1

XXIII

: i

Predigten, alle anderen auch die Tractate. Sehr selten und schön ist die Ausgabe Maceratae 1697, auf die Seite abgedruckt von Coloniae 160.3.- Vermutlich sind noch manche Ausgaben unbekannt geblieben, manche sind noch zweifelhaft.

§. 9. Surius hat als lateinischer Umschreiber nach der Cölnifchen Po­stille 1543 sehr großes Verdienst um den Sinn von Tauler, welchen er mög­lichst treffend wiedergiebt; er hat, obgleich er selbst gesteht, daß er nicht in Cicero's Latein schreiben könne, doch den großen Reichthum der lateinischen Sprache in Wendungen und metaphysischen Ausdrücken unwiderleglich darge- than, indem er den gedankenreichen, gedrungenen Styl Taulers verständlich und klar übertrug. Aber dieß war seiner Aufgabe nach unmöglich durch wörtliche Treue Zu erreichen, daher das ganze Werk des Surius nur als eine gelungene Umschreibung feines schwierigen Stoffes anzusehen ist. Man vergleiche irgend eine Predigt aus einer beliebigen deutschen alten Ausgabe mit seiner Bearbeitung, und man wird finden, wie willkührlich er den Text erweiterte, aber auch, was seinem Versprechen zuwiderläuft, öfters sehr ver­kürzte. , Dabey ist sein polemisches Bestreben, dogmatische Sätze, die Tauler etwa andeutet, zu entwickeln und auszusühren, überall sichtbar. Als lateini­sches Werk, für alle europäische Nationen zugänglich, bey der bestehenden Trennung in Glaubenssachen, sich selbst wiederholt als beste Bearbeitung auf- drängend, mußte diese Paraphrase allerdings Vulgar-Text für katholische Le­ser werden; und bey dem Mangel von litterarischen Hülfsmitteln und sich­tender Kritik ist es zu begreifen, wie sie späterhin 0.621) für Protestanten wieder umgearbeitet werden und dadurch den Text der sogenannten Spener- schen Ausgaben liefern konnte. Uns konnte sie nur bey bedenklichen Stellen zur Erläuterung dienen, und wirklich kann des Surius Bearbeitung keine wichtige Stelle ausweisen, die unverdächtig neu aus guten Handschriften ge­schöpft wäre.

Zur Bestätigung unserer Erfahrung führen wir das Urtheil des unstrei­tig stimmberechtigten Quetif *) an, über des L. Surius lateinische Meta­phrasen des Henricus Suso:

» Hane versionem qui accurayit Surius, sinceram se dare testatur e Germanico quäle ab auctore prim um prodiit, versionemque an» tiquam a nescio quo interprete factam pluriesque excusam [ 1482 U. i 5 i 3 ] non parurn vituperat, eam prorsus infidelem prestans, aliis additis subtractis aliis, adeo ut sit a Germanica Henrici iu- pubratione omnino diversa.-Quam quidem qualis ab auc-

*) Scriptores ördinis Praedicatorum recensiti a Jacob Quetif et Jae. Echard. Paris 1719. fol. pag. 653.