±7.September 1930
Lieber Herr Staatrat Michel!
Zwei Dinge sind es, die mich bewegen, so unmittelbar nach Ihrem Urlaub an Sie zu schreiben. Erstens möchte ich Ihnen gern mitteilen, dass wir uns freuen würden, wenn Sie als Mitglied unserer Verwaltung auf beitragendes Mitglied unserer Gesellschaft werden würden. Alle unsere Verwaltunsgmitglieder sind nämlich beitragende Mitglieder und ich meine bei Ihrem lebhaften Interesse für alle kulturellen Dinge in Frankfurt ist Ihnen vielleicht auch dieses kleine Opfer nicht zu viel für unsere Gesellschaft.
Das zweite ist einschneidender.Ich bekam vom Amt für Wissenschaft Kunst und Volksbildung unter dem 6. September ein Schreiben, das offenbar allen angeschlossenen Abteilungen zuge- gangen ist und das die Beiträge der Stadt herabsetzt. Wi sollen statt 22000 Mark 20 000 Mark bekommen. Nun halte ich es zwar für die selbstverständliche Pflicht, dass Jeder dazu beiträgt, in der gegenwärtigen Zeit durch äusserste Sparsamkeit zur Gesundun der städtischen etc. Finanzen beizutragen. Ich darf Ihnen aber nicht verhehlen, dass für unser Museum eine direkte Gefahr bestelt. Seit Juli vorigen Jahres etwa haben mehr Mitglieder verloren, als wir vor dem Kriege überhaupt besassen, d. h. unser Einkommen