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ein drittes aus Wahrnehmung und Reflerion zu- sammengeseztes, das, was wir gewöhnlich Erfahrung nennen. Nicht sie, die Erfahrung, kann man mit Recht als die Grundlage alles Wissens von der Natur anschen, wie man es von der Wahrnehmung behaupten kann, ihr Geschäft ist es nur, das Wahrgenommene dem Geiste naher zu führen; unsägliche Jrrthümer sind in die Naturlehre durch Fehler im Reflectiren, durch Mißkcnntniß der Bedeutung der Reflection, durch Einseitigkeit in ihrer Anwendung eingedrungen, die Wahrnehmung für sich führt zu keiner Irrung. -
Wenn wir von der Reflerion behaupten, lhr Geschäft sey, dem Geiste die Wahrnehmung naher zu führen, so setzen wir nothwendig ein drittes höheres eigentliches Erkenntnißvermögen, wodurch erst die Einheit zwischen Geist und 'Natur hergestcllt, die Wahrheit errungen werden kann, voraus. Eine solche Erkenntuißweise veroffenbart sich in der Mathematik als intellektuelle Anschauung, und diese ist es auch, welche in der Natnrforschung gefordert wird, insoserne Wahrheit in ihr seyn soll.
Die itswkkeknrelle Anschauung ist das VermZ^ gen, den Begriff der Dinge zu erfassen, und ihre Verschiedenheiten als zufällige Beschränkungen in dem Begriffe selbst, oder diesen in ihnen zn erkennen. Die vergleichende Anatomie, die Botanik, die Chemie, haben diesen Weg schon eingeschlagcn, und die herrlichsten Früchte geärndtet. So wie alle Mathematik auf der Anschauung des unendlichen Raumes und der unendlichen Zeit wurzelt, so liegt aller vergleichenden Anatomie der Begriff des Thie- res, aller Pflanzenkunde der Begriff der Pflanze zum Grunde, und die Chemie findet am Ende in alle» möglichen Combinationen der Elemente nur das ewige Polaritätsgefetz ausgedrückt. Wenn dann die Thierc, die Pflanzen die mannichfaltigsten Theile darbieten, wenn diese Theile in Form, Größe, La- gcnverhältnisscn tausendfältig abändcrn; so erkennt der Naturforscher sie doch immer als Ausdrücke eines und desselben Begriffes, der nur in Zufälligkeiten anders geformt erscheint, auf diesen Begriff führt er sie zurück, und erkennt eben damit ihre wahre Bedeutung in der Natur.
4. Des königl. geh. Raths v. Sömmerring neueste Alkohols-Rectifications - Versuche.
Die neue Methode, sagt Hr. Ob. Fin. Rath von Velin *), gründet sich auf einen von M. van Mo ns in Brüssel bereits im Jahre 1819 gemachten Versuch (Annales generales'des Sciences phy<siques etc. Tomei. a Bruxelles 1819- p. 76), den wasserhaltigen Weingeist unmittelbar in Kalbsblasen zu füllen, dieselben fest zu verbinden, und einige Tage über einem geheizten Väckerofcn aufzuhängen. Van Mons fand, daß Weingeist von 19° Baume (i. e. von 41! Gewichtsstärke) nach 5 Tagen bis auf } der Flüssigkeit durch die Blase verdampft waren, der verbliebene Weingeist dagegen bis auf 40° Baums, oder entwässert, und demnach 88 Procent haltig geworden war. Er fand aber auch, daß dieser 4vgrädige Weingeist in seiner Blase in einen feuchten Keller gebracht, durch die Blase hindurch wieder Wasser einsaugte, und nach kurzer Zeit wieder auf io° Baume zurückkehrte.
Hr. pan Mons kam au f diese Versuche, indem er die in den Denkschriften ver^MnNrrchrmev Akademie von 1811, 1814 und 1820 bekannt gemachte höchst interessante und in ihrer Anwendung auf schnelle Veredlung und Zugutemachung der Weine und spirituosen Substanzen wichtige Entdeckung des Hrn. geh. Raths v. Sömmerring weiter verfolgte: daß die thierische Blase, wenn sie als Schließungsmittel spirituoser in gläsernen Flaschen aufbewahrter Flüssigkeiten gebraucht wird, während des Verdünstungs-Prozesses dem Wasser einen bey weitem leichteruDurchga n g durch ihre Poren, oder zellichteTertur gestattet, als dem reinen Alcohot, oder absoluten Weingeiste; und es ist der Zweck dieser neuen Abhandlung des berühmten und auch im Alter uncrmüdet thatigcn Entdeckers, seine neuen über diese abgcan- derte Vervüustungsmethode angestelltcn Versuche mit einigen für die Ausübung wichtigen praktischen Bemerkungen zum allgemeinen Besten öffentlich be-
*) Verglichen Hesperus Nr. irr.