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Unvermögen der Blase den ITarn zu halten.

(Enuresis. Incontinentia urinae.)

§ 79 -

Eine eben so gemeine als lästige Krankheit der Männer von hohem Alter, besonders von grofser Lebens-Consumtion, ist ein unwillkührliches Wegtröpfeln des Harnes , entweder wegen einer Unfähigkeit der Harn­blase, den Harn zur Ansammlung aufzunehmen, und zu fassen, oder ein Unvermögen ihn gehörig wegzulassen. Trieb und Ausfliefsen des Harnes ereilen einander so schnell, dafs es dem Patienten an Zeit fehlt, nach einem Geschirr zu langen (Enuresis spastica). Bisweilen zeigt sich das Unvermögen den Harn zu halten, blos des Nachts (Enuresis nocturna).

Ein solches Unvermögen nimmt allmählig ohne weitere Beschwer­den zu, bis zulezt die Harnblase nicht das Geringste mehr zu fassen ver­mag, sondern der Urin sogleich wegrinnt, wie er aus den Harnleitern in die Blase ankommt.

Meistens ist der abgehende Harn schon gleich bey seiner Erschei­nung stark riechend, und so scharf, dafs er die Haut, an welcher er herabrinnt, leichter als gewöhnlicher Harn, wund zu machen scheint.

§. 8o.

Die Zufälle, und die Erkenntnifs dieser Krankheit sind ge­wöhnlich so deutlich, dafs sie keiner näheren Erläuterung bedürfen. Indessen hat man doch bisweilen bey alten Männern eine paralytische Harnverhaltung , folglich eine wahre Ansammlung des Harnes für das Gegentheil, nämlich für ein Unvermögen der Harnblase eine Ansammlung zu gestatten, das ist, den Harn zu halten, angesehen. Männer nämlich, welche die libele Gewohnheit, aus Vorsatz oder Unaufmerksamkeit, haben, (wie wir schon bey der Blasenlähmung bemerkten), ihre Harnblase nie völlig auszuleeren, sondern immer noch etwas Harn zurückzubehalten, haben