Gtadtbeilage deS Fra«kf«rter General * Anzeige« Frettag. 27 MS«- 1931

Znseratentarifr

Vorderseite .... RM 2.59 Rückseite ..... RM 2.90

Lokaler Teil

Ei» Sparbuch aus sechs Eiuiuobuer.

' Aus dem Jahresbericht der Städtischen Sparkasse.

Wie aus dem Jahresbericht der Städtischen Sparkasse für 1930 hervorgeht, ergab sich bei dieser End« 1930 ein Svarzuwachs von 10.08 Millionen Mark bzw. 30 Prozent. Hiervon entfallen auf die von der Frankfurter Bankver­ein A.-G. übernommenen Beträge 4.4 Millionen Mark.

Der gesamte Spareinlagenbestand belief sich am 31. De­zember 1930 ans 43,6 Millionen Mark. Aus ein Spar­konto entfielen 1930 im Durchschnitt 505.78 Mark gegen 578,94 Mark im Vorjahr, wobei die Abnahme hauptsächlich auf die vermehrte Arbeitslosigkeit zurückzusühren ist. Am Jahresschluß befanden sich 86,147 Sparbücher im Umlauf. 78 Prozent aller Sparkonten weisen Gut­haben bis zum Betrag von 500 Mark auf.

Während im Jahr 1924 ein Sparbuch der Städtischen Sparkasse auf 144 Einwohner entfiel, im Jahr 1929 wie im Jahr 1913 auf neun Einwohner, wurde im Jahr 1930 die Vorkriegszifser mit ei ne in Sparbuch auf sechs Einwohner unterschritten.

Der Bestand an Depositen. Kontokorrent-, Scheck- und Giro-Einlagen ist gegenüber 1929 um 78 Prozent auf 10.5 Millionen Mark gestiegen.

Die Gewinnspanne der Bäcker. Zu dieser kürzlich von der Berliner Forschungsstclle für Landwirtschaftliches Markt­wesen angeschnittenen Frage schreibt das Backgewerbe von Frankfurt u. a.: Zunächst handelt es sich bei dem Bericht nicht um die Gewinnspanne, sondern um die U n k osten» spanne der Bäcker. Von der zwischen Mehlpreis und Brotpreis ausgerechneten Differenz müssen sämtliche Her­stellungskosten Löhne, Zutaten, allgemeine Unkosten, Ver­triebskosten, bezahlt werden. Die mitgeteilten Zahlen können in dem z. Zt. bestehenden Frankfurter Brotpreis keine Bestätigung finden. Roggenbrot kostet z. B. in Frankfurt a. M. z. Zt. 56 Pfennig für 1500 Gramm. Die errechnete Unkostenspanne beträgt 14,7 Pfennig pro Kilo Brot. R o g g e n m e h l ist in Frankfurt a. M. durch die Frachtdifferenz 2,50 Mark teuerer als in Berlin. Der zuletzt von Berlin mitgeteilte Brotprcis von 48 Pfennig für 1250 Gramm beträgt auf Frankfurter Gebiet umgerechnet 57,6 Pfennig. Wir haben gleichzeitig die Forschungsstelle für Landwirtschaftliches Marktwesen gebeten, uns ihr Zahlen­material z u g ä n g i g zu machen, und werden uns damit nochmals befassen.

* Zentralstelle für Kirchenmusik. Dienstag, 81. März, abends 8 Uhr, veranstaltet Organist Fritz Becker in der deutschen evang.-reformierten Kirche eine musikalische Passions­andacht. Orgel- und Chorwerke. Aussührende: Gustav L e n z e w s k i (Violine). Dessoffscher Frauenchor (Leitung: Dr. Julius Maurer), Fritz Becker (Orgel).

* Sonderveraustaltungc« sür Erwerbslose. Volksbil­dungsheim: Reisen im neuen Osten. Zwei Lichtbilder­vorträge von Dr. A. Roßmann, am 30. und 31. März, 15 Uhr: Film: Eine Reise durch Nordamerika, 1. April, 14 u. 16% Uhr.

* Verlängerung der private« Stellenvermittlung bis

1. Juli 1831. Der Verein der Stcllcnvermittler Frankfurt a. Main gibt uns bekannt: Durch Gesetz vom 19. März 1931 Ist die private Stellenvermittlung für Haus-, Landwirtschaft- sowie Hotelpersonal abermals bis zum 1. Juli 1931 ver­längert worden. Die Büros werden daher über den 1. Avril 1931 ohne jede Einschränkung in unveränderter Weise ihren Betrieb fortseben. Der Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Vereins in den Jahren 1929 ünd 1930 ergibt folgendes: Arbeitsuchende 1929 41,453 und 1930 38,649, Aufträge

Arbeitgeber 1929 36,639 und 1930 28,812 und abgeschlossene, Vermittlungen 1929 17,561 und 1930 15,799.

