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Die Religionsgebräuche werden sich auf alle Handlungen und Ereignisse erstreckt haben. Die moralische Lebensauffassung muß auf einer hohen Stufe gewesen sein. Flirt war diesen Menschen unbekannt und ihnen viel zu oberflächlich.

Recht und Gerechtigkeit muß hochgehalten worden sein, weil sie im Blute und in den Anlagen so begründet waren, daß es dazu keiner geschriebenen Gesetze bedurfte. Der Umgang untereinander muß ein sehr natürlicher, freundlicher, aufrichtiger und sehr vernünftiger gewesen sein. Berleumdungen kannte dieser Mann nicht. Uebermut ebenfalls nicht.

Ueber Mißverständnisse stolperten sie nicht gleich so, daß sie sich bekämpften. Der menschlichen Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit waren sie sich bewußt, und jederzeit bereit Jrrtümer einzusehen und Fehler zu verzeihen. Sie klebten nicht an äußerem Wesen, sondern erfaßten die Eigenart der Menschen. Nach dieser richteten sie sich. Jeder Formenkram' war solchen Menschen fremd. Dabei verachtete er aber keineswegs die äußeren stofflichen Noiwendigkeiten sondern beachtete sie genau.

Sein Benehmen muß sehr taktvoll gewesen sein. Jede Verletzung suchte er zu vermeiden. Ein Feingefühl und höheres Verantwortungs­gefühl dürfte ihn beseelt haben, wie wir es uns heute nicht gut vorstellen können.

Die seelischen Vorgänge bei den Mitmenschen und die geheimnisvoll wirkenden in der Natur und bei den Tieren muß er in staunenswerter Weise wahrgenommen und in ihren Bedeutungen erfaßt haben.

Man darf sich aber nicht einbilden, weil so edle Fähigkeiten Vor­lagen. sei er ein sogenannter gutmütiger Michel gewesen. Weit gefehlt! Nachsicht konnte er wohl gegen menschliche Schwächen üben, aber nur, wenn sie eingesehen und abznstellen versucht wurden. Jede Unterstützung von Schwächen durch Nachgiebigkeit oder gar Gleichgültigkeit gab es nicht. Entschieden und streng war in solchen Fällen sein Verhalten. Unerbittlich war er dann, selbst wenn es ihm Schmerzen bereitete. Höher als die persönliche Annehmlichkeit stand ihm die Verantwortung gegen Gott und sein Gewissen.

Ein Gehcnlassen dem andern gegenüber gab es für ihn nicht. Beschimpfende Ausdrücke hat er sicher vermieden, ebenso wegwerfende und herabsetzende. Auf Kosten anderer wollte er sich nicht erheben und seine Eitelkeit kitzeln lassen, wie es heutzutage weist geschieht. Dazu war er viel zu groß und von echtem inneren Stolze beseelt. Ueberhebung lag ihm nicht. Liebe, Zugehörigkeits- und Verant­wortungsgefühl waren viel zu stark ausgeprägt.

Dünkel und Heruntersehen auf weniger begabte und tüchtige Stammesmitglieder kannte er nicht. Derartige faxenhafte Ansichten hatten in seinem Kopf und Herzen gar keinen Platz. Da waren menschliche Größe und Verbundenheit die treibenden Kräfte zu seinem Denken und Tun. Standes- oder Reichtum- und Wissensdünkel vermochten die Reinheit seiner seelischen und geistigen Auffassung nicht zu trüben. Er war ein zu wahrhaftiger Mensch.