Rossmässlerschen Iconographie der europäischen Land- und Siisswasser Mollusken, er wurde aber auch noch in einem höheren und weiteren Sinne Rossmässlers Nach­folger als Volksmann wie als Volksbildner.

1869 siedelte er, nachdem er 1866 die rechte Lebens­gefährtin, Weggenossin und Kameradin zugleich, gefun­den hatte, nach Schwanheim über, wohin ihn der dortige Aerztliche Verein berufen hatte der erste Vereinsarzt im Maingebiet. Dort fand er seine zweite Heimat, sein Arbeitsfeld, auf dem er nunmehr über 40 Jahre mit nimmerermüdender und nimmergebeugter Kraft und nie enttäuschtem Mut gearbeitet hat. Ein Arzt der körper­lich Kranken und Schwachen, aber auch ein Arzt und Helfer für die wirtschaftlich und sozial Leidenden, ein Führer und Förderer jeden Strebens. Was Schwanheim ihm an Schöpfungen und Anregungen verdankt, sei hier nicht weiter ausgeführt. Sein Interesse war jedem Fort­schritte zugewandt, im Ackerbau und in der Obstzucht, im Gewerbeleben wie in dem Vereinswesen, in wirt­schaftlichen wie in sozialen Angelegenheiten hat er unter starken Widerständen und mancher Gegnerschaft seine ganze Kraft eingesetzt zum Wohle seiner Gemeinde und seiner Mitbürger. So eifrig er auch im kleinen wirkte, so lebendig blieb sein Interesse, so fruchtbar wurde seine Mitarbeit an den grossen Fragen der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens. Wie er, obwohl ihn kein Ruf und kein Locken veranlassen konnte, Schwanheim dauernd zu verlassen, doch immer wieder auf grossen Reisen nach Italien, Afrika und Spanien neue Anregungen sam­melte, so stand er mitten in den grossen wissenschaft­lichen, den politischen und sozialen Bewegungen. Auf seinem naturwissenschaftlichen Arbeitsfeld wurde er mit den wissenschaftlichen Ehren einer der grossen Autoritäten geschmückt, an dem geistigen Leben Frankfurts, insbe­sondere an der Entwicklung der Senckenbergischen Natur­forschenden Gesellschaft nahm er eifrigsten Anteil. Die politischen Kämpfe der 70er Jahre in unserer Gegend sahen ihn in der vordersten Reihe, der Volksbildungs bewegung, wie allen gesunden wirtschaftlichen und sozialen Bestrebungen war er ein immer bereiter Förderer und Organisator.

70 Jahre wurde Wilhelm Kobelt am 20. Februar 1910, fast 50 Jahre davon hat er anderen gelebt, 40 Jahre lang hat er in Schwanheim gewirkt, hat dieser seiner zweiten Heimat sein Bestes: seine ganze Persönlichkeit gegeben.