M1. April: Geändertes Metredit

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Die neuen Bestimmungen.

Nach der Notverordnung des Neichspräsi deuten vom 1. Dezember 1930 tritt das Wohnungsmangel­gesetz am 1. April 1934 außer Kraft. Das Reichsmietengesetz und das Mieterschutzgesetz treten am 1. April 1936 außer Kraft, falls bis zu diesem Zeitpunkt ein Gcsxtz erlassen ist. durch das die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Miete unter sozialen Gesichtspunkten ausgestaltet werden.

Die wohl wichtigste Bestimmung der am 1. April 19 31 in Kraft tretenden Verordnung findet sich m Artikel II, durch den eine bestimmte Kategorie von Mietverträgen aus den Bechimmungen der Reichs mieten - Gesetzes und des Mieterschutz - Gesetzes^heraus- genommen werden mit der Wirkung, daß diese

von den bisherigen Vorschriften nur noch^^§ 49a

(Mietwucher) und § 52e Mieterschutzgesetz gilt. Diese Herausnahme gilt nur für Mietverträge, die nach dem 3 1. März 1931 über sreigewordene oder frei­werdende Räume neu abgeschlossen werden Das bedeutet: wenn Mietparteien über einen bereits gemie­teten Mietraum einen neuen Mietvertrag schließen, kommt die Bestimmung nicht in Anwendung, ebenso nicht, wenn im Falle eines Tausches die Mieter in die beiderseitigen Miet­verträge eiutreten. Und zwar gelten sür derartige Verträge die Vorschriften des Reichsmietengesetzes und des Mieter­schutzgesetzes dann nicht mehr, wenn die Räume zur Zeit des Vertragsabschlusses (Beginn der Mietzeit kommt nicht in Betracht) einer Inanspruchnahme auf Grund des Wohnungsmangel-Gesetzes nicht unterliegen. d. h. also nicht mehr durch das Wohnungsamt ersaßt werden können.

Unter Artikel il fallen besonders solgend« Kategorien von Mietverträgen:

1. Während bisher bet Neubauten, Um- und Einbauten, die bis »um 1. Jnli 1918 bezugsfertig geworden sind, bas Mieterschutzgesetz sür Mietverträge dann zur Anwendung kam, wenn mit öffentlichen Mitteln im Sinne der preußischen Ministerialverordnung vom 16. März 1928 gebaut wurde, kommt dies künftig nicht mehr in Frage, weil eine derartige Ausnahme sür das Wohnungsmangclgesetz nicht gegeben ist.

2. Verträge, die sich auf Wohnungen beziehen, ^Wkiach der Lockerungsverordnung vom 11. November 1926 und deren Ab­änderungen nicht mehr vom Wohnungsamt erfaßt werden können. Di« letzte Abänderung sür Preußen stammt vom 13. Januar 1931. Für Frankfurt kommt dagegen in Be­tracht die Verordnung des Regierungspräsidenten vom 22. Oktober 1930, nach der W 0 h n u n g en mit e i n e r v 0 l l e » Bruttojahresfriedensmiete von 1000 Mark und mehr nicht mehr ersaßt werden können.

3. Mietverträge über Geschäftsräume, da nach 8 12 der Locker-ungsverordnung vom 11. November 1928 auf Ge­schäftsräume die Vorschriften des Wohnungsmangelgesetzes allgemein keine Anwendung finden.

4. Das gilt ferner, wenn durch die Teilung einer Wo h n u n g von fünf oder mehr Räumen eine selbständige Wohnung geschaffen wird nach der preußischen Lockerungs- vcrordnung vom 4. Oktober 1927.

Die Berufung auf die gesetzliche Miete.

Eine wesentliche Veränderung des Reichs­mieten ge setz e s ist in Artikel III gegeben, wonach in drei Fällen eine Berufung auf die gesetzliche Miete ab 1. April 1931 nicht mehr zulässig ist.

Erstens: wenn seit Beginn der Mietzeil (nicht feit Beginn des Vertragsabschlusses!) ein Jahr ab­gelaufen i st. Eine Ausnahme liegt dann vor, wenn die Einführung der gesetzlichen Miete durch wirtschaftliche Not­

lage veranlaßt ist und ihre Einführung auch dem anderen Vertragsteile gegepüber nicht unbillig sei» würde.

