ffcowTftjffcr General-N»,»einer Montag, 25. Lluguff 1910

* Pros. De. Knoblauch f. Im Alter von 56 Jahren ist in Frankfurt Geh. Modizinalrat Pros. Dr. August Knoblauch gestorben. Als Sohn eines bekannten Frankfurter Arztes und mütterlickOrseits ein Nelke des berühmten Bonner Chemikers Kekule zu Frankfurt ge­boren. hat der Verstorbene in Berlin. Bonn und Heidel­berg Medizin studiert und ist jahrelang, da er sich schon früh besonders für die Krankheiten des Nervensystems interessierte. Assistent bei Prof. E r k in Heidelberg ge­wesen. Später liest er sich als prakt. Arzt in Frank­furt nieder, wo ihm die Leitung des S i c ch « n h a u s e 8 andertraut wurde. Bei der Gründung der.Universität ist Dr. Knoblauch zum a. o. Prof, und Direktor oer Neurologischen Klinik ernannt worden. Im Krieg ist er als Oberstabsarzt und Leiter mehrerer gröberer Laza­rette austerordentlich tätig für die Allgemeinheit hec- vovgetreten, 'der auch sein unermüdliches Schaffen in sehr zahlreichen wissenschaftlichen Vereinen, in letzter Linie, galt.

Prof. Knoblauch war wiederholt erster Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Ce° s e l l s ch a f t und hat sich um dieses Forschungsinstitut wie um den Aerztlichen Verein die größten Verdienste erworben. Ec gehörte ferner zum Vorstand der Senckea- bergischcn Stiftung, des Physikalischen Vereins, war ein Hauptorganisator bei den Wanderversammlunqen der Deutschen Naturforscher- und Aerzte-Eesellschaft, die. nicht zuletzt dank seinem Bemühen, mehrmats hier in Frankfurt stattfinden konnten, und widmete feine starke Arbeitskraft noch einer großen Zahl wissenschaftlicher Ver­eine, von denen ihn verschiedene zum Ehrenmitglieo er­nannten. Prof. Knoblauch war ein weit über die Grenzen der Stadt hinaus geschätzter Nervenarzt, dem als bedeutende wissenschaftliche Leistung vor emrqen Jahren die Färbung der verschiedenen Muskelfasern gelang. Sein zu früher Tod wrrd allgemeine Teilnahme und schmerzliches Bebauecn wecken.

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Merrstag, 26. August 1319

August Knoblauch

Mit Geb. Med.-Rat Professor Dr. August Knoblauch ist wieder einer ans den Reihen der Männer von uns gegaag-». tue den Geist der deutschen Hochschule in Frankfurt vorbere'i-lea, lange ehe cS eine Universitätsstadt war. Wie jene anderen war er

« von besonderem Menschenwert/ Wer den Verstorbenen an einer stincr Arbeitsstätten. dem städtischen Sicchenhaus« und dem Sencken- rergischcn Museum, wirken und leben sah, wird ihn gewiß nie ver­gessen können. Das Eindringliche an Knoblauchs Gestalt lag nid)* nur an der Achtung, die seine Leistung an sich heischte, sondern auch on der Art, wie diese Leistung aus seinem Wesen geboren wurde Knoblauchs Bedeutung für vaS Senckenbergische Museum und die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft werden andere, die ihn dort sahen, kannten und liebten, würdigen. Diese Zeilen seien dem Nervenarzt und vor allem dem Frankfurter Slechenhausdircktor gewidmet.

DaS städtische SiechenhauS ging aus einer Krankenstation, deS Armenhauses Sandhof hervor. ES wurde am 2. Juni 1898 S eröffnet und Knoblauch wurde sein erster Direktor. Im Volke galt die neue Anstalt wegen ihre» unheimlichen Namens, der erst spät In Neurologische Klinik umgeändert wurde, und wegen ihrer Be­stimmung für einen Ort deS Schreckens. Nur die Kranken, die ' dort wegen chronischer, oft unheilbarer Leiden Aufnahme fanden.

