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3.Dezember 1930

Lieber Herr Bluntschli!

Gestern habe ich auf Ihren Wunsch für die Arbeitslosen gesprochen. Ich melde Ihnen den Misserfolg nicht etwa, um Sie irgendwie zu tadeln oder mich zu beschweren. Das liegt mir ganz fern. Aber wenn man etwas derartiges macht, wie es die Volksvor- leungen offenbar in bester Absicht tun, so darf man nicht einfach einen Redner irgendwohin stellen und es der Gnade der Herren Ar­beitslosen üb rias'-en, ob sie erscheinen wollen. Um 5 Uhr waren fünf Erwachsene und ein Kind unter 6 Jahren vorhanden; zu diesen gesellte sich nachher noch ein Mann und der schuldiener, sowie 5 Minuten vor dem Schluss des Vortrages ein anscheinend geistig nicht ganz normales mageres Männchen aus Frankfurt. Für diese Garde opfere ich 3 Stunden meiner Zeit, die nichts anderem gewidme ist, als dem Dienste an denen, denen man helfen muss! Das ist meiner Ansicht nach nur mit dem Worte Unfug zu bezeichnen. Ich habe schon bei früherer Gelegenheit mit Herrn Eppstein über die Art der VolksVorlesungen Diskussionen gehabt, in denen ich auch hier allerlei Bedenklichkeiten feststellen zu müssen glaubte. Auf diese will ich nicht eingehen; aber im Interes e der Redner und im Interesse der Beteiligung der Universität an den Volksbildungs bestrebungen dürfte es nicht liegen, wenn durch mangelhafte Vorbe­reitung derartige Din_e entstehen, wie dieser Vertrag.