50

Dörfern doch nicht leicht diese kurzen Camiföler oder Gilets an Werktagen, wo sie so sehr durch selbige eingeschränkt, und bei ihren schweren Handarbeiten gehindert werden würde, sondern vorzüglich nur an Sonn - und Feyertagen.

Da sich aber gerade an diesen Tagen die Jugend in den Dörfern, wenigstens in Deutschland, mit Singen, Lärmen, Tanzen, Springen, auch wohl Ringen und Balgen zu belustigen pflegt, so wirken auch wahrscheinlich diese engen Kleidungsstücke, auf ähnliche Art, wie die Nabelbinde und hohen Bein­kleider, wiewohl in geringerm Grade mit zur Er­zeugung eines Bruches, falls sie auch nicht ganz allein einen Bruch hervorzubringen oder zu erzwin­gen vermögen.

Um so mehr sind aber Brüche hierdurch zu be­fürchten , als gewöhnlich diese Belustigungen der Jugend in den Dörfern nach dem Essen Statt zu sinden pflegen, und H. H. Richter *) ausdrück­lich lehret:Ueberhaupt entsteht ein Bruch immer «leichter nach der Mahlzeit als vor derselben; weil die ausdehnende Kraft der mit Speisen angefüll­ten Eingeweide vermehrt, und die Bauchhöhle «erweitert ist.

Die den Westen des männlichen Geschlechts, beim weiblichen Geschlechte gleichenden Kleidungs-

*) S. sS.