Walter Henning VDI.

Oberingen leur

Frankfurt a.M.

Unterlindau 4 7 Fernruf: Nr. 77990

Frankfurt a. M., den

22* Dezi1943;.

An die

Senckenbergische Naturlorschende Gesellschaft.

Frankfurt a.M. Senckenberganlage £57

Im Jahre 1930 machte ichrizusammen mit meinem kürzlich verstor­benen Bruder,Major a.D.Wilhelm Henning,geologische Untersuchungen im Kreise Lauenburg i.Pommern. Bei dieser Gelegenheit entdeckten wir bei dem Gutsbesitzer Kersberg,Saatzuchtwirtschaft Roschütfc, Roschütz im Kreise Lauenburg i.Pommern,einen alten Schädel, dessen Fotos ich Ihnen beilege. Wir Juben über den Ursprung des Schädels folgendes festgestellt.

Zum Gute Roschütz gehört ein Tu ffkal&lager von wenigen Metern Mächtigkeit,das vor dem Weltkriege abgebaut wurde um als Dünger Verwendung zu finden.

Dieses Tuffkalklager ist ohne Zweifel der Niederschlag eines prähistorischen Binnensees.Da es zum Teil durch hohe Gletscher­moränen zugedeckt ist,wovon wir uns überzeugt haben,muss die Bildung des Tuffkalkes vor der Eiszeit stattgefunden haben*

Beim Abbau wurde wenige Sahre vor Ausbruch des ersten Welt­krieges eine kleine Höhlung angeschlagen,in der sich dieser Schädel fand,dessen Erhaltung nur dem Umstande zuzuschreiben ist dass er im Kalk gelegen hat.Sonst wäre durch Auslaugung des Kalkgehaltes des Schädels wohl nichts mehr von ihm übrig geblieb

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Zuerst nahm der Lehrer des Ortes den Schädel an sich,wo er lange in einer Schublade verwahrt wurde,bis der Gutsbesitzer Kersberg ihn an sich nahm.

Dieser Herr sowie ein alter Arbeiter,der bei dem Funde zu­gegen war,haben uns die Oertlichkeit gezeigt und bestätigt, dass der Schädel auf die oben geschilderte Weise gefunden wor*» den ist.Ein späteres Hineinbringen des Schädels an diese Stelle sei völlig ausgeschlossen,da das Kalklager keinerlei Spuren einer nachträglichen Störung aufgezeigt habe,der Fund erfolgte im fest gewachsenen Kalklager,ungefähr in mittlerer Tiefe*

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Rechnet man einen jährlichen Niederschlag von $ mm- Kalk, so dürfte der Schädel ungefähr 1500 - 2000 Jahre von Beendigung der Tuffklakbildung an den Fundort gekommen sein,dann ist noch die ganze Eiszeit über das Kalklager hinweggegangen,sodass man dem Schädel ein Alter von wenigstens 80'000 Jahren zuspre­chen muss.

Herr B^rger-Villingen hat den Schädel eingehend begutachtet und kommt auch zu dem Schlüsse,dass er sich wesentlich von den Schädeln der jetzt lebenden Menschen unterscheide.

Eigentümlich sind die noch vorhandenen Backenzähne,die