XVI
tes nicht die geringste Ausbeute, denn sie ist wörtlich: »vth hochdüdescher tun- gen yn Sessysche Spracke ghewandelr,« nach der Ausgabe Basel 1521, und ermangelt gleich dieser der Marginalien, welche Basel 1522 schon hat. Ueber ihren sprachlichen Werth hat Kinderling Gesch. der Niedersächsischen Sprache x. 386 sehr günstig geurtheilt.
Die Ausgabe Hamburg 1621 ist nach der Leipziger die schätzbarste und seltenste aus dieser ganzen Reihe von Ausgaben; sie giebt alles, was die Baseler und Halberftädter enthalten, und ausserdem die teutsche Theologie und Kempis von der Nachfolge Christi, beyde mit Arndts Vorreden (und mit diesen in die sämmtlichen Spenerschen Ausgaben ausgenommen). Auch hat Arndt eine Vorrede zum ganzen Taulerischen Werke geschrieben, vermuthlich aber sonst keinen weiteren Antheil an der Ausgabe, welche den Vorreden des Verlegers (Michael Hering) zufolge, hauptsächlich eine Spekulation gewesen zu seyn scheint. Derselbe berichtet hierüber folgendes:
»Habe derowegen deß Johannis Tauieri geistreiche Postill, «ebenst dem ebenmessigen, geistreichen Büchlein der deutschen Theoiogia vnd Nachfolgung Christi, welche nunmehr hundert Jahr, so zu sagen unter der Banck gelegen, auffs newe mit besonderer Trew vnd Fleiß nach den, besten Exemplaren corrigiren, und sonderlich nach dem Basileischen — Anno 1521 *) ohne Veränderung der Terminorum in Meißnischer Sprach deutlicher an Tag gegeben und drucken lassen.« (Hierauf folgt des Verlegers Bitte um Beförderung seiner Ausgabe.)
§* 4. Taulers Predigten waren durch die 5 vorhergehenden Ausgaben, Luthers Empfehlungen, und Joh. Eöks Anfeindungen bekannter geworden und ein Eigenthum der Nation; aber die Eintheilung des Werks war für die Zeit, welche reich war an bequem eingerichteten, meistens lateinischen Postillen, zu unbehülflich; auch war für die Kritik des Textes, zumal des Baseler Anhangs, noch vieles zu thun. Seit diese Ausgabe erschienen war, hatte ein Geist der Kritik und des Ordnens sich bey den Deutschen kräftig und thätig gezeigt, wofür die zahllosen kritischen Ausgaben der alten Clas- stker zu Basel, und die eben so zahlreichen Ausgaben von theologischen'Werten zu Cöln rühmlichft sprechen. Es war also an der Zeit, auch Taulern berichtigt und geordnet herauszugeben.
Der Herausgeber der nunmehrigen Postille, Cölln 15 N 3 , Petrus Novio- magus giebt über seine Arbeit in der Vorrede, unter andern folgende Nachricht :
*) Eine genaue Vergleichung zeigt auch, daß die Ausgabe 1621 allein abge- druckt worden, da in der von 1822 mehrere Druckfehler der ersten verbessert sind, welche die Arndtische Ausgabe noch hat.