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zusetzte. Wir enthalten uns des Urtheils über eine Bearbeitung, welche sich in der lesenswerthen Vorrede gewissermaßen zum Verdienst macht, gar keine alte Ausgabe benutzt zu haben. Die Ausgabe 1660 und 1720 stimmen mit einander auf die Columnen überein, und von der Ausgabe 1665 ist zu be­merken, daß aus Mangel von Absatz nur die ersten 8 Blätter umgedruckt sind, und der Rest nichts anderes als die erste Ausgabe 1660 ist. Vielleicht dürfte die von Fabricius und Jördeus angezeigte Ausgabe Erfurt und Leipzig 1703 hieher gehören.

tz. 13. In den vorhergehenden Paragraphen ist bey jeder Ausgabe des Textes bemerklich gemacht worden, wie, was gleichzeitig meistens mit andern deutschen Werken geschah, nach dem Dialecte des Druckorts jedesmal der Dialect in den Predigten sich veränderte , und wir sonach deutsche Ausgaben des Textes haben im Sächsischen, Augsburger, Oberrheinischen und Nieder­rheinischen Dialect, und.Uebersetzungen in die niedersächsische-und niederländische Sprache. Ein ähnliches Verhältniß offenbart sich in der sogenannten Spenerschen Ausgabe Frankfurt 1621, welche da die Schriftsprache sich unterdessen fester bestimmt hatte, nur noch in der üblichen Rechtschreibung und Jnterpunction Abänderungen erleiden konnte; diese sind unverkennbar zwischen 1621 bis 1720, so daß schon die Ausgaben 1703 und 1720 dem heutigen Leser wenig' Anstoß mehr geben dürften.

Wir bedienen uns desselben Rechtes, um nach 200 Jahren wieder einen Vulgär-Text des Tauler zu bearbeiten. Die Prosa und Rechtschreibung un­serer Sprache sind festgeftellt, aber die Sprache selbst nimmt fortwährend aus ihren einzelnen Dialecren kräftige, bezeichnende Worte auf, wodurch sie immer reicher wird an Ausdrücken für einzelne Begriffe. Unter den deutschen Prosaisten seiner Zeit, z. B. Heinrich Suso, Heinrich von Nördlingen, Mar­garetha Ebnerin, wird Tauler vor allen gepriesen wegen seiner einfachen, nachdrücklichen, meist sehr gewählten Sprache. Aber alle, die ihn verehrten, zweifelten mit Recht, ob er in seinem alten Gewände nochmals den Deutschen willkommen seyn könnte. Dieses Bedürfniß berücksichtigend, und gestützt auf die Aufnahme, die in unserer Zeit den in neuer Rechtschreibung herausgege- benen deutschen Merken des Mittelalters zu Theil ward, haben wir unter An­wendung der oben §. 6 ausgesprochenen Grundsätze für die Kritik des Textes denselben partheylos und bey Berührung von Dogmen gewissenhaft unverän­dert, in die jetzt angenommene Schriftsprache und Rechtschreibung, umgeän­dert, durch sorgfältige Jnterpunction unzählige schwierige und dunkle Stellen aufgeklärt, durch eingeklammerte Worte [ ] den zuweilen schweren Sinn er­läutert , und somit Umschreibungen vermieden, welche möglichst selten Vor­kommen. Wir haben die alten, meistens in die jetzige Sprache in gleicher