Zweitens: wenn der Vermieter ,um Abschluß des Mietvertrages wesentlich dadurch bewogen wurde, daß der Mieter ihm ein günstigeres Angebot gemacht hat als ein anderer Bewerber.

Drittens: wenn ei» Vertragstetl mit Rücksicht auf die von der gesetzlichen Miete abweichende Vereinbarung entspre­chende Leistungen übernommen hat.

Ob die Voraussetzungen, die die Einführung der gesetz­lichen Miete ausschlieben, vorliegen, ist im Streitfall nicht durch bas Mieteinigungsamt. sondern durch das ordent­liche Gericht zu entscheiden.

Die

Dur , ^ .

§ 4 a werden die Rechte des Vermieters'auf Aufhebung des Mietvertrages erweitert.

Mähend bisher nach Paragraph 4 eine Aufhebung des Miet­vertrags nur verlangt werden konnte, wenn das Gericht ein überwiegendes Interesse des Vermieters gegenüber den In­teressen des Mieters seststellte. so kann jetzt ein Vermieter ohne daß die Interessen des Mieters auch nur im gering st cn berücksichtigt werden kön­nen. Räumung verlangen, wen» ihm das Mietgrundstück seit mindestens drei Jahren gehört und er selbst in dem Mietgrund st ück keine selbständige Wohnung inne hat und nachweist, daß er den Raum s e l b st (nicht etwa für Angehörige oder sonstige Personen) benutzen

will ~ - -- '

daß

Mhebung des Mietvertrags

in das Mieterschutz

schutzgesetz eingeführten

anderen ihm gehörige» Hanse ein« selbständig«

Wohnung inne bat. Miteigentümer können nur die Herausgabe einer Wohnung verlangen.

Wichtig ist, daß bei Urteilen aus Paragraph 4a wie bet Paragraph 4 die Zwangsvoll st reckung von der Zu­billigung ein es Ersatzraumes abhängig ge­macht werden muß, wenn nicht der Vermieter nach­weist, daß die Versagung des Erfatzraumes keine unbillige Härte für den Mieter darstellt. Ein nach Paragraph 4a ergehendes Aufhebungsurteil darf ferner nicht für vollstreckbar erklärt werden. Dagegen können dem Vermieter weder Um­zugskosten, noch die Prozeßkosten im Falle des Obsiegens auferlegt werden, wie dies bei Urteilen aus Paragraph 4 möglich ist.

Soweit in Urteilen bestimmt Ist. baß die Zwangsvollstreckung von der Sicherung eines Erfatzraumes abhängig gemacht wird, kann nunmehr die Aufhebung dieser Bestim­mung, und zwar im Wege einer Nachtragsklage verlangt werden, wenn fett der Rechtskraft des Auf­hebungsurteils zwei Jahre verstrichen sind, wobei man davon ausgehen muß, daß diese Frist schon vor Jn- krasttreten der Verordnung zu lausen begonnen hat. Dieser Klage kann der Mieter mit dem Nachweis begegnen, daß die Aufhebung zu außerordentlichen Nachteilen für ihn führen würde.

Durch die Verordnung des Reichspräsidenten wird die Preußische Verordnung vom 10. September 1930 bezüglich Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft bei Pförtner- u s w. Wohnungen in erweiterter Form ausgenommen. Es wird ferner der Mieterschutz, den Hausangehörige eines Mieters, die nicht seine

__ _ Ebben geworden sind, bei seinem Tode hatten, durch Ab-

Der Mieter kann diesen Anspruch dadurch beseitigen, l änderung -des § 19 des Mieterschuhgesetzes beseitigt, er den Beweis erbringt, daß der Vermieter in einend Rechtsanwalt Tr. Gumbel.

Erneuter Protest gegen die Bau-Ordnung

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Ein letztet Appell.

Was die Ceser sagen I

Die Platzer haben einen Wunsch.

Zwischen Frankfurt und den Hauptorten der Vorderpfalz soll ein W 0 ch e n e n d z u g ctngeführt werden. Diese Absicht ist sehr zu begrüßen. Der Hauptteil der nach hier verzogenen Pfälzer stammt aus L u d w i g s h a s e n: der größte Ort der Pfalz ist bei dem geplanten Zug nicht berücksichtigt worden. Wenn es nun aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich sein sollte, den Zug bis Ludwigsbasen durchzusühren, so sollte man wenigstens Sonntagskarten nach Ludwigshafcn geben und dafür sorgen, daß in Frankenthal ein Anschlubzug nach der größten Stadt der Pfalz bercktsteht.