! wußten, daß das Sicchenhaus ein Ort des Segens war. Die I Lertlichkelt war für den Zweck günstig. Der alte Sandhof. ein vollendet schöner Barockbau deS .Deuffchherren-OrdenS, war durch einfache Neubauten und eine waldarttge Parkanlage zu einem zwar nicht modern komfortablen, aber märchenhaft ftiedlichen, weltentrück­ten Asyl für solche Kranke geworden, di« auf lange Zeit krcmkcn- hanSbedürftlg waren. Diese den meisten unbekannte Welt hat Knoblauch, unterstützt von der auch am Kriege gestorbenen Ober­schwester Jda Baldes und der Verwaltung, mit einer von Menschen­liebe bedienten Organisationskraft geschaffen, nicht als eine Muster- cmstalt, die man beliebig kopieren könnte, sondern als ein Kranken- bnnS, besten Eigenart auS derselben Wurzel trieb wie die feines Schöpfers.

Seit der Eröffnung der Anstalt haben hier viele Tausende, die lebensunfähig geworden waren, nicht nur die zur Frisrung ihres i Lebens nötige -Behandlung und Pflege gefunden, sondern weit : über das hinaus Lebensfreude schaffende Fürsorge und gütige scho- ' nenbe Berücksichtigung Ihres Menschentums. Knoblauch kannte und liebte in seinen Kranken nicht mu: de» Fall, {« lehr er auch diesen,

lieben mochte, sondern ebenso das menschliche Leben deS Einzelnen. Die Krankenvisite des ritterlich höflichen und humorbcgabten Man­nes bestand auS einer Reihe freundlicher und freudiger Begrüßun. gen und scherzhafter Gespräche deS Arztes mit seinen Krauten. Es gab keinen noch so Stumpfen, dem er nicht «in Lächeln abge­winnen konnte. Schon das, eie absolute Reinlichkeit, Ordnung, Behaglichkeit, mit der er jeden Insassen umgab, bedeutet eine her­vorragende ärztliche Leistung.

Während diese stille Arbeit nicht über dt« Mauern der Anstalt hinauswirkte, verschaffte die wissenschaftliche Tätigkeit Knoblauchs der Anstalt medizinischen Ruf bet den Aerzten der Stadt und in der neurologischen Welt überhaupt. Die einzelnen Fülle wurden mit meisterlicher Genauigkeit untersucht und registriert. So ent­stand ein große» Archiv von Krankengeschichten. Die in der schönen Schrift Knoblauchs geschrieben, selten kostbare Dokumente dieser Art bilden.

Vom Frühjahr 1901 ab wurden ärztliche Fortbildungskurs« im Sicchenhaus abgehalten. An den Fällen der Anstalt hielt Knob­lauch Vorträge über die chronischen Erkrankungen deS Zentralner­vensystems. die durch Gediegenheit und Gestaltungskraft hervor­ragend waren. Er war ein Lehrer von ungewöhnlicher Begabung, die der Ausbildung der ihm unterstellten Anstaltsärzte zu gute kam. Jeder, der unter ihm arbeitete, hatte Nutzen davon fürs Leben.

AuS dieser ForschungS- und Lehrtätigkeit ging fein literarisches Hauptwerk -Klinikund Atlas derchrontschen Krank­heiten des Zentralnervensystems"' (1909) hervor. Dieses auSg»eichnvte Buch wird auch nach Jahren nicht veraltet sein. Di« Photographien und Zeichnungen von Knoblauchs Hand, die es enthält, sind so mustergültig, dag viele Autoren sic im ihre Werke übernommen haben. Von oen anderen Veröffentlichungen Knoblauchs soll hier nicht gesprochen werden Er hat sich beson­ders mit der Myasthenie, der ErmüdungSlähmung der Muskeln befaßt. Sein« Untersuchungen über dt« verschiedenen Arten der Muskelfasern können vielleicht noch Gebiete echellen, die vorläufig für unS im Dunkeln liegen

i Der Kriegsausbruch erschüttert« Knoblauch bis ins tiefste Ohne reflektorischen Pessimismus sah er, durch den Dunst der Be­geisterung hindurch, daß sein geliebte? Vaterland ln einen Kamps eingctreten war. dem eS vermutlich unterliegen würde. Seitdem hat der sonst fleißige, aber behaglich die Zeit einteflende Mann gearbeitet, als ob er sich zu Grunde richten wollte. Von Kriegs­ausbruch an war er Militärarzt, ohne etwas anderes mehr zu kennen. ES war ihm nicht gegeben, die immer drängender wer­dende Arbeit durch weniaer mündlich« Arbeitsart zu erledigen.