Rendezvous ausmalen mochte, um sich mit seiner Liebsten über den Roller des Herzogs lustig zu machen! — Falsch gerechnet, mein Herr Leutnant! wer sich gegen Allerhöchsten willen hinter Serenissimi Schwägerin macht, soll sich hüten! solche Liaisons rügt man nicht mit etwas Strafwachen und Standpauken, die für den Liebenden nur ein bißchen Salz und Pfeffer wären als Würze seines paradiesischen Süppchens! — aber wenn es heißt: „6b nach Afrika, Liebchen ade!" — dann werden wir sehen, wer zuletzt gelacht hat! . . .
Mit jähem Rumpeln sprang jetzt der wagen zur Seite, eben noch rechtzeitig, um einen Wanderer nicht umzufahren, der in tiefem Nachdenken wohl des herzoglichen Fahrzeugs nicht gewahr geworden war; sonst pflegte Herzog Karls Dienerschaft gleich ihrem Herrn nicht schüchtern zu sein; aber so sehr sie in ihren betreßten Röcken über das bestaubte schwarze Habit des Fußgängers die Nase rümpfen mochten, so hätte doch keiner wagen wollen, den Pfarrer Flattich von Münchingen in den Straßengraben zu drängen, denn wenn der Herzog Lust verspürte, sich über die Beschwernisse seines wandelbaren Ge- müts mit einem ehrlichen Menschen auszusprechen, so ließ er, wie männiglich wußte, gerade den am liebsten holen. In visputierlaune befand sich der Herzog freilich nicht, aber doch ließ er nie eine Gelegenheit aus, dem schlagfertigen Pfarrer den gnädigen Herrn zu zeigen. „Gr kommt von der predigt?" begann er herablassend. „Aber in einem solchen Aufzug?"
Der Pfarrer von Münchingen schaute an seinem Beinkleid hinunter, an dem die Spuren eines langen im Amt zurückgelegten Weges sichtbar waren. „Fe nun", meinte er sorglos, „der eine hat den vreck außen, andere haben ihn inwendig." — Karl Eugens schon zur Begrüßung vorgestreckte Hand blieb auf dem Kutschenschlag liegen, „was hat er heut' meinen Untertanen gepredigt?"
Pfarrer Flattich merkte das schlechte Wetter, da der Herr von Untertanen redete statt von Schäflein, wie es an besseren Gagen hieß. „Oa Han i dö jetzund", begann er mit seiner gebräuchlichen Wendung, „was werd' ich gepredigt haben? Fürsten sollen fürstliche Gedanken haben!"
Karl Eugen fuhr zurück wie vor einem hieb. Also auch der, der Mann, dessen offenes Wort stets sein Dhr gefunden hatte? — worauf sollte sich dieser Wink mit dem Zaunpfahl denn beziehen, wenn nicht auf das Gerücht, daß der Holländer wieder da war, was in dem Lakaiennest Ludwigsburg ja unmöglich hatte geheim bleiben können? Und da wollte sich dieser Bauernpfarrer unterfangen. . .?!
ven hatte das auf Karl Eugens heftigen Wink in voller Karriere losgefahrene Fahrzeug schon weit dahinten gelassen; der Leutnant von winckelmann, der teilnahmslos neben der Un
terhaltung im Sattel gesessen war, mußte den Staub schlucken, als er, vom jähen Aufbruch aufgeschreckt, im Galopp seinen Platz am Fahrzeug wieder einzunehmen suchte.
Oer Pfarrer von Münchingen schaute bekümmert der Staubwolke nach: „Oa Han i dö jetzund", murmelte er, „wahrscheinlich das Richtige 'troffen. So ein kluger Herr, und zwischendurch noch immer voll Laune und Unart! D du großer Fritz von Preußen, wenn du ihn nur nicht schon als halbes Kind hattest mündig sprechen wollen, weil du ihn als Springer gegen die Königin von Ungarn zu brauchen dachtest. Nun muß unser wllrttemberger Land für dein Schlesien büßen!" Kopfschuiielnd wandte er sich durch die Aehrenfelder seinem pfarrdorf zu.