Die Arbeitslosen und das Radio.

Erwerbslose brauchen bekanntlich keine Rundfunkgebühren mehr zu bezahlen. Aber als ich mich bei meinem zuständigen Postamt erkundigte, mußte ich erfahren, daß nur solche Er­werbslosen die Gebühren erlassen bekommen, die bereits sechs Monate Rundfunkhörer sind. Warum wer­den denn nun gerade diejenigen bevorzugt, welche trotz aller Not und Erwerbslosigkeit doch noch in der Lage waren, sich Radio zu leisten? Währenddem die Acrmsten wieder mal zu- feheu müssen.

Nur eine kleine Atempauset

Ostern ist nabe! Wir abgehendcn Schüler sind nicht himmel­hoch begeistert, daß wir bis Dienstag in die Schule müssen. Können wir nicht Samstag schließen? Können wir nicht zwei freie Tage haben, bevor wir in die Lehre ein- treten? Damit uns der Abschied weniger schwer und der Eintritt etwas leichter wird? U. A. w, g.

Hänschen Vorlaut.

Warum wird das Bauen schwer gemacht ?

Unbebaute Grundstücke der Stabt finden sich an allen Punk­ten der Stadtgrenze massenhaft. Die Straßen sind fertig. Die Kanäle erbaut. Elektrisch-, Gas- und Wasserleitung ge­legt, und kein Mensch kann bauen. Warum? Weil Frankfurt durch seine Banordnungsvorschriften das Bauen direkt sabotiert. Seit zwei Jahren versuche ich von der Stadt einen Bauplatz für ein Einfamilienhaus (wie sie die Gehag- Berltn in mustergültiger Weise für 10,090 Mark herstellt) zu bekommen, aber überall lautet die Bauvorschrift: Parterre, erster Stock und Dachstock. Hat die Stadt überhaupt ein Recht den kleinen Leuten die doch den Hauptteil der Hauszins­steuer aufbringen jede Möglichkeit zur Gründung eines Eigenheims zu nehmen? Noch dazu im direkten Wider­spruch mit den Reichsvorschriften für den WohnuHMiu! Für 3- 4-Ztmmerbauten ist in ganz Frankfurt kein dkvlatz zu bekommen.

Konzerte der Wodie.

EinJubiläumskonzert" des Frankfurter Mo- tettenchors (welchen Anlaß dieses Jubiläum hatte, wurde im Programm nicht mitgeteilt) brachte in zwei Teilen größere Komvositwnen von Bach und nach der Pause neue finnische Chvrmusik. Der Verein hat also an diesem Abend die Auswahl seiner Vortragsfolge wesent­lich erweitert. Die von Professor Fritz Gamble sorg­fältig vorbereitete Wiedergabe konnte sehr befriedigen: im Knabenchor, der mit sichtlichem Eifer bei der Dache ist. hört man mit Vergnügen eine Reihe neuer frischer Stimmen. So wurden die ersten anspruchsvollen Aufgaben:Jesu meine Freude" (eine fünfstimmige Motette) und die er­greifende KantateDer Friede sei mit dir" in ihrer Poly- phonie gut und vor allem technisch sauber bewältigt, wenn auch Ein-elheiten noch sre'er. gelöster hätten wirken kcnnw. Ausgezeichnet gelangen danach die harmonisch eigenartigen finnischen Chorgesänge, in denen sich die gedämpften Männer- und Knabenstimmen zu neuer Klangeinheit pracht­voll verbanden. In der Kantate führte Walter Heuser mit nicht großem, aber angenehm timbrierten Bariton die Solopartie aus; Ludwig Ke i Per trug die Violinstellen stilvoll vor. Auch Willi Heuser (Orge.), Sewr'ch We i""d (Cembalo, d. h. in diesem Fall: Flügel) und einige solistisch verwandten Mitglieder des Chors halfen zum Gelingen des Ganzen. Das Publikum nahm an dem Konzert starkes Interesse und spendete den Ausführenden, besonders dem Dirigenten, sehr lebhaften Beifall.

