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Man betrachte die erste und zweyte Figur, und man kann sich kaum vor­stellen, wie Gefäfse zu einem dichteren Netze verschlungen oder verwebt seyn könnten.

Auch sind sämmtliche Figuren nach frischen oder nassen Originalen, nicht nach ausgetrockneten, verdorrten, zusammengeschrumpften oder gar gefirnifsten söge* nannten Präparaten gezeichnet worden.

Ich hebe die Originale, die zu diesen Zeichnungen gedient haben, sorgfältig in reinem Weingeist auf, und habe sie von manchem trefflichen Kenner betrachten und mit den Zeichnungen vergleichen lassen.

Es ist bekannt, dafs mit Cinnobermasse gut ausgesprützte Blutgefäfse, in den Häuten des menschlichen Körpers, durchs Trocknen und Firnissen, nicht nur greller, sondern auch in gröfserer Menge erscheinen, theils weil die zwischenliegende gefäfslose Masse zusammenschrumpft, und die Gefäfse dicht aneinander zieht, theils weil das Oel oder das Harz des Firnisses die Haut durchsichtig macht und tiefer liegende Gefäfse dadurch zum Vorschein bringt.

Was man jedoch auf der einen Seite an Sichtbarkeit und deutlicher Erkenntnifs der Blutgefäfse in solchen Häuten gewinnt, das geht auf der andern von der Wahrheit ihrer Beschaffenheit im Leben verloren. Denn durch das Zusammenschrumpfen wird die Lage, Richtung und Form dieser Gefäfse gar zu sehr verändert.

Um so mehr konnte ich mich über das Gerathen meiner künstlichen Anfüllungen der Blutgefäfse freuen, als ich beym Vergleichen meiner Originale, mit den schönsten Lieberkühnischen Präparaten von den gleichen Theilen wahrnahin, dafs weit mehr Gefäfse in meinen frischen, nassen Stücken, als in seinen trockenen und gefirnifsten erschienen.

Jeder Leser ist im Stande sich von der Wahrheit dessen, was ich hier behaupte, vollkommen zu überzeugen, wenn er Zinns Abbildungen, welche bekanntlich nach den besten Lieberkühnischen Präparaten von dem geschickten Kaltenhöfer ver­fertiget worden, mit den meinigen vergleichen will.

Bey dieser Vergleichung wird man finden, dafs meine erste Figur im Zusammen­hänge denjenigen Theil der Gefäfshaut darstellt, welchen dieses Meisterwerk in drey Stücke zertheilt, auf der ersten, zw'eyten und dritten Tafel abbildet.

Bey dieser Gelegenheit wird man ferner finden, dafs meine Abbildungen der ein­zelnen Theile dieses Gefäfsnetzes gar sehr von den seinigen abweichen.

In der Blendung nämlich, bildet Zinn Tab. 3. Fig. 3. nicht nur weit weniger, sondern auch anders geformte Gefäfse ab, als ich. Dafs zu dieser gut gestochenen Figur das Original vermuthlich vorgängig ausgedehnt worden, scheint der für diesen