XIX
von 114 Predigten von der Zeit, und 37 Predigten von den Heiligen gebildet.
Die von Peter von Nymweg'en benutzten Handschriften mögen wirklich reicher und abgeäuderter gewesen seyn, oder nicht, so ist doch nach sorgfältigster Vergleichung ersichtlich, daß er die alten 84 Predigten selten abänderte, aber oft schwierige Stellen umschreibend aufklärte; daß er hingegen den ganzen Baseler Anhang aufnehmend, sich oft mit diesem sichtbar Willkührlichkei- ten erlaubte, meist durch große Erweiterungen und Zusätze, zuweilen durch Abkürzungen. So wenig man ihm hierin wirkliches Verdienst, den Text aufgeh ellr zu haben , absprechen kann, so unverkennbar sind oft seine Zusätze überflüßig, weitschweifig, meist an Anhäufung von Beywörtern, und mitten im Texte durch rein Cölnische Orthographie und, Dialeet erkennbar. Oesters scheint der Baseler Urtext nur aus Bruchstücken zu bestehen, welche der Cölnische Herausgeber ergänzte/ und dann folgten wir ihm willig; öfter sind seine Zusätze sichtbar dasselbe ausdrückend, was der bestehende Text schon hatte, also von zwey verschiedenen Zuhörern ausgeschrieben, dann nahmen wir nur das auf, was ganz in Taulers Sinn und Weise ausgedrückt war. Die 1543 schon vollendete Trennung in Glaubenssachen wirkte nicht allein auf die so unkritischen Beschuldigungen ein, sondern auch hin und wieder auf den Text, in welchen zuweilen Dogmen eingeschoben sind, welche die 5 älteren Ausgaben nicht hatten, wie überhaupt Tauler selten Dogmen allein behandelte. Solche Stellen, wenn sie nicht in den 5 älteren Ausgaben sich vorfanden, wurden nicht von uns berücksichtigt, jedoch treulich alle übrigen, durch die alteren Ausgaben gerechtfertigten, so wie durchaus alle Stellen in den 25 Predigten, für welche die Cölnische Postille Erste Ausgabe ist. Auffallend ist ihr und des Surius Bemühen, allen Tadel, den Tauler gegen die Personen der Geistlichen aussprach, geradezu aus dem alten Texte zu streichen.
Von des Surius re. Beschuldigung in Betreff des Textes wird im folgenden §. 8 die Rede seyn; aber für diese und alle möglichen Einwürfe wegen des Textes und seiner Erweiterung oder Abkürzung müssen wir erklären, daß wir gerade absichtlich, deßwegen um nur einen gewöhnlichen Vulgär-Text herzustellen, keine Handschriften benutzt haben, und wenn es uns gelungen seyn wird, einen neuen lesbaren mitzutheilen, es der Vergleichung von Forschern überlassen, in welchem abweichenden Verhältnisse die Handschriften zu den Abdrücken stehen, oder ob in den Handschriften noch nicht abgedruckte Predigten von Tauler befindlich sind. Aus dieser Vergleichung wird sichtbar werden, daß vielleicht in keiner der wahrhaft alten Handschriften der Text so ausführlich niedergeschrieben ist, als ihn schon die erste Ausgabe im Drucke giebt, welche, so weit wir solche mit der-Straßburger ältesten Handschrift verglichen, damit, den verschiedenen Dialeet abgerechnet, wörtlich überein-