Drei erblindete Künstler vereinten sich dieser Tage zu einem Konzert. Sowohl die instrumentalen wie die gesang­lichen Vorträge bezeugten ernsthaftes Streben und ein ge­diegenes Leistungsmaß. Im ersten Teil beherrschten Mozart, Beethoven und Händel das Programm. DieGrobschmied­variationen" des letzteren Meisters wurden von Eleonore Müller, die auch als pianistische Begleiterin verdienst­voll wirkte, reckst flüssig gespielt. Die Sopranistin Ellen P r 0 b st sang mit zarter, etwas verschleierter Stimme in sympathischer Weise die bekannte Mozart-Arie aus dem re pastore". Gustav Probst zeigte an einer Veriolin- Sonate und in klassischen Vortragsstücken solides Können. Verhältnismäßig zahlreiche Hörer zollten der anerkennens- werten Bewältigung der Dortragsfolge und der noch höher zu bewertenden Energie der drei Konzertgenossen herz­lichen Beifall, tt.

= Ortsgruppe Frankfurt a. M. der Deutschen Musik-

gescllschast. Nachdem die Ortsgruppe der Deutschen Musik­gesellschaft in diesem Winter bereits mit einem Vortrags­abend (Privatdozent Dr. Gerber: Geschichte der Passion von Luther bis Bach) hervorgetreten ist und sich an dem Bildmotetten-Abend des Maerzschen Madrigalchores be- teiligt hat. schloß die Vereinigung am 21. Februar die Reihe ihrer Veranstaltungen mit einem Abend, an dein Musik aus der Zeit und dem Kreise Friedrichs des Großen zum Vortrag kam. Das Programm brachte ein Flöten, konzert von Friedrich dem Großen, die O-Moll- Triosonate von Johann Gottlieb G r a u n , die 6-Dur- Triosonate von Philipp Emanuel Bach und die Euristeo- Ouvertüre von Johann Adolf Hasse. War schon durch die Auswahl der Werke, von denen dasjenige Bachs mit seinem romantischen Einschlag und die dramatisch-kraftvolle Ouvertüre Hasses besonders hervortraten, ein reizvoller und genußreicher Abend in Aussicht gestellt, so ivurde der Ein­druck noch wesentlich erhöht durch die lvesenseigene Cem­balo-Begleitung und die hingebungsvolle und disziplinierte Vorbereitung und Ausführung "des Konzerts. Es zeigte sich wiederum, daß diealte Musik" nicht verdient, nur Requi- sit der musikivissenschaftlichen Bibliotheksregale zu sein, sondern in ernster und stilgerechter Ausgestaln^^siets neu lebendig werden kann. Die Ausführung lag in^M Händen beivährter Kräfte des stuck. oolleZium musivum (Cem­balo: R. P e s s e n l e h n e r ; Flöte: N ü ß l e ; Violine: ®. Beil und Brähler: Cello: Becker und Romm) Am Orchester unter Leitung von Prof. Tr. M. Bauer ist die aussteigende Linie musikalischer Elastizität, klang, licher Einheit und dynamischer Disziplin wiederholt be- merkt worden. Dr. b. G.

* Heinrich SchlnsuuS wird am 1. April im großen Saal des Saalbaues seinen einzigen diesjährigen Arten- und Liederabend geben. Es kommen Werke von Schubert. Brahms, Straub. Löwe. Knab und Verdi zum Bortrag. Am Flügel Franz Rupp.

* Die Frankfurter Singakademie, der Sängerchor der Lehrer und der Frankfurter Orchesterveretn bringen in Arbeitsgemeinschaft am Sonntag, 29. März, 7 Uhr, und Montag. 30. März, 7% Uhr, eine Aufführung der Hohen Messe in U-Moll von Johann Sebastian Bach. Die Leitung hat Profesior Fritz Gamble. Als Solisten sind Ria Ginster (Sopran), Agnes Lenbach (Alt), Josef Witt (Tenor) und Alfred Paulus (Bariton) verpflichtet. Der Orchester-Part wird vom Frankfurter Rundfunk-Symphonie- Orchestcr ausgesührt.

