Nicht so bekannt hingegen scheint es mir, ungeachtet es eben so leicht durch einen einfachen Schnitt erweislich ist, daß auch die Mitte der Kreuzungsstelle der Sehenerven die Flüssigkeit der dritten Hirnhöhle unmittelbar berührt, und wechselseitig von ihr berührt wird.

Diesen Umstand habe ich schon »778 in meiner Jnauguralschrift auf der Dritten Platte No. 3 und 4. deutlich abgebildet; seitdem aber mit besonderer Genauigkeit und Sorgfalt in vielen Hirnen nochmal untersucht, und in allen ohne Ausnahme bestätigt gefunden.

Andere Autoritäten zum Beweise dieses Umstandes kann ich nicht anführen, da er selbst auf Vicq d'Azyr's Tafeln gar nicht einmal entfernt angedeutet, sondern gänzlich verfehlt ist. Allein man kann, wie gesagt, die Wahrheit dieser Sache leicht in der Natur selbst prüfen.

Da uns also auch an dem Sehenervenpaare die Natur selbst un- widersprechlich die äußersten wahren Endigungen, das wahre Aufhören desselben oder in anderer Rücksicht: Den äußersten ersten wahren Anfang oder Ursprung oder die geendigten Würzelchen desselben, im Hirne zeigt: so gelten hier auch die nämlichen Schlüsse, wie beim Hörnerven; nämlich:

Da die Hirnendigungen der Sehenerven und die Feuchtigkeit der Hirnhöhlen sich einander wechselseitig berühren: so läßt sich auch nichts anders denken, als daß die mittelst der Seheorgane in den Sehenerven erfolgenden Bewegungen, falls sie weiter als diese soliden Endigungen fortgepflanzt werden, sich der Flüssigkeit in den Seicenhirnhöhlen mittheilen.

Und wenn dieses richtig ist; so ist es auch von den allerfeinsten sinnlichen Gesichts - Empfindungen wahrscheinlich: daß sie jenseit der Hirnendigung des Sehenervenpaares das ist: in der Feuchtigkeit der Hirnhöhlen entstehen.