XVII
»Unter andern guten Büchern, die uns das wort gots,-- reich
lich mWeilen, haben mir attezeitt fürderlich wol angestanden, die Ser-
mones oder predig des erleuchten D. Johan. Tauleri-Aber so
ich mich in den selben, an etligen orten, da der sinn scheinet verdunkelt, verderbt, oder vngewarsam außgetruckt, in den vorgetruckten exem- plaren lAusgaben^z geftoffen, darumb Hab ich mir Fleiß nach den waren geschreyben Exemplaren zu überkommen, vmbgefragt, vn zuleft anno 1542 zu S. Gertruden in Cölln (da der gedachte Doctor zu wonen vnd das wort gots zu predigen pflag) vnd auch an anderen orten geschreiben bücher (so alt daß die Schrifft an etlichen orten gar nach verschlissen war) gefunden, In welchen vil gute, ja die beste Tau- lerus predige, lerunge, epistelen, vnd cantilenen, -—- gar klarlich , geschryben steen, die bißher nye getruckt noch offenbar gewesen. Auß ' welchen alten Büchern befindet sich auch,, daß die vorgetruckten predi- . gen Tauleri durch vnd durch (mit ab vnd zusatzung viler worte, auch grosser Stücken) jemerlich verkürtzet, verlengert, vnd an den sinnen verenden vnnd verdunkelt waren, mer denn ich von keynem Buch je gesehen oder gehört Hab.«-(Weiter unten sagt Petrus Novio-
magus:)
»Auch steen alle Thaulers predig vnd leren in rechter Cölnischer
sprachen geschrieben, vnd feint nachmals vffs hoich thütz getzogen.-
Wölt Gott, daß hier nach eyn erleuchter mensch vom Heilgen geift gesalbt (wann keyn andrer vermag es) disen kostbaren selenschatz in La- tinsche sprach verendre, vil menschen die das begeren (auch fremden Nationen) zu troff, daß sie Got loben von seynen mitten gaben, die er
seinen freunden reichlich mitgetheilt hat.-Damm zu Cölln des
iij. tags Junii, Anno MDXLiis.«
§. 5. Wir haben dis zu diesem Zeugnisse die Beantwortung der Frage verschoben: ob Tankers Predigten ursprünglich deutsch oder lateinisch seyen geschrieben gewesen, die darum möglich ist, weil die erste Ausgabe 149« auf ihrem Titel besagt: »verwandelt in deutsch manchen menschen zu seligkeit.« (Welcher Ausdruck bedeuten kann : -aus Rheinischem Deutsch in Hochdeutsch verwandelt.) Die Ausgabe Augspurg 1503 sagt:»von latein in teutsch gewendet manchem menschen zu seeljger fruchtbarkeit.« Dieß ist wenigstens unter vielen andern ein Beweis, wie unkritisch die Augsburger Ausgabe übertragen ist und zwar ohne handschriftliche Hülfsmittel. Keine der folgenden Ausgaben deutet andere als deutsche Handschriften an, auch ist keine alte lateinische Handschrift bis. jetzt bekannt geworden. Es finden sich dagegen viele Stellen in