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Mitglied des Dominicaner-Convents gewesen, sey auf der dortigen Univer­sität Magister geworden und habe den größten Theil seines Lebens daselbst zugebracht. Dorten sey er im Jahre 1346, *) als er etwa fünfzig Jahre alt gewesen, durch einen Laien, der von einem etwa 30 Meilen weit ent­fernten Orte hergekommen war, zu dem Weg der Vollendung geführt und aufgemunlerG worden, und hätte darauf den Ueberrest seiner Tage in Aus­übung der gewöhnlichen Ordenspflicht unter dem Beyfall seiner Zuhörer und zu ihrem großen Nutzen zugebracht, worauf er in dieser Stadt gestorben und begraben worden. Daß aber Tauler kein Mitglied Hes Cölner, sondern des Straßburger Convents gewesen, erhellt aüs der Inschrift eines Manu- scripts, welches er und Johannes von Tambaco **) unserm Convent zu St. Jacob zu Paris geschenkt haben, in welchem mit klaren Worten steht:

»Librtim istum de sensibilibus deliciis paradisi contulerunt con- » yenttii Parisiensi fratres, magister Johannes de Tambaco ***) » et Johannes Taularii de conyentu Argentinensi, proyinciae Teu- »toniae etc. « (Quetif 1. c. p. 686.)

Aus diesen Worten erhellt, daß beyde damals in unserm obersten Ordens- Hause auf Kosten ihrer Provinz studirten und als Beweis ihrer Dankbarkeit besagte Handschrift dahin schenkten. Es ist daher vermüthlich Paris diejenige Stadt, von welcher er in seiner Lebensbeschreibung in der ersten Predigt an das Volk erzählt, daß er mit Einwilligung und auf Befehl seiner Oberen studirt habe. Aber diese Worte sind nicht so zu verstehen, daß er damals erst in seinem 30 sten Jahre in den Orden getreten sey, wie Soegius irrig

auslegt in »Anno Dominica nornrn Gallico. Tomo II. Julius, in Supple- mento Maji pag. 160. «, indem es wahrscheinlich ist, daß er als Jüngling von 18 oder 20 Jahren in den Orden getreten sey; auch weil zu dieser Zeit niemand zu seiner Ausbildung aus fremden Provinzen auf die Universität Paris geschickt wurde, der nicht schon von reiferem Alter war und in seiner Provinz in allen Anfangsgründen der Wissenschaft absolvirt hatte, wovon sich in erwähnter Bibliothek unzählige Beyspiele befinden, ****) daher nicht allein Priester, sondern auch Seelsorger hinzugelassen wurden, was einem Anfänger oder einem der erst kürzlich Profeß gethan, nicht erlaubt worden wäre. In

*) In dm.alten deutschen Ausgaben, so wie in der Cölnischen Postille steht das Jahr i34o. Erst Surius hat in den Ausgaben 154s und 1552 das Jahr 1346 ge­setzt, und von da an die ihm folgenden Ausgabe»; dieß zur Erklärung der im Texte vorkommenden Jahrzahl. In den Spenerschen Ausgaben steht schon wieder das Jahr 1340 richtig angegeben.

**)"' Gestorben 1372, alt 84 Jahre, im Dominicaner-Orden 64 Jahre.

***) Der Verfasser dieses TractatS, nach Trithemius, de scriptor. ecclesiast.

****) Johannes de Tambaco verehrte ja sein eigenes Werk in diese Bibliothek.