Herrn
Dr. Joseph M a u t z
(14) Hettingen (Hohenzollern)
28. 1. 46
Lieber Joseph !
Ich habe schon oft in diesen traurigen Zeiten an Dich gedacht. Aber meine Gedanken gingen ins Leere, da ich nicht wusste, wo ich Dich suchen sollte, im Ausland oder auf deutschem Boden.
Aus dem Umschlag Deines Briefes ersah ich Deine Anschrift und war beruhigt. Da ich gerade eine Besprechung hatte, gab ich Deinen Brief an Frau Richter weiter.
Nun will ich Dir heute einen ausführlichen Bericht zukommen lassen. Den Aufsatz von irof. Richter über die im Museum entstandenen Schäden wirst Du erhalten haben. Bei den Kampfhandlungen haben wir noch durch Verschulden der SS eines der über 40 Ausweichlager verloren. Ich habe mich am Aufenthaltsort meiner Frau im nördlichsten Teil des Landkreises Hanau überraschen lassen.
Drei meiner nächsten Verwandten und viele gute Freunde und Bekannte sind bei der sinnlosen Zerstörung von Hanau durch einen Luftangriff verbrannt•
Schon im April 1945 haben wir mit dem .Wiederaufbau des Museums begonnen. Zuerst schlug ich mich schlecht und recht allein in Frankfurt durch, aber schliesslich Hess sich das mit meiner Gesundheit nicht mehr in Einklang bringen. Die Unregelmässigkeit der letzten Jahre, die Aufregungen und das sonstige Drum und Dran hatten neben einem Magengeschwür zu einer chronischen Magen- und Darm-Hautentzündung geführt. Ich hatte dauernd Schmerzen, vor allem wenn ich etwas ass. Obwohl ich sehr dagegen war, ist meine Frau mit den beiden Kindern von dem Evakuierungsort nach Frankfurt zurückgekehrt. Die häusliche Pflege, das WiederZusammensein, die eingenommenen Pillen, Tropfen usw., die mehr oder weniger pünkt- € lieh eingehaltenen Mahlzeiten haben zu einer auffallenden Besserung des Leidens geführt, sodass ich unberufen schon seit längerer Zeit keine Schmerzen mehr habe. Hoffentlich hält es an.
Wir sind z. Zt. im Museum tüchtig am Wiederaufbau.
Das vollständig abgebrannte Dachder Strassenfrontseite ist mit Betonplatten belegt worden* Die Arbeiten mussten wegen des eingetretenen Frostes unterbrochen werden. Inzwischen sind die Arbeiten wieder aufgenommen worden. Die Bucht - die Verbindung zwischen Geologischem Institut und Museum - ist ausgebrannt und die Arbeitsräume von Moll usw. abgebrannt. Auf diese Hausteile soll nun auch wieder ein Betondach aufgebracht werden, damit das weitere Eindringen des Regens vermieden wird. Ohne Dach drang die Feuchtigkeit durch alle Stockwerke hindurch bis in die Keller. Keine Fenster, keine Türen. Alle Räume Wind und Wetter zugänglich. Nun, im Laufe des Sommers haben wir schon wieder einiges in Ordnung gebracht • Vor allem ist der gesamte Schutt von allen Dächern und aus allen Räumen entfernt worden. Frist 10 0 cbm Schutt musste bewältigt werden ! Zu hohen Bergen türmt sich der Schutt um unser Gebäude