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Nachfolgrmg des Lebens Christi. Damit ihr solches bester verstehen wöget, so werket diese Lehre, die ich euch in einem Gleichniß vorlegen will.
Es war ein hoher' Meister, an Leben And in göttlicher Kunst, der hatte einen Jünger, der hätte gerne ein gutes, siWes Lehen geführt, der sprach zu diesem Meister: Ehrwürdiger lieber Meister, lehret mich durch Gott etwas, was mir zu einem gottseligen Heben gut sey. Der Meister empfing den Jüngling gütlich, und redete gar viel mit ihm. Unter andern Dingen gab er ihm eine Lehre, und sprach : Lieber Sohn, begehrest du eines seligen , guten Lebens, so sollst du manchen EinkehI in dich selbst thun, und dieß war e ine eM, sehe nütze Lehre, denn so sich der Mensch zu auswendigen Dingen kehrt, und sich, dann also vermannichfaltiget mit den, creatürliche» Sachen, so kann und mag er nichts Gutes in seiner Jnwendigkeit. der Seele- voMmgen, so lange er in dieser MannigsaltigMt stehet, und sein HeHMrd Gewüth zerstreuet und unruW Äeibet^
Nun ist mancher Mensch, der klaget sich und spricht: .Lieber 'Herr, man bekümmert mich mit also viel Remter, und Mir auswendigen Sachen, die ich aus Gehorsam aMunchten habe, daß ich hievon zu mir selbst nicht kommen mag, uoch kann, und so ich auch gerne einen Einkehr in mich selbsttthate, so irret mich das auswendige Werk. Liebes Kind, dieß klage Niemand, denn dir selbst, denn es ist deine
Schuld und soiK Niemands, denn dich irret Niemand so viel, als du dich silbst.-Hattest du deiner selbst Mhrlich Acht, wenn dchMnn sechs FußtritkeWatest in'ganzem Gehorsam, daß du dann den siebenten Kußtritt wahrlich in einer Einkehr thütest, so Iönnte dir sicherlich keine AeußerlichkdM Maden, wolltest hchdich in einer Men., Hut halten. 'ÖhneHWeifel, es liegt aMn daran, daß Her Mensch wedtt Hut, noch Acht hat, wie er doch hillig allezeit thun sollte, und so der Mensch etwas Auswendiges verrichten soll, so laßt er sein Herz und Gemüth zu sehr darauf, imd phantasirt den Dingen also nach, entweder mit einer zu großen Aorge, oder mit einer WvhWWWeiL seines RmtW (da er mehr M Amt ansiehet, denn den Ochorsam)^ oder Mit etwas Lust, die er in solchen auswendigen Dingen sucht, oder mit einem unwilligen Ueberdruß oder Verdroffenheit, daß er^so ßmg-m thut, was Gehorsam erheischt, sonst wäre er §mug willig.