Namens des Frankfurter Architekten- und Ingenieur-Vereins, Ortsgruppe Frankfurt, des Bundes Deutscher Architekten, der Ortsgruppe der Wirtschaftlichen Vereini­gung Deutscher Architekten, des Verbandes baugewerblicher Unternehmer, Gruppe RMün-Maingau, und des Verbandes i n d u st r i e l - l^M) a u u n t e r n e h m e r bat der Studien-Ausschub t^^'cher Berufsstände gegen die neue Bauordnung Protest erhoben. In dem betreffenden Schreiben beißt es:

Am 15. Dezember reichte der Studien-Ausschuß der Regierung und dem Magistrat ein ausführliches Gutachten über wesentliche Abschnitte des Entwurfs ein. Nach etwa zwei Monaten, am 6. März, wurde das Resultat der behördlichen Nachprüfung dem Studien-Ausschuß mit- geteilt. Es waren über 50 Punkte der etwa 130 Beanstandun­gen als verändern ngsbedürftig anerkannt wor­den. In kurzer Frist sollte der Studien-Ausschuß mit Forni und Inhalt der Aenderung seitens der Regierung lxckannt- gemacht werden. Nachdem die behördlichen Sachbearbeiter zwei Monate für die Prüfung der Anstände gebraucht hatten, war es dem Studien-Ausschuß, dessen Mitglieder eine solche Arbeit außerberuflich leisten müssen, nicht mög­lich, in so kurzer Frist zu den Ausführungen der Behörde Stellung zu nehmen. Die Mitteilung der Magistratspresse­stelle vom) 24. März. daß der Studien-Ausschuß nicht ver­handlungsbereit gewesen sei. entspricht also nicht der tatsäch­lichen Lage..

Eine vom Studien-Ausschuß gewünschte weitere ge­meinsame Durcharbeitung, zu der sich die Regie­rung anfangs bereit erklärte, die sie auch dem Magistrat zur Beachtung empfehlen wollte, unterblieb leider. Der Studien-Ausschuß wurde nur eingeladen, an der Sitzung der Magistratskommission am 20. März teilzunehmen. Hier svurde diese Kommission mit den getroffenen Verände­rungen bekannt gemacht, d. h. der Dezernent trug sie vor und erläuterte sie kurz. Die kurzfristige Anberau­mung dieser Sitzung hinderte die Mitglieder der Kom- Mission natürlich, sich durch eine vorherige eingehende Prü-,

fung über den Charakter der getroffenen Umänderungen Klarheit zu verschaffen. Die Vertreter konnten nur ihre Ansichten zu den Veränderungen ganz kurz darlegen und dem Magistrat noch einige textliche Korrekturen emp­fehlen. Sie hatten aber keine Gelegenheit, ihre Ansichten über die Beanstandungen darzulegen, auf die die Re­gierung und der Magistrat noch gar nicht eingegangen waren und die von viel wesentlicherer Bedeutung sind als die getroffenen Veränderungen. Letztere bedeuten entgegen der Mitteilung der Magistratspressestelle kein beson­deres Entgegenkommen der Behörde, denn es sind zum größten Teil, bis auf sieben nicht wesentliche Punkte. Aenderungen redaktioneller Art, die nicht den materiellen Forderungen der Oefsentlichkeit, sondern einzig und allein der mangelhaften Stilistik des Entwurfstextes zugute gekom­men sind. Ter in der Sitzung nochmlas vorgetragene Wunsch einer eingehenderen Behandlung der strittigen Vorschriften und des Ba u z 0 n e n p l a n e s wurde endgültig abgelehnt.

Dem Studien-Ausschuß ist es unmöglich gemacht, für diese Bauordnung die Verantwortung der Oesfent» lichkeit gegenüber zu übernehmen, weil nach feiner Ansicht (der sich auch die Handelskammer und die H a n d w e r k s k a m in e r in ihren Eingaben an die Regie- rung angeschlossen haben) mit der neuen Bauordnung keine Fördern ug der Bau Wirtschaft, sondern eine weitere Hemmung herbeigeführt wird. Der Studien-Ausschuß sieht in dieser Bauordnung eine nicht der- tretbare Beschränkung des freien Bauwillens und eine übertriebene vormundschaftliche Sorge der Behörden um zweifelhaste ästhetische Belange und schließlich eine nicht ver- tretbare Verletzung der Grenzen des bisher gültigen öfsent- lichen Rechtes von nicht übersehbaren Auswirkungen auf die bereits so schwer erschütterte Boden- und Bauwirtschast. Er appelliert nochmals durch die Oefsentlichkeit an das Ge- wisien der.verantwortlichen Stellen, damit die alte Bau­ordnung stur durch eine fortschrittliche, auf klarer ® e

^etzeL-siörmulierung ' beruhenden Baupolizei- v^r^lrdn u 1^ ersetzt Werde.

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Die größte Hunde-AusWung der Welt.

Am 25. und 26. April in der Festhalle.

