DieSchillerbriide
ROMAN von
(Copyright 1934 by Universitas Deutsche Verlags ACi, Berlin)
(1. Fortsetzung.)
Diesmal erwiderte winckelmann nichts. Dielleicht gab sich der Herzog in rascher Besinnung die richtige Antwort selbst: Schwager hin, Schwager her, — was machte das bei ihm aus, den das halbe Gffizierkorps seines kleinen Heeres mit Fug und Recht seinen leiblichen gnädigen Datei nannte, von verschiedenen Müttern freilich, voran jene Schar der Franquemonts, deren Karl Lugen eine ganze Kompanie zu zeugen sich vermessen! da kam es auf einen Schwager Leutnant wahrlich nicht mehr an! — Dem Herzog mochte Sehnliches durch den Kopf gehen, als er sich brüsk abwandte und wieder in die Papiere griff: nein, darauf kam es nicht an, sondern auf des Herzogs willen, und zumal wenn wegen der Schwägerin Lowife der hohenheimer Ehefrieden gestört werden konnte. — wenn der Racker sich mit dem Leutnant einließ, kam es gar ins Hofgeschwätz, daß Karl Eugen, den zwar Gewohnheit, Ruhebedürfnis und Uebersättigung am Gängelband Franziskas längst zum zahmen Löwen gewandelt, gelegentlich doch die Schwägerin als jüngeres Abbild der Franzel reizvoller gefunden hatte als das, was die Fahre aus seiner alten Liebe gemacht hatten. Daß er, der Herr, der immer noch Stattliche, einen seiner Offiziere begünstigt sehen sollte. . .! wenn sie es ihrem Kavalier anvertraut hätte, lachend über den alten Lüstling! Doch mit dem Grimm des Eifersüchtigen kämpfte in dem Herzog die Scheu vor häuslicher Unruhe: mit der Franzel durfte es keinen Derdruß geben: für alle Fälle wollte er sich durch eine wohl- geschliffene preisarbeit ihrer günstigen Stimmung versichern!
Franzkarl von winckelmann, der vergessen noch immer neben dem Kutschenschlag ritt, vermochte in aller Aufregung, — im Ueberlegen, wie er seinem Mädchen Botschaft geben, wie er den verborgenen Feind und Angeber erraten könnte, — doch ein spöttisches Lächeln nicht zu lassen, als ihm ein spähender Seitenblick zeigte, welche Beschäftigung sich sein Herr da plötzlich vorgenommen hatte: wieder einmal Karlsschüler-Krbeiten! Und es wußte doch die ganze Akademie und ganz Stuttgart, wie immer diese Aufgabe wiederkam, wie Fahrgang um Fahrgang die alte Leier von den früheren abschrieb und wie es nur Karl Eugen nicht merkte, der gleich einem verliebten Auerhahn immer nur diese Melodie zu Ehren seiner Liebsten wiederhören wollte. . . Aber nun zuckte der alte Karlsschüler zum zweiten Male im Sattel zusammen, mehr fast noch als vorhin, da es um den eigenen Kragen ging: so war denn heute wirklich ein unerhörter Unglückstag! Karl Eugen schlug in das Papier, daß die Fetzen raschelten: da, dieser Satz, der ihm da auffiel: „. . . gehört allzuviel Güte, Leutseligkeit und große Freigebigkeit im engsten Derstande zur Tugend . . .?" — allein schon diese geschraubte Fragestellung konnte nicht in dem trockenen
Hirn gewachsen sein, dessen Besitzer auf dem karmesinroten Umschlag geschrieben stand, — nein, Karl Eugen erinnerte sich genau: aus einem der früheren Fahrgänge stammte das — damals hatte es ihm noch besondere Freude gemacht, auch die Franzel kannte die Reden von einst nach Aufbau und Fnhalt weit besser als die heutigen, da das Thema langsam abgedroschen war: ...er war es gewesen, der eine, an den in der Karlsschule immer noch zu sehr gedacht wurde: Herzog Karl sah den langaufgeschossenen, linkischen, rotblonden Burschen vor sich, hörte wieder die schreiende Fungenstimme durch den Examinationssaal Hallen, und doch lag schon damals in dem überlaut deklamierten Schülervortrag etwas Besonderes, ein Schwung, ein Leben, das nicht in das Papier zu bannen war, selbst wenn's dieser Fant hier wortwörtlich abgesudelt hatte. . .! Einen groben Strich machte der Herzog mitten durch die Arbeit, dann ließ er den Stift sinken: was ging ihn heute noch der S ch i l l e r an, der Durchgänger, der undankbare, an den sein Herzog soviel Blühe und Geduld verschwendet hatte! — man hatte ja die Derstche- rungen schriftlich, die Aufsätze, in denen der Schüler den Herzog hoch über den leiblichen Dater stellte, — und gelohnt hatte er's mit Aergernis über Aergernis, hatte diplomatische Konflikte angerichtet mit Graubünden durch seine Schmiererei, war als Wundarzt vom Regiment Auge besoffen zur Einladung seines Generals gekommen, weil sie wie die wilden hausten in der Krachbude am Graben bei der Hauptmann Discherin, dem scharfen Luder, — und zuletzt war er bei Nacht und Nebel fahnenflüchtig geworden, mit dem Streicher, dem lumpigen Musikus, durchgebrannt zur Scheurenpurzlerei, hier auf der Straße ins Enztal, die da von Stuttgart her den weg querte. . . Nicht zum erstenmal rechnete Karl Eugen die Wohltaten nach, die er dem Entlaufenen erwiesen, und den Dank, den er dafür erhalten hatte, denn all das Schlechte, das der Durchbrenner aus seiner grobschlächtigen Feder laufen ließ, mußte ja auf ihn gemünzt scheinen, mußte ihn der Nachwelt als herodes und pha- laris zeigen, erst die „Räuber" und gar das andre Skandalstück von dem Bürgersmensch . . . Karl Eugen gestand es keinem, selbst seiner Franzel nicht, wie er mit geheimer Gier alles las, was ihm von dem Flüchtling unter die Augen kam, wie er für den Einen, der ihm in stolzem Kufbäumen auf dem weg zum Ruhme entlaufen war, gern ein ganzes Schock manierlicher Karlsschüler dreingegeben hätte: und gerade den hatte er nicht halten können . . .
Herzog Karl starrte vor sich hin: das war es ja, das hatte ihn vor drei Fahren abgehalten, die Feder unter den Substdienvertrag mit England zu setzen, der ihm aus seiner Geldnot geholfen hätte: ein Regiment über See, und allem wäre gesteuert gewesen! Aber zu deutlich stand damals diese Szene vor ihm — dieser furchtbare
Zwei Freundinnen zanken sich.
„Ist das Deine Freundschaft", sagte Ilse wütend. „Ich Hab' Dich eingeladen, Hab' Dich eingeführt. Kokett bist Du, Kläre! Jawohl! Allen hast Du die Köpfe verdreht, keinen Tanz hast Du ausgelassen, und ich Hab' dagesessen und hätte am liebsten geheult. Du, Du Scheusal, Du Undankbare!"
„Kann ich vielleicht dasür, datz ich den Herren besser gefalle als Du? Wahrscheinlich sehe ich besser aus", entgegnete Kläre ruhig.
„Das ist es ja eben! Aber wie hast Du das erreicht? Früher, noch vor ein paar Monaten, konnte ich mich gut mit Dir messen. Jetzt wirst Du aber tagtäglich hübscher. Und wenn man Dich fragt, wie Du das fertig bringst, schweigst Du wie ein Grab. Freundschaftlich ist das gerade nicht."
Kläre lächelte überlegen, schwieg — und ging. Heute wollte sie noch schweigen. Aber als Ilse Geburtstag
hatte, hielt sie die Zeit für gekommen. Sie überreichte ihr lachend ein kleines Päckchen und ein Büchlein. „Liebes Geburtstagskindchen", sagte sie vergnügt, „hier ist eine kleine Gabe, die Dir fidjer große Freude bereiten wird. Daß man an jedem Geburtstag ein Jahr älter wird, inritz man hinnehmen. Aber datz man uns die Zahl der Jahre ansieht, das kann man verhindern. Hier überreiche ich Dir das Mittel dazu!"
