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genannter Lebensbeschreihung wird Tauler öfters genannt : Doctor der Theologie und Magister, welches mehrere auslegen, als hätte er diesen Grad auf der Universität Cöln erhalten. Dieser Meinung treten wir nicht bey, indem sein Name in dem dortigen sehr genauen Verzeichnisse der Magister bis zum Jahre 1368 nicht ausgezeichnet ist. Es wäre nicht vergessen worden, wenn Tauler diese Würde erhalten hätte, so wenig als es vergessen ist bey seinem gelieb­ten Mitschüler, Bruder Johannes von Tambaco, denn in der Handschrift von St. Jakob wird dieser Magister und Tauler lediglich Frater genannt. Doch kann ich leicht zugeftehen, daß er daheim Magister genannt wurde, aus der zu dieser Zeit nicht ungewöhnlichen Ursache, weil er auf irgend einer Uni­versität , nämlich zu Straßburg, erster Lektor in der Theologie, oder weil er erster Prediger war, oder weil er an Gelahrtheit über andere hervorragte Ich will nicht in Abrede stehen, daß er nicht zu manchen Zeiten in anderen Städten von Deutschland, also auch zu Cöln zuweilen mit Ruhm predigte', aber daß er nicht lange dort gelebt habe, vermuthe ich aus dem Umständ, daß sich in unserm Convent zu Cöln keine alte Kunde von ihm befindet. Es ist weit wahrscheinlicher, daß er zu Straßburg *) den größten Theil seines Lebens zugebracht habe. Zuverläßig war er dort im Jahre 1336, wie er­sichtlich ist aus, einem Briefe unseres seligen Bruders Venturinus an den Bru­der Egenolf von Ehenheim, seinen Schüler im geistlichen Leben, der zu Straß­burg lebte, und wie es scheint Alumnus von unserm dortigen Convent war; an diesen schreibt er nach vorausgeschickten geistreichen Lehren:

»His diebus aliqualiter grayatus et nuntio praeoccupatus, qui cras »mane recessurus est, nequeo scribere, quia et caput dolet prae- » gravamine, dum baec scribo. Unde et te rogo quod dum vide- »bis illum tuum et etiam meirai dilectuxn Johannen* Taulerium me ^apud illum excuses v et roges ut mibiscribat, quia illum suscepi »tecum in yiseeribus cbaritatis, sperans per illum et.per te, et per »alios, quorum nornina sunt in libro vitae nomen Christi in Theo- »thonia dilatari. «

Dieser Brief ist geschrieben Donnerstag nach Aschermittwoch (iaten Fe­bruar) 1336 aus der Provinz Bergen, wo damals Venturinus sich aufhielt. In Diesem Briefe sagt er ferner, er würde am nächsten neunten April sein Z6stes Jahr zurücklegen; und in einem andern Brief an den Bruder Rudolph aus der Provinz Lombardey, der zu Paris ftudirte, sagt er, er sey 36 Jahre alt, und bemerkt, er schriebe ihm zu Anfang Oktobers 1336. Aus diesen Brie­fen geht klar hervor, daß schon 1336 Tauler ein inneres und geistiges Leben

*) Man sehe am Ende dieser Lebensbeschreibung die bestätigenden Anmer­kungen.