Zum 25jährigen Bestehn der deutschen Spitzenorgani­sation Teutsches Kartell für Hundewesen, das in mehr als 500 Vereinen 107,000 Mitglieder umfaßt und im Jahre 1906 in Frankfurt a. M. gegründet wurde, findet am 25. und 26. April in der Städtischen Festhalle in Frankfurt am Main eine Internationale Hundeaus­stellung statt.

Ueber 30,000 Mark sind an Geld- und Ehrenpreisen ge­stiftet, und 23 Staatspreise verschiedener Länder. Die Aus­stellung dürfte einen bis jetzt von keiner Hundeausstellung erreichten Umfang annehmen. 50 Preisrichter, darunter drei aus England, zwei aus Belgien, je einer aus Holland und Oesterreich, sind zur Beurteilung von etwa 15 0 0 bis 2000 Hunden verschiedenster Rassen berufen. Siebzehn ausländische Spitzenorganisationen, mit welchen das Deutsche KartellM^ich Freundschaftsverträqe verbunden ist. verleihen ihrer Sympathie durch Preisstiftungen Ausdruck. Das Deutsche Reichswehrministerium spendete einen wertvollen Ehrenpreis für di« beste Zuchtgruppe von Diensthunden. Die russische Diensthundsektion beteiligt sich an der Aus­stellung mit 3040 Laikas und Kaukasischen Schäferhunden. Sie bringt außerdem russische Lastzughunde und Schlitten mit.

An der Spitze der Ehrenpreisliste (über 1000) steht der vom Reichspräsidenten v. Hindenburg gestiftete, bestehend in dessen Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Oberbürgermeister Dr. L a n d m a n n (Frankfurt a. M.) hat die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen.

* Ein Achtzigjähriger. Am 29. März begeht der frühere Gastwirt und Weinstubenbesitzer Julius Beckert, Oppen­heimer Landstraße 56, seinen 80. Geburtstag. Aus Staufen im badischen Schwarzwald gebürtig, trat er in Freiburg als Kellner in die Lehre und war später in Paris. London, Monaco, St. Remo und in der Schweiz tätig. Nach län­gerem Wirken in Köln, am Laacher See und in Hanau über­nahm er die WeinstubeGeher" am Schweizerplcitz. Dort wurde vor zehn Jahren dieJägerloge" gegründet, als deren Kastellan der Jubilar heute noch tätig ist. Beckert hat sich in seinem weiten Bekanntenkreis viel Sympathien erworben: seinen Ehrentag verbringt er in voller Frische.

BolMMt-Partei. F. Schemel, Berlin, sprach über das Diktai^Mi Versailles. Im Anschluß hieran referierte Justiz- rat Brink, Berlin, über die Entschuldiingslüge. (Noung- Plan.) Er wies aus die Unmöglichkeit bin, die ungeheueren Revarationslasten zu tragen und beleuchtete die derzeitige Wirt­schaftskrise und Arbeitslosigkeit. Er gab einen Ueberblick über die Verarmung und Verelendung des deutschen Mittelstandes und den Verzweiflnngskampf, den heute die Rentner, Sparer, Gewerbetreibende usw. zu führen haben. Die gut besuchte Versammlung folgte den Ausführungen der Referenten mit grobem Interesse und spendete lebhaften Beifall.

* Der Frankfurter Bund für Volksbildung veranstaltet am 29. und SO. März, 20 Uhr, zwei Expertmentalvorträge von Wilhelm G u b i s ch - Dresden über geheimnisvolle Mächte, Hcllsehen, Telepathie, Gedankenlesen usw.

* Militärkonzert. Samstag, 28. ds. Mts., 8 Uhr. findet im Saalbau ein M i l i t ä r k 0 n z e r t statt, dessen Reinertrag sür kriegsbeschädigte und notleidende Ar­tilleristen bestimmt ist. Das Konzert wird ausgeführt vom Trompeterkorps des ehem. Feldartillerie-Regiments 63 Frankfurt" unter der Leitung von Obermusikmeister Paul G e 0 r g n.

* Die Freireligiös« Konfirmation findet Sonntag,

29. März, vormittags 10% Uhr, im Dr. Hochschen Konser­vatorium statt. Pfarrer T a e s l e r predigt überDer Gott­heit ewiges Lied": es wirken mit: Emmerich A. Weil! von der Frankfurter Oper und Hans Hellmuth (Orgel).

Ei» MMt MltenfoiWr.

Dr. P. Sack scheidet auS dem Schuldienst.

