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Bewegungen des Augapfels und der Augenlieder mögen auch noch so heftig, schnell und häufig erfolgen; so gehen solche Krümmungen willig nach, ohne dafs ein Hauptast nöthig hätte aus seiner Stelle merklich zu weichen.
Die erste und zweyte Figur, verglichen mit der fünften, zeigen, dafs überhaupt die Augenarterie mit ihrem Stamme schräg, von aufsen nach innen zu fortläuft, und sich schlangenförmis:: unter dem Sehenerven hinabwindet, um endlich oberhalb dem Augapfel sich zu verbreiten. — Die Augenvene dagegen läuft in fast entgegengesetzter Richtung mit ihrem Stamme schräg von innen nach aufsen zu fort, indem sie sich schlangenförmig über den Sehenerven hinanfwindet, da sie unterhalb dem Sehenerven am entferntesten entspringt. Folglich begleitet das Venensystem ums Auge herum nicht wie an andern Theilen, das Arteriensystem, sondern jedes System hält hier seinen besondern Weg. Eine Einrichtung, die wir gerade so bey der Hirnarterie, von der die Augenarterie abstammt, bemerken.
Auch harmonirt die Augenarterie mit ihrem Stamme der Hirnarterie nämlich darin, dafs sie sich durch den Knochenkanal des Sehenerven gleichsam durchdrängt, da sie doch, wie man denken sollte, durch die ganz nahe liegende Augenhöhllücken einen kürzeren und gewissermafsen freyeren Weg gehabt hätte.
Ferner harmonirt die Augenarterie darin mit der Hirnarterie, dafs sie ohnfern ihres Ursprungs eine starke Schlangenkrümmung (Fig. I. II. bildet, gerade so wie die Hirnarterie im Knochenkanal, der Pyramide und im zeitigen Blutbehälter, und da wo sie eigentlich erst Hirnarterie wird, sich allemal, wenigstens dreymal gewaltig krümmt. (Fig. I. und II. N. O. P.) Durch diese Einrichtung wird zwar die Quantität des Blutes geringer, und der Trieb des Blutes, der vom Herzen kommt, schwächer; allein die Bewegung des Blutes dafür gleichmäfsiger.
Noch harmonirt die Augenai terie mit der Hirnarterie auch darin, dafs sie bis auf die Aeste, die ins Antlitz gelangen, aus einer dünneren und zärteren Flaut zu bestehen scheint.
Endlich harmonirt die Augenarterie mit der Hirnarterie auch darin, dafs sie sich gewissermafsen abgesonderter oder lofser von benachbarten Theilen, im Fette der Augenhöhle, an welches sich gemeiniglich nur ein zarter Zellstoff locker heftet, zertheilt. Ihre Präparation macht daher auch bey aller Feinheit ihrer Aeste keine sonderliche Mühe. Eben so bieten sich bekanntlich, die Arterien des Hirns dem Auge des Untersuchenden, fast ohne alle Präparation, schon gleichsam von selbst entblöfst liegend dar.
Ich erinnere mich nicht, diese fünf Umstände eines so auffallend beständigen und ausgezeichneten Baues der Augenarterie, von irgend einem Schriftsteller beachtet gefunden zu haben.