§ 8 7 -

Die Erkenntnifs des Blutharnens im Allgemeinen fällt, sobald eine bedeutende Quantität Blut abgeht, nicht schwer. Allein geht nur wenig Blut mit dem Harn ab, so ist es weder so leicht zu erkennen, noch das Blut von dunkel gefärbtem Harne sogleich zu unterscheiden. Inzwi­schen färbt selten blofser Harn weder ein eingetauchtes Läppchen so stark, noch zeigt er, mit Alcohol vermischt, so viele Fädchen.

Die Entscheidung, ob das Blutharnen eine Krankheit der Harnblase oder der Nieren ist, oder ob das abgehende Blut aus den Gefäfsen der Harn­blase, oder aus den Nieren und Harnleitern quillt, erfordert eigene Auf­merksamkeit. Befindet sich ein Stein in der Blase, oder ist ein Instru­ment gewaltsam in die Harnblase eingebracht, oder ist sie durch sonst eine äufsere Gewalt verwundet worden, so ist freylich die Quelle des Blutes bald ausgemittelt.

Die sogenannten blinden Hämorrhoiden (haemorrhoides coe- cae),. welche in starken Anschwellungen der Blutgefäfse der Harnblase be­stehen, sind wohl nicht leicht im Leben wahrzunehmen. ,Von der Haar®) glaubte sie dadurch erkannt zu haben, dafs ihm beym leisen Einbringen des Catheters auf einmahi häufiges Blut entgegenflofs.

§. 88 .

Mit der Blutung des männlichen Gliedes (Haemorrhagia pe- nis oder Stymatosis b ) kann das Blutharnen gar nicht verwechselt wer* den, w r eil jene Blutung theils ohne Zusammenziehung der Blase, theils nicht in der Menge erfolgt, sondern gewöhnlich aus dem schmerzlosem schlaffen Gliede tröpfelt. Diese meistens schmerzlose, überhaupt selten bedeutende Blutung der Harnröhre ist mir meistens bey jungen Wollüstlin­gen, nach übertriebenem Beyschlafe, aber noch nicht in alten Männern vorgekommen, daher ich sie hier auch nicht in eigene Betrachtung neh-

a ) Sammlungen fi'tr praktische Aevzte, IT. Bd. 2tes Stück, p, 47.

b~) Ho wm an in den Phil. Transact. n. 529.. in Leskes Uebersetzung. Theil 2» S. 191. Hebenden Commentarii. Francofuvti, 1804. Cap. X. p. 363 .