Am 1. April scheidet infolge Erreichung der Altersgrenze ein beliebter und bekannter Lehrer, Professor Dr. P. Sack, aus dem Lchuldienst aus, den er fast 80 Jahre am Wöh» ler-Realgymnasium erfüllt hat.

Generationen von Schülern hat er in Mathematik, Erd­kunde und Biologie anregend unterrichtet, und besonders auf dein letzteren Gebiet eifrige Mitarbeiter herangebildet.

Aber über den Schulunterricht hinaus ist Professor Sack in der Wissenschaft eine bekannte Persön­lichkeit; man merkt es dem bescheidenen Mann nicht an, daß er als Insekten forsch er eine internatio­nale Autorität ist und mehrere grundlegende Werke über sein Spezialgebiet geschrieben hat. Seit über 25 Jahren verwaltet er ehrenamtlich die Fliegensammlung im Sencken- berg-Museum und hat hervorragenden Anteil an den Ver­öffentlichungen dieses Instituts.

Der gläserne Motor. Don den mancherlei. Vorgängen im Inneren des Autos ist dem Durchschnittsfahrer bisher der Umwandlungsprozeß von Kraftstoff in Kraftleistung im Motor am dunkelsten geblieben. Hier greift ein Tonfilm derUfa".Der gläserne Motor" betitelt, vermittelnd ein Geschickt mit Bild und Wort, mit physikalischen Experimen­ten, Motorenversuchen und technischen Tricks arbeitend, macht er dem Zuschauer dasInnenleben des Motors" zugänglich. In leicht faßlicher, amüsanter Form werden die komplizier­ten Vorgänge und Gesetzmäßigkeiten der motorischen Ver­brennung erläutert und'daraus die an den Kraftstoff zu stellenden Anforderungen abgeleitet. Das Ganze ein Werk, das den beteiligten Technikern, Wissenschaftlern und Künst­lern Ehre macht und nicht nur bei Kraftfahrern Interesse finden wird.

* Zwei 76jährige. Karl W t s m a t h und Frau Eva, geb. Müller, feiern am 25. bzw. 29. März, ihren 70. Geburtstag. Karl Wismath beging 1930 in den Heöd. Knvferwerken und Süddeutschen Kabelwerken fein 50jähriges Arbettsjubiläum» er ist langjähriges Mitglied und Ehrenmitglied der Turner- schaft Heddernheim und des Gesangvereins Münnerauartett.

* Vorträge über Hcllsehen. Der Bund für Volks­bildung veranstaltet zwei Vorträge überHcllsehen, Tele­pathie, Gedankenlesen, Prophetie, Wunderkuren, Geisterspuk, Suggestion", für die Wilhelm Gubisch, Dresden, gewonnen worden ist. Tic Vorträge finden am 29. und 30. März, 20 Uhr, im Volksbildnngsheim statt.

* Bezirksverciu Sachsenhauseu. Friedrich S t 0 l tz e-A b « n b (aus Anlaß der 40. Wiederkehr des Todestages) Samstag, 28. März, im Festsaal der Sachsenhäuser Obcrrealschule, Hol­beinstraße 23, Saalöffnung 19.30 Uhr, Beginn 20 Uhr. Festrcöe:Friedrich Stoltze, ein deutscher Dichter" (Rektor Christian Bartscher). Rezitation (Konrad Hub), Gesang (Wally Kirsamer und ein Männerchor unter Leitung von Albert Hilfrich bzw. Albert Schäfer), Orchestermusik (da- Orchester der Berufsschule 5).

* Deutscher Rcntnerbund. Die Frankfurter Ortsgruppe hielt ihre Hauptversammlung ab. Der Vorstand wurde in seiner alten Zusammensetzung einstimmig wiedergcwählt. Im Anschluß hieran hielt der erste Vorsitzende Rektor Schüttler einen Vortrag über die Arbeitslosigkeit und ihre Bekämpfung. Er beleuchtete die Ursachen der heutigen Arbeitslosigkeit und gab Fingerzeige, wie die Arbeitslosigkeit bekämpft werde» könnte.

Der evangelische Kirchenchor der St. Jakobsgemeinde Ff«.»

West veranstaltete unter Leitung seines Dirigenten Robert Kraft eine geistliche Abendmuftk. Der gutgeschulte Chor, der erst 'feit kurzer Zeit besteht, löste seine Aufgabe durchaus befriedigend. In Margot Winkler und Ernst Fleisch- Hauer hatte man bewährte Solisten gewonnen. Robert Kraft spielte noch einige Orgelstücke.

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