WILHELM KOBELT wurde am 20. Februar 1840 in dem hessischen Städtchen Alsfeld geboren. Abgelegen von der grossen Verkehrsstrasse hat seine Geburtsstadt die Eigenart und die Würde ihrer Geschichte in den statt­lichen und schönen Bauwerken des Rathauses und vieler Bürgerhäuser bewahrt, die rechte Land- und Hauptstadt eines selbstbewussten Bauerntumes, das treu und trotzig an seinem alten Brauche und Recht hält. So führte sie den Knaben in den Geist der Geschichte und des Volks­tums ein. Die landschaftlich wie landwirtschaftlich geseg­neten Fluren weckten in ihm die Liebe und das Verständ­nis für die Natur. Bei seinem Vater, der des Städtchens zweiter Pfarrer war und eine kleine Privatschule einge­richtet hatte, empfing er seinen Unterricht. Als Primaner zog er nach Giessen, dort verlebte er auch seine Studenten­jahre. An ein selbständiges Studium der Naturwissenschaft konnte der Unbemittelte nicht denken, um so weniger als noch fünf jüngere Brüder der Ausbildung harrten. Er studierte also Medizin.

Nach dem Examen liess er sich Ende 1802 in Bieden­kopf im hessischen Hinterland als Arzt nieder, nahe bei, in Breidenbach, amtierte nunmehr sein Vater als Pfarrer. Auch als Arzt blieb er seinen naturwissenschaftlichen Neigungen treu, aber nicht in stiller Gelehrtenstube wollte er allein die Stunden der Müsse verbringen. Anderen wollte er sein Wissen und seine Wissenschaft mitteilen, in ihnen den Sinn und das Verstehen für die Heimat, für geistiges Leben auch im engen örtlichen Rahmen wecken, öffentlich wollte er wirken. Er gründete angeregt durch Rossmässlers Gebirgsdörfchen mit zwei nun lang verstorbenen Freunden einen Volksbildungsverein. Bei den Arbeiten zu dessen Gründung wandte er sich an den als Naturforscher wie als Volksmann gleich berühmten und bedeutenden Ross- mässler, einen der hervorragendsten, vielleicht den her­vorragendsten Führer der damaligen Volksbildungsbeweg­ung. Obgleich er Rossmässler niemals persönlich kennen lernte Rossmässler starb bereits 1868 so entschied doch die Verbindung mit ihm über Kobelts wissenschaft­liche Laufbahn. Seitdem waren seine naturwissenschaftlichen Studien und Forschungen der unscheinbaren Schnecke ge­widmet, die, so unscheinbar sie auch ist, für die grössten und wichtigsten Fragen der Entwickelung der Erde, der Zusammenhänge und Trennungen von Erdteilen und Län­dern, die entscheidenden Beweisstücke liefert. Nach Ross­mässlers Tod übernahm Kobelt die Vollendung der