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1522 zur Berichtigung angewendet, welche zuweilen mit großer Besonnenheit ausgeführt ist. Die späteren Ausgaben setzen unter die angewendeten kriti­schen Hülfsmittel noch die Arndtsche Ausgabe Hamburg 1621. Da aber beyde Ausgaben nur etliche Monate von einander im Druck erschienen sind, so ist zu vermuthen, daß man (1681) diese Behauptung ohne Grund auf- stellre.

Seine angewendete Kritik schildert der Uebersetzer mit diesen Worten: » Wo die Teutschen Exemplare (1521 u. 1522) wegen ihrer alten und nun­mehr fast unbekannten Wörter und Phrasium etwas unverständlich feyn wol­len , da ist der Verstand aus dem Lateinischen Surii erholet worden, weil es

glaublich, es werde ein Mönch den andern recht verstanden haben.«-

Doch verwahrt er sich gegen alle wissentlich vorgenommene Abweichung von dem eigentlichen Verstände Taulers, welches wir in jedem Stücke bezeugen können. Aber dem polemischen Geiste der Zeit gemäß, konnte der protestan­tische Uebersetzer, indem er seinem Versprechen zufolge den Tauler unverän­dert herausgab, nicht unterlassen, bey ihm bedenklichen Stellen durch Rand­glossen seine protestantische Leser zur Aufmerksamkeit aufzurufen.

Nach 60 Jahren gab Phil. Jac. Spener zu Frankfurt diese Über­setzung mit einer neuen Vorrede (Frankfurt den 13. September 1680) un­verändert wieder heraus, selbst mit allen Randglossen. Diese Ausgabe (1681 und 1688), Zeile auf die Zeile abgedruckt, zeichnet sich durch nichts aus vor der sehr seltenen 1621, als durch die Hinzufügung des armen Lebens Jesu, der Meciiiim animae, der teutschen Theoiogia, der Nachfolgung Chri­sti, des Thomas a Kempis , und der zwey Tractate des Johann von Stau­pitz. Die Ausgaben 1692, 1703 und 1720 fetzen zu diesem Anhänge noch die eigens übersetzten: Geistreichen Betrachtungen des Lebens und Leidens Christi; wie der Mensch möge ernsthaftig werden, und Taulers Leben. Die schö­nen Ausgaben ;703 und 1720 stimmen mit einander auf die Zeilen überein; in diesen sind die Tractate mit fortlaufender Columnenzahl zusammengedruckt, welche m-den früheren Ausgaben unter einzelnen Titeln trennbar enthalten waren. Vor der Ausgabe 1720 steht eine polemische Vorrede von I. Daniel Heerenschmid (Halle den n. April 1720). Die von Freytag und Beck an- gezeigten Ausgaben Frankfurt 1705, und Erfurt und Leipzig 1703 (Jördens, Fabricius) sind noch nicht wieder gesehen worden.

§. 12. Da aber die Ausgabe Frankfurt 1621, trotz der Treue ihrer Uebersetzung, von Katholiken nicht gebraucht werden konnte, so unternahm der Carmeliter P. Carolus a 8 . Anastasio zu Frankfurt (am 29. August 1660) eine neue katholische Ausgabe, in welcher er die Frankfurter 1621 zu Grunde legte, und das was diese ausgelassen habe, aus dem Surius hin-