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Nro. 180.
H c s p c r u s.
Mittwoch, 28. Juli 1824.
Dritter Bericht über die Arbeiten der köm'gl. bayerischen Akademie der Wissenschaften.
(Fortsetzung Nr. 179.)
2. Von den Gelehrten, welche Bayern dem Auslande gab.
Am Eingänge sagt Hr. Akademiker und Regierungs-Rath Clemens von Baader: „DieWissenschaft kennt keine Gränzen, am allerwenigsten topographische. Im Reiche der Gelehrsamkeit gibt es keinen Ausländer, keinen Norden und keinen Süden, und, wie sich der Portugiese und der Ungar, wenn sie tu Asien Zusammentreffen, einander Landsleute nennen, so sind alle Gelehrte, sie mögen unter was immer für einer Zone geboren seyn, wahre Landsleute, und bilden zusammen nur Ein Collegium, eine heilige Propaganda, berufen und bestimmt, Wahrheit und Licht zu erhalten, zu vermehren und zu verbreiten. — Seit der langen Zeit, da die Kultur des Geistes betrieben ist, und die Gold- mincn der Wissenschaft zu Tage gefördert werden, war es immer mit ein vorzügliches Mittel, in jeder Rubrik der Wissenschaft fortzuschreiten, daß sich Gelehrte, die nicht in einem und demselben Neste geboren wurden, und weder Vettern noch Gevattersleute waren, aus verschiedenen Ländern, und mit einer, auf verschiedene Art erlangten Vorbildung, mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen, oft mit verschiedenen Ansichten, zu denselben höchsten Bestrebungen und Zwecken verbanden. Dadurch entsteht ein sehr wohlthätiger Austausch der Ideen, ein Bollwerk gegen kleinlichte und bornirte Anschauungen, und gegen literarische Krähwinkel-Geschichten.— Wenn in älteren und neueren Zeiten das Ausland an B a y e r n viele würdige und berühmte Gelehrte gab, so gab auch in älteren und neueren Zeiten Bayern dem Auslande viele würdige und berühmte
Gelehrte, und beyde Klassen, die Eingewanderten, und die Ausgewanderten, erhöheten den literarischen Ruhm, sowohl ihres alten, als des neuen Vaterslandes." —
3 . Ueber die Wahrheit in der Naturforschung, und die Mittel, zu ihr zu gelangen.
Die Natur erforschen, sagt Hr. Akademiker und Hofrath Döllinger, heißt nichts anderes, als sie aufmerksam betrachten, damit, was zunächst dem beschauenden Gerste von Außen als fremdartiger Gegenstand gegeben wird, in ihn eingehe, und zu einem Gedanken werde, welchen der Geist als sein Eigenthum erfassen mag. Die Wahrheit in der Natu rforsckuna ist.di e Uebereinstimmung unserer Vorstellungen, die wir uns von der Natur machen, mit ihr als dem Gegenstände des Vorstellens selbst.
Die erste Auffassung der Natur geschieht durch Beobachtung, welche sich von dem alltäglichen Ge brauche der Sinne zum Wahrnehmen der Gegenstände dadurch unterscheidet, daß sie ein durch geistige Kraft veredeltes, durch festen Willen bestimmtes, durch Uebung gestärktes, sich seines Zweckes immer bewußtes Beschauen der Natur ist, und so, mit auch nicht allein beachtet, was die Natur darbietet, sondern sich auch des Erperimentes bedient, und willkürlich das zu Beachtende herbeyführt.
Mit welchem Fleiße aber auch immer der Naturforscher beobachten, mit welcher Sicherheit er crperimentiren mag, die Wahrnehmung für sich ist noch keine Erkenntniß, wenn sie auch alles und jedes Erkennen begründet.
Daher tritt von selbst, sobald nur einige Masse von Wahrnehmungen beysammen ist, das Rcflecti- ren hinzu, um das zerstreut Gegebene zu verbin, den, und nach Denkgesetzen zu ordnen; so entsteht