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angefangen hatte, denn jener Bruder Egenolf, sein täglicher Umgang und vertrauter Freund, hatte darin solche Fortschritte gemacht, und der selige Venturinus war dessen so gewiß, daß er in demselben Briefe bey Erwähnung eines gewissen Johannes Ord. Eremit., der denselben Weg betreten hatte, sagt:
»ei impono ut tibi vita mea in Omnibus sit obediens licet in hoc » non confidam de discretione seu Yirtute tua, ut sibi scias necessa- » ria imperare, sed de merito obedientiae facere.«
Dies scheint er darum zu sagen, um nicht den Schein der Eitelkeit auf sich zu ziehen, denn welches Vertrauen er auf die Weisheit des Egenolfs setzt, beweisen seine nachfolgende Worte:
»'Uncle yoIö quod tibi revelet omnia facta et cogitata sua tarn bona »quam mala, et consequenter tibi obtemperet in omnibus, quae » dixeris facienda yel omittenda siye laxando siye restringendo. O »Deus terribilis in consiliis tuis, quis sura ego qui tarn audacter »ignotis impero, tamquam qui eathedram Magisterii teneam in arce » vir tu tum. «
' Hieraus geht hervor, daß der selige Venturinus mit diesen Straßburgern nicht persönlich, sondern nur durch gegenseitigen Briefwechsel über geistige Gegenstände bekannt und vertraut war, denn ausser diesem Brief findet sich noch ein früherer an denselben Egenolf vor, in welchen beyden er auf Briefe von ihm antwortet; ohne Zweifel giebt es noch mehrere/ obgleich ich sie nicht gesehen habe. Aus diesen Briefen schließe ich wiederholt, daß es unserm Tauler nicht mangelte an hohen Lehrern in dem Orden des geistigen Lebens; denn ausser dem seligen Venturinus, mir welchem er schriftlich in großem Verkehr stand, ausser dem Egenolf, der etwa vier Jahre jünger als Ventu- rinus, mit ganzem Herzen zu diesem himmlischen Wissen hinftrebre, war Johannes von Tambaco sein vertrauter Genosse. Er hatte den Bruder Dietrich von Colmar, welchem der selige Venturinus in einem Briefe an ihn versichert, daß sein Herz wunderbar an ihm hinge, ferner den seligen Henricus Suso, wie man ihn jetzt nennt, eigentlich den Johannes von Suevia aus unserm Convent zu Konstanz, welcher zu dieser Zeit sein Buch von der ewigen Weisheit schrieb, diese alle hatte er als treffliche, ihm gleiche Lehrer in geistigen Dingen und ohne Zweifel noch mehrere; ich übergehe den Bruder Lndolphus, der, nachdem er dreyßig Jahre in unserm Orden gelebt hatte,, Karrhäuser und nachher Prior der Karttzaus zu Straßburg wurde, daher es nicht nöthig seyn mag, einen Laien 30 Meilen her zu Tauler kommen zu lassen, welcher ihn im Jahre 1346 als Unerfahrnen und Neuling den Weg des Geistes lehreK sollte, da er schon zehen und mehr Jahre in dieftn Din-