gm völlig unterrichtet war. Ich will nicht läugnen, daß er in diesem Jahre noch viel weiter gekommen seyn mag , wie geistvolle Männer gewöhnlich das was. hinter ihnen ist, vergessen und sich täglich immer mehr nach dem , was vor ihnen ist, ausbrei.ten; aber ich vermuthe in der ganzen Geschichte von dem Laien, als seinem Lehrer ein Gleichniß, welches nicht auf den Buchstaben anzunehmen ist, zumal wenn Tauler, wie einige wollen, Verfasser dieses Lebens ist. Dergleichen Einkleidungen psiegte man in diesem Zeitalter der größeren Liebe wegen zu den Bekehrnngsgeschichten zu geben, wie der oben genannte Henricus Suso in der ächten Vorrede seines Werkes angiebt, welche man besser-lesen mag, als in der von Surius interpolir- ten und zum Theil abgekürzten.
Wer die Geschichte von Taulers Tod und die Wunder, welche dabey vorfielen, hinzugefügt hat, wenn er Verfasser derselben ist, ob sie vielmehr, und was wahrscheinlicher ist, als Gleichniß von ihm selbst verfaßt sey, indem sie im gleichen Styl geschrieben ist, zur Beruhigung frommer Menschen, mögen die untersuchen, welche die deutsche Sprache verstehen und die Originalien oder wenigstens glaubwürdige und gleichzeitige Ueberrefte prüfen. Wir glauben gewiß, daß Tauler in dem Convent, in welchem er in den Orden getreten, zu Straßburg gestorben sey mit dem Geruch der Heiligkeit und begraben liege in dem Odeon unter dem Stein, auf dem er ausgehauen mit der noch lesbaren Umschrift:
» Anno MGCCLXIX obiit frater Joannes Taulems. «
Dieß sagten mir nach eigener Ansicht glaubwürdige Männer unseres Ordens, welche im Jahre 1714 zu Straßburg waren, woselbst unser Ordenshaus nach dem Abfall der Stadt vom katholischen Glauben in eine öffentliche Schule so umgekehrt worden, daß nichts im Chor der Kirche unverändert ist. Die Pforte ist verschlossen, indem kein öffentlicher Gottesdienst darin gehalten wird. Hiernach kann man den Spondanns verbessern, welcher bey dem Jahre 1355, nachdem er etliche angeführt, die Taulers Tod auf dieses Jahr setzen, meldet, jedoch ans falschen Angaben, derselbe sey gestorben xyl Kalend. Junü i 36 i; **) dieß erhelle aus dem Grabstein, welcher vor dem öffentli-
*■) Hiermit ist jedoch zu vergleichen die Stelle, Predigt 87 (Sermo 48) im Dhl. 2 . S. 326, aus welcher hervorgeht/ daß er einem solchen Laien, einem Ackersmanne, sehr nahe stand. Hieher gehört wohl auch die Stelle, Predigt 90 (Serm. 5i) Thl. 2. S. 343, von dem allerheiligsien Menschen, den er je sah. Auch die Stelle über seine früheren Predigten und seine VermögensveMltmsse, Pred. 101, Dhl. 2 . S- 4is scheint bestätigend hieher zu gehören, eben so Pred. P 9 (Sermo Bo) Thl. 2 . S. 335 .
**) Daß dieses richtig fty, wird weiter unten erwiesen.