß schlechterdings während dem Leben sich keine Blutgerinnun­gen erzeugen, sondern daß alle erst nach dem Tode sich bilden.

27) Vermuthlich meynt der Verfasser darunter besonders seph Pasta.