Nr 187.
Seife 3.
Aechenheimer Anzeiger. Dienstag, den 12. August IgZO.
gruppe Hineinfuhren. Der Sozius wurde vom Rade gerissen und verprügelt, und auch der Fahrer wurde gezwungen, seine Maschine zum Halten zu bringen. Trotzdem er sich verzweifelt wehrte, echielt auch er seine Prügel. Der eingreifenden Schutzpolizei gelang es nur schwer, die Menge von ihren Opfern loszureißen.
Durch eine Kuh beim Melken schwer verletzt.
Gießen, 12. Aug. In dem benachbarten Dorf Garbentcich Wurde die 22 Jahre alte Dienstmagd Else Schäfer beim Melken einer Kuh von dem ausschlagenden Tier so schwer getreten, daß sie mit schweren inneren Verletzungen noch in der Nacht der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden mußte. Dort liegt das Mädchen heute noch in ernstem Zustand darnieder.
□ Nundflng des R 100 Aber Kanada. Das Luftschiff IR 100 ist zu einem Fluge über die kanadischen Städte Ottawa, Toronto, Hamilton und Niagara aufgcstiegen. Nach seiner Rückkehr nach Montreal wird es bald seