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sitzen, man mag in allen Geheimnissen und Neuigkeiten der großen Welt bewandert sein und kann doch von den großen Bewegungen der Zeit, von den neuaufkommenden Lebensfragen, von den wirklichen wichtigen Geschehnissen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens nicht das Geringste wissen. Demgegenüber kann man im engsten Bezirk sein Leben verbringen und .doch umfassend wirken. Für die wissenschaftliche Tätigkeit ist dies ohne weiteres klar. Für die sozialpolitische Tätigkeit gilt es nicht weniger. Unser wirtschaftliches und soziales Leben ist auch im engsten Rahmen unerschöpflich reich an Formen und Bildungen, an Studienmaterial wie an Arbeitsgelegenheit. Je inniger man mit dem wirklichen Leben in Verbindung tritt, um so klarer drängt sich die Empfindung auf, um so gegenständlicher gewinnen wir die Erkenntnis, wie wenig wir im Grunde von ihm wissen, wie der Alltag, das Einfachste die Schlüssel für unsere großen sozialen Probleme wie die sozialpolitischen Aufgaben enthält. Gerade wenn wir in der .Heimat arbeiten, erkennen wir, daß wir zunächst erst das anscheinend Selbstverständliche, unsere Heimat, entdecken müssen. Das gesellschaftliche Leben ist nicht weniger reich an Arten und Formen als das natürliche, während aber die Naturwissenschaften eine klare Methodik, eine hinreichend sichere Systematik besitzen, fehlt beides noch für die Gesellschaftswissen< schäften, selbst für ihr einfachstes Gebiet, die Gesellschaftsbeschreibung.
Die sozialpolitische Heimatarbeit führt ganz vo nselbst zur sozialen Heimatkunde, die aber, so sehr sie auch Voraussetzung für die praktische Sozialpolitik ist, nicht Mitte! zu deren Zweck, sondern vollgültige Wissenschaft mit eigenen Methoden und Zielen der Forschung zu sein hat, und die sich nicht beides durch sozialpolitische Ansichten oder Absichten verderben lassen darf.
Wie die sozialpolitische tzeimatarbeit als Ganzes zur sozialen Heimatkunde hinführt, so erschließt sie auch im einzelnen das Studienmaterial für die soziale Heimatforschung, liefert die Anzeichen für Um-, Rück- und Neubildungen in der wirtschaftlichen und der sozialen Entwicklung von ihrer ersten, leisen Entstehung an.
Wer ist zur sozialen Heimatarbeit berufen? Feder, aber insonderheit die Gebildeten. Bildung verpflichtet, verpflichtet vor allem zur Arbeit für andere, zum öffentlichen Dienst. Ziehen sich die Gebildeten auf ihren engsten Kreis Gleichstehender zurück, beschränken sie sich auf die regelrechte Erledigung ihrer Berufspflicht, so verarmen sie, verarmt das Land. Das gilt sowohl für die Gebildeten in der Stadt, als auch und namentlich für die Gebildeten im Dorf, in der Kleinstadt, für den Richter und den Landrat, den Arzt, den Pfarrer und den Lehrer. Viele von ihnen finden nicht und nie das rechte Verhältnis zu ihrem Dorf, zu ihrer Gemeinde, sie empfinden sie nicht als Heimat, im besten Falle bloß als eine Ubergangsstation zu angenehmeren höheren Posten. Andere ziehen sich, indem sie die Kleinheit der Verhältnisse als kleinlich empfinden, verärgert zurück,