Samstag, den 30. August 1919
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' rrmierfeier für Prof. Knoblauch. Für den verstorbenen Geheim rat Pro", ssor Dr. Aug. Knoblauch, def^n Verdienste wir bereits am Montag würdicst-n gestern vormittag in -der neuen Friedhofshalle eine Trauerfeier statt, an der sich weite Kreise der Bevöllc- tunfl, Aerzte und Vertreter von wissenschaftlichen Jnsti- sehr zahlreich beteiligten. Nach kurzem Orael- wel gab Pfarrer Veit in einer von der herkömm- Ischen Form durchaus abweichenden. gehaltvollen Rede ein Bild des verstorbenen Arztes und Menschen, in dessen Leben die F o r sch u n g den Kristallisationspunkt bedeutet habe. Von rastloser Arbeit erfüllt, sei sein Schaffen und Wirken köstlich im Sinne des 90. Psalms gewesen. Wenn ihn künstlerische und religiöse Fragen weniger berührt haben, so war August Knoblauch, dessen Zett so ganz durch die Wistenschast ausgefüllt schien, doch em warmblütiger Mensch, der im Verhältnis zu seiner Familie reiche Liebe und für das Vaterland glühenden Patrrr-tismus zeigte.
Stadt und den Magistrat sprach Stadtcat Meckbach anerkennende Worte und versprach, daß das Gedächtnis des um die Frankfurter Bevölkerung so ver-
cuevden Aiannes nicht vergessen werden sollte. Geheim- vat te i o l i legt« im Auftrag der medizinischen Fakultät ein«i Kranz nieder, für die Administration der Dr. SemEenbergi scheu Stiftung Professor v. Mettenheim, für das Senckenbergische Museum Geheimrat zur Straßen. Dr. I a s s o y sprach für die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, die Kiwblauch siebenmal zu ihrem Vorsitzenden geivühlt und damit bereits bezeugt i hat, wie hoch sie ihn schätzte. Auch als Freund widmete er dem Dahingegangenen herzliche Worte. Weitere Kränze legten mit kurzen Würdigungen von Knoblauchs Persönlichkeit nieder Dr. Hirsch für das Siechen haus, Sam-Rat Ebenau für den Aerztliche,. Verein, Stadtrat de Neufville für den Physikalischen Verein, Prof. Marx für den Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung, Prof. Hamburger für die Ehemaligen Sekuttdärärzte, Assistenten und Schüler. Prof. Fischer für die Pathologische Klinik, ein Devtreter des Vereins vom Roten Kreuz, ein Beauftragter der Patienten des " Siechenl-auses, Geheimrat Walter für die Muster- und Elisabethcnschule und deren beide Vereine. — Mit ernsten Orgelklängen schloß die eindrucksvolle Feier.
Das Illustrierte Blatt
9. September 1919
Pl,ol. Nippotd, Frankst,rc a. M.
Professor Dr. Knoblauch f
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iliach nwnatelangcr Krankheit ist Geh. Mcdizi- natral Professor Tr. August Knoblauch am 2t. August im Alter von 56 Jahren nach einem arbeitsreichen Le ben
gestorben. Als Sohn eines praktischen Arztes in Frankfurt geboren, ergriff er den Beruf des Vaters und widnicte sich besonders der Nervenheilkunde. Als Ergebnis seiner Lebensarbeit als Arzt erschien im Jahre 1909 sein historisches Hauptwerk „Klinik »nd Atlas der chronischen Krank- heile» des Zentralnervensystems", zu dem er auch die Photographien und Zeichnungen selbst angcfertigt hat. Am 2. Juni 1898 übernahm Knoblauch die Leitung des städtischen Sicchcnhauses, dessen erster Direktor er wurde. Aus dieser Heilanstalt cntwickcilc sich bei der Gründung der Universität im Fahre 191t die Neurologische K l i- n i k. Knoblauch wurde gleichzeitig außerordentlicher Pro
zessor der klinischen Neurologie an der Universitär. Aber ^bereits viel früher, seit dem Fahre 1901, übte er die Lehrtätigkeit aus, in den von ihm im Sicchcnhaus abgchaltcnen ärztlichen Fortbildungskursen zum Studium der chronische» Erkrankungen des Zentralnervensystems. Ucbcr seinen eigentlichen beruflichen Wirkungskreis hinaus betätigte sich der Verstorbene als eifriger Förderer des S e n cf e n- bcrgischcn M u s c u m s und der S e n ck c n b e r g i- s ch e n N a t u r f o r s ch e n d e n G e s e l l s ch a f l, die ihn siebenmal zu ihrem Vorsitzenden gewählt hak. In dieser- Eigenschaft hat er sich auch große Verdienste um die Errichtung der Frankfurter Universität erworben. To bedeutet Knoblauchs Tod einen empfindlichen Verlust für! alle die Institute, denen er seine nie ermüdende Arbeitskraft gewidmet hatte.