Gespannt öffnete Ilse das Päckchen. Was fand sie? Eine Dose Marhlan-Creme. Das war es also, was so viel Schönheit bringen sollte? Jedenfalls beschloß sie, einen Versuch zu machen.
Abends begann sie sofort mit der Anwendung der Marhlan-Creme. Und der Erfolg? Einige Wochen später war sie zufrieden und beglückt. Die Haut blühte aus und wurde täglich besser. Vergnügt lachte sie ihrem Spiegelbild zu. Sie konnte sich wieder mit Kläre messen!
Jeder mag es selbst probieren. Man wird bald zugeben, daß der Ersolg durch Marhlan-Creme, ein rein deutscher Markenartikel, erfreulich und überraschend ist.
Fluch über den Soldatenhandel deutscher Fürsten, und dazu Tag um Tag das bekümmerte Gesicht der Franzel, die ihm theatralisch genug wie die Milford vorgeheult hätte, wenn er nicht vom ganzen Geschäft die Hand ließ . . . ! — Aber was war dadurch gewonnen? Das Geld war nicht mehr geworden, Schillers Fritz war nicht wiedergekehrt und der Herzog von Württemberg in keinen besseren Geruch gekommen, ob er nun an dem Amerika-Geschäft teilgenommen hatte oder nicht. Der Alternde steigerte sich immer weiter in seinen Zorn hinein: alles, was ihm die letzten Tage verärgert hatte, ward von seinem empfindlichen Selbstgefühl in Zusammenhang gebracht: da, dieser winckelmann, der am Tugendhofe der Keichsgräfin von Hohenheim mit deren junger Schwester hinter die Bosketten schlich, dreiste Antworten gab und sich schon das Sittern vor seinem Herzog abgewöhnt hatte, der war auch immer mit dem rebellischen Dersemacher zusammengesteckt, mit den glatten wolzogens, dem rauhbeinigen Kapf und wie die Kerls alle hießen. Auch der Dannecker blieb nicht treu, wollte den neuen klassischen Kunstkram schöner finden.
— dem Scharffenstein war längst nicht mehr zu trauen, — undankbare Nattern hatte er aufgezogen, und die jungen Fahrgänge taten's den andern nach, sudelten den alten Schmus ab und schmierten ihm Rotz um die Sacken, daß er zum Kinderspott werden mußte: und das von der Gründung, mit der er es wirklich gut gemeint hatte, die ein Denkmal seines Regentenlebens sein sollte, einer Regierungszeit, die sonst, wie er sich in Augenblicken der Selbsterkenntnis manchmal schmerzlich selbst gestand, weder den Glanz Ludwigs noch die Erfolge Friedrichs, sondern nur die Spuren eines despotischen Dutzendfürsten hinterlassen würde. Und nun versagte sich ihm auch dies Lieblingswerk . . . was hielt ihn denn, seinen Launen nachzugehen, wenn ihm doch keiner die gute Absicht dankte? hier fehlte das Geld, und drüben zu Ludwigsburg wartete der Holländer, der etwas zu bieten hatte . . . ! Karl Eugen griff entschlossen wieder zu den Bauplänen, die er zuvor mit den unbezahlbaren Doranschlägen grimmig zu Boden geworfen hatte: das neue Stuttgarter Schloß, die Kaserne der Gardelegion, das mochten dann seine Zeugen sein, wenn sich ihm die Menschen versagten, — Zeugen, daß er groß gedacht und Großes gewollt! Mochten sie sich im Lande ängstlich die Schwarzwaldsagen zuraunen vom Holländer Michel, der um Teufelsgeld fein Seelenheil verkauft hatte und dem Satan dafür immer neues schwäbisches Herzblut schaffen mußte, — das war für Spinnstuben und nicht für Schlösser!
Menschenrechte, Rücksichten? dummes Zeug,
— ihm dankte auch keiner! Ein böser Blick streifte den Karlsschüler, der unbewegt neben der Kutsche trabte, an der schnurgeraden, einschläfernd langen Straße entlang in den blauen Himmel starrte und sich vielleicht das nächste
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