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den Predigtet! selbst, in welchen Tauler ausdrücklich von sich selbst sagt, daß er immer »nur« deutsch predige.
§. 6 . Aber auch hier ist-es nothwendig, eine Vergleichung anzustellen des alten Textes der 84 Predigten und des Baseler Anhangs mit der Cöl- nischen Postille und über die von dieser an öfter vorkommende Beschuldigung von Verfälschung und Verstümmelung des Textes. Niemand wird bezweifeln können, daß die Ausgabe Leipzig 1498 nach einer vortrefflichen Handschrift sorgfältig bearbeitet, und daß ihre Nachbildung Augspurg 1508 mindestens vor Anfang der Reformation gedruckt sey. Nur aus einer dieser beyden konnte daher Luther den Tauler kennen, als er 151.8 die deutsche Theologie zuerst empfahl, und dadurch vielleicht den Johann Rynmann, denselben, der die Ausgabe Augspurg 1508 drucken ließ, veranlaßte, die Stimmung der Zeit zu benutzen, und zu Basel durch Adam Petri 1521 und bey schnellem Absatz dieser Ausgabe nochmals 1522, den Tauler, wie oben beschrieben, aus Handschriften vermehrt, zu verlegen. — Luthers Empfehlung des Taulers an Spa- latin, die demselben die bekannte Verunglimpfung des Joh. Eck im 3 ten Buche de purgatorio eap. 9 tt. 13 im Jahre 1523 zuzog, fällt zuerst in dieses Jahr 1523 , sie konnte also unmöglich rückwirken auf die Bearbeitung der fünf bereits erschienenen Auflagen. Wir können auch bestimmt versichern, daß bey genauer Vergleichung mit der Leipziger Ausgabe 1498 die zwey Baseler von derselben lediglich in Betreff des Dialekts, der Orthographie und der Druckfehler abweichen , aber nirgends durch Eine namhafte Eigenrhümlichkeit im Texte der 84 alten Predigten. Hingegen für die 42 neu aufgefundenen und Taulern zugelegten Predigten sind die Baseler sechsten Erste Ausgabe, demnach für Handschriften zu erachten und als solche zu beurth eilen. Auch hat die Cöl- nische Postille sie Alle ausgenommen, und 25 neue Predigten hinzugefügt, von denen Surius mehrere dem Suso und Rusbroich beylegt, und dadurch die Aechtheit dieses Cölnischen Zusatzes einigermaßen verdächtig macht.
Die Cölnische Postille hat den Grund gelegt zu der in allen nachfolgenden Ausgaben und Umarbeitungen zweckmäßigeren Anordnung der Predigten nach dem allgemein angenommenen Kirchenjahre. Hierdurch ist die ohnehin nur lose bestehende Ordnung der alten 84 Predigten aufgelöst, und der Baseler Anhang am betreffenden Orte eingefügt worden; viele Predigten, welche nach den alten Ausgaben auf Wochentage fielen, wurden in der Cölner Ausgabe auf Sonntage verlegt, auch in dieser Anordnung manche Willkühr ausgeübt und die ausführlicheren Summgrien der Baseler Ausgaben durchaus abgekürzt und umgearbeiter. Da aber doch noch manche Sonn- und Festtage ohne Predigten geblieben wären, so Hai diese aus anderen Handschriften die 25 neue Predigten eingeschoben, und somit eine vollständige Postille