Das

Leben von Io

a n n Laut er.

^)akob Quetif und Jakob Erhard *) in ihrem Werke über die Schriftstel­ler des Prediger-Ordens, sagen von Tauler:

Bruder Johannes Tauler, ein Deutscher, zur deutschen Provinz ge­hörig/ erwarb sich nicht allein in dem vierzehnten Jahrhundert, in welchem er lebte, wegen seiner heiligen und strengen Lebensweise, durch welche er sich sehr bekannt machte zur Besserung der Christen und zur Hinleitung des inneren Menschen zu einer vollkommeneren Gottesverehrung, sondern auch in den folgenden Zeiten bis jetzt durch seine trefflichen und nie genug zu lobenden Werke, den größten Ruf bey der Nachwelt, so daß er von seinem Tode an schon der tiefe und erleuchtete Theolog (Tbeoiogus subiimis et iiiuminatuo heißt und noch jetzt für einen Lehrer zu einem geistlichen Leben gehalten wird.

Es ist nicht zu begreifen, wie man die Geschichte seiner Bekehrung, welche von Surius ins Lateinische übersetzt vor seinen Werken steht, nämlich wie er in seinen Predigten von dem Jagen nach eitlem Ruhm und Beyfall gekommen ist zur erhabenen Vereinigung mit Gott und zum aufrichtigen Ei­fer für das Heil der Seelen bis an seinen Tod, welche jetzt für glaubwür­dig ausgegeben wird, anders als größtentheils gleichnißweise verstehen kann, weil sie nirgends der Geschichte gerreu abgefaßt zu seyn scheint; denn in die­ser Lebensbeschreibung wird die Stadt, in welcher so viel Wunderbares ge­schehen seyn soll, nicht genannt, aber Surius giebt auf dem Titel an, es sey Cöln gewesen. Daher sagen die Brüder unseres Ordens, er sey daselbst

*) Scriptores ordinis praedicatorum recensiti notisque historicis et criticis illustrati ; auctoribus Jacobo Quetif et Jäc. Eeliard. Paris. 1719. fol. toin. 1. pag, 677 sqq. ad. An, 1379.