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Erstes Kapitel.

Wassersucht des Herzbeutels.

Diese Krankheit ist nicht selten, und wie ich glaube, am häufigsten, im hohen Alter. Doch sah ich sie in Personen unter dreyßig Jahren; 1 °) wahrscheinlich kommt sie auch in der Kindheit gelegentlich vor. Mehr als einmal sah ich beydeS, Hautwassersucht und Bauchwassersucht in Kindern unter zwölf Jahren, welches einem eben so unwahrschein­lich, als Ansammlung von Wasser im Herzbeutel, dünken sollte. Bisweilen findet man Wasser im Herzbeutel ange- sammlet, in Fallen, wo es sich in keiner andern Höhle fin­det; doch wird sie gemeiniglich von einer Wasseransamm­lung in den andern Höhlen des Thorar begleitet.

Die Menge dieses Wassers ist gar sehr verschieden, in einigen Fallen betragt sie kaum zwey Unzen, in andern mehr als zwey Pfund. Wenn auch gleich die Menge des angesammelten Wassers ansehnlich war, so erinnere ich mich doch nicht den Herzbeutel sehr gespannt gesehen zu ha­ben, 1 *) sondern es schien, als wenn er eine noch größere Menge hatte halten rönnen. Es ist also wahrscheinlich, daß der Herzbeutel wirklich so fortwachsen kann, daß er der Ansammlung angemessen bleibt.

Die Flüssigkeit, welche sich ansammelt, ist bräunlich, doch verschiedentlich bald dunkler bald Heller, und gleicht in ihren Eigenschaften dem Blutwasser. Hatte die Person zugleich die Gelbsucht, so ist diese Flüssigkeit, ziemlich dun­kelgelb von der Galle gefärbt. Jedoch hat sie häufig eine

io) Auch ich sah sehr oft in jungen Personen Wassersucht des Herzbeutels, bisweilen allein, bisweilen mit allgemeiner Wassersucht verbunden.

u) Nicht zu gedenken, daß diese Spannung des Herzbeutels, falls sie auch vorhanden gewesen wäre, sich doch zum Theile durch die Oeffnung der Brusthöle verlieren müßte, so kann diese Spannung doch nur im Momente der Anfüllung des Herzens (Diaftoie) Statt finden, die doch nach dem Tode wegfällt. Wäre der Herzbeutel im Leben schon vom Wasser gespannt, so müßte die Anfüllung des Herzens, somit auch der Kreislauf gehindert, wo nicht völlig unmöglich werden.