Oer herzogliche wagen donnerte indessen mit unverminderter Schneuigkeit weiter, unvermindert kochte in dem Fürsten der Jähzorn fort: So also? wahrscheinlich von der Landschaft oder ähnlichen Duckmäusern angestiftet, das Recht offener Rede respektlos zu mißbrauchen! Auch der, den er noch als einzigsten geachtet von dem ganzen Gheologengeschmeiß —! — Karl Lugen hatte keine hohe Meinung von den Männern, in deren Händen das Seelenheil seines protestantischen Oolkes lag. Früher hatte er gelegentlich mit dem Gedanken gespielt, den umgekehrten Schritt zu tun wie sein Vater Karl Alexander, der der beste Feldmarschall und schönste Kavalier gewesen im Heere des Prinzen Lugen, der darum mehr Schulden hatte als haare auf der Perücke, und der sich, weil ihm die Knauser von der Landschaft kein Geld gaben, bei den Jesuiten verschafft hatte, was er brauchte, alles um einen einzigen Gang zur Messe. Aber nun seinerseits zur Konfession des Landes zurückzukehren, hatte sich Karl Lugen aus dem Kopf geschlagen; die Filze vom Konsistorium hätten ja doch nicht die weltklugheit der Gesellschaft Jefu besessen, sondern nach wie vor den Beutel zugehalten; schade, der versuch, sie alle hinauszuversetzen ins Gäu und auf die 6lb zwischen die Misthaufen, und dafür ein paar herzhafte derbe Landpfarrer in den muffigen Kirchenrat zu bringen, Kerle vom Holz wie der Flattich, das hätte den Herzog wohl gelockt; aber es blieb ein flüchtiger Gedanke, wie das meiste Nützliche, das ihm durch den spielerischen Sinn flog; und nun hatte der Flattich also auch enttäuscht! wo war denn auf Menfchen verlaß? — Untereinander redeten sie von Freundschaft und Greue bei jeder Gelegenheit, hielten heute noch zum Schiller, aber stets gemeinsam gegen ihn, den Fürsten, den Wohltäter! Grenzenlos einsam und von Undankbaren verraten kam sich der Herzog vor auf dieser letzten Strecke der Fahrt; in der eigenen Brust, in den eigenen Gaten den Anlaß zu suchen, da er nie um Dank, sondern nur nach seinem Gutdünken regiert, nur Gehorsam und nie Liebe gesucht hatte, — wie sollte er das einsehen, der
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vom vierten Lebensjahr an stets gehört, daß er der Gewaltigste, Größte und Gerecgieste sei zu Württemberg, Geck und Mömpelgard, wo nicht im ganzen Reiche; furchtbar rächte sich jetzt, was Schmeichler an ihm gejundigt . . . Doch wenn einen Fürsten die Vergeltung trifft, so bricht das Wetter zugleich auch über tausend andere mit herein und straft mehr Gerechte denn Ungerechte.
Oie wache am Ludwigsburger Gor, die eben noch ins Gewehr treten konnte, bekam keinen Blick, die am Schloßportal keinen Dank, als der wagen vorbeiraste. Im Innenhof vor dem Haupt bau des weitläufigen Schlosses eilte der Dffizier du jour dienstfertig herbei, um die Greppe anzulegen, die das Ausstsigen aus der hohen Karosse ermöglichte. Als der schwere Mann auf festem Boden stand und sich seinen Gehstock hatte reichen lassen, stampfte er unwillig auf; sein erster Blick fiel auf die Kutsche der Reichsgräfin von Hohenheim, die auf dem Wege über Stuttgart leichtere und raschere Fahrt gehabt hatte, und schon versuchte der Leutnant winckelmann beim Abspringen von dem staubbedeckten Rappen möglichst nahe an den Mohren heranzukommen, um zu fragen, welche Passagiere er geführt habe.
Karl Lugen pfiff grimmig durch die Zähne. „Er hat den Satansbraten nicht auszuhorchen: meine Schwägerin ist mitgefahren, aber Er braucht sich nicht um sie zu sorgen; mein alter Freund von der venezianischen Reise, der Marchese Gasanova, wird mir raten, wie man gar zu galante Kavaliere von Pflegebefohlenen va- men fernhält; Er aber", befahl er höhnisch, dicht an den Bestürzten herantretend, dem bei der Nennung des verrufenen Abenteurernamens das Blut zu Kopfe stieg, — „Er, mein lieber winckelmann, scheint der Rechte, während Unsres erlauchten Besuchs für Unsre Sicherheit zu sorgen: Er wird von heute abend ab achtundvierzig Stunden lang die wache nicht verlassen. Scher Er sich!"
(Fortsetzung siehe Seite 18.)
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Das ist der zweite der »5 von Telefunken«. Man muß ihn gehört haben. Seine Klangfülle ist beispielgebend in der Rundfunktechnik. Der »T523«WL kostet RM 235—, der »T 523« GWL RM 264,—, beide mit Röhren. Fragen Sie nach der Telefunken- Anschaffungshilfe.
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