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Zehn Jahre lang ist Professor Kobelt der Vorsitzende unseres Verbandes gewesen und hat seine Geschichte gerade in der Zeit geleitet, als die wichtige Organisationsarbeit und die Sammlung der Mitglieder und Mittel zu leisten war. Und als dann nach zehn Jahren unser Verband so weit war, daß er bestehen und wirken konnte, da hat er die ihm liebgewordene Arbeit aus der Hand gegeben, und unser Verband hat ihn in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Wenn wir an diesem Sarge, in dieser Stunde, wo wir das, was vergänglich ist an Professor Kobelt, hingeben wollen, damit es Asche werde, wovon es genommen ist, uns nun fragen, was ist der bleibende geistige Ertrag seines Lebens für unsere Verbandsarbeit, so hat er selbst uns die Beantwortung dieser Frage leicht gemacht. Denn als alt und reif gewordener Mensch ist er zurückgekehrt zur ersten Liebe seiner Fugendjahre und hat begonnen, die Geschichte des Volksbildungswesens im Maingau zu veröffentlichen. Wer die kurzen Abschnitte, die bisher von dieser Geschichte in den Gemeinnützigen Blättern für Groß-Frankfurt erschienen sind, zusammenfassend überblickt, dem sind sie lehrreich nach zwei Richtungen hin. Professor Kobelt ist ein Mann reiner .Wissenschaftlichkeit gewesen. Wie die Wissenschaft seine Leistungen wertet, das haben wir soeben aus berufenem Munde gehört. Aber Professor Kobelt hat zu den Menschen gehört, die ein lebendiges Gefühl dafür haben, daß alle wissenschaftliche Forschung Jünger sucht, daß sie sich sehnt, mitgeteilt zu werden, und darum ist er in seinem ganzen Leben darauf ausgegangen, die Kanäle und Organisationen zu schaffen, die ihm dazu dienen konnten, das was er selbst erarbeitet und erforscht hatte, auch anderen mitzuteilen. Darum hat er damals, als er als neunundzwanzigjähriger Arzt nach Schwanheim kam, sofort begonnen, die Bildungsfreunde im Maingau zu gemeinsamer Arbeit zu sammeln. Deshalb hat er sich in den Gemeinnützigen Blättern, die er nun 18 Jahre geleitet hat, ein Organ geschaffen, in dem er die reichen Erträgnisse seiner Forschungen auf natur-, volks- und heimatkundlichem Gebiet veröffentlichen konnte. Deshalb hat er sich auch als bejahrter Mann noch an die Spitze unseres Verbandes gestellt, dessen Arbeit ihm als eine Nenbelebung früher gehegter Ideale und Versuche erschien. Wer die Veröffentlichungen über die Geschichte des Bildungswesens im Maingau liest, dem ist es aber auch lehrreich zu sehen, über welche Fragen Kobelt selbst in der Volksbildungsarbeit gesprochen hat. Es sind Fragen, die mit seiner eigenen naturwissenschaftlichen Arbeit in Beziehung stehen,- und so hat er selbst das getan, was uns als eine wertvolle Arbeitsmethode unserer Bildungsarbeit erscheint: Datz Volksbildungsarbeit geleistet werden muß vonFach- leuten.
Aber auch nach einer anderen Richtung hin ist uns die Arbeit Kobelts vorbildlich gewesen. Wer sich mit ihm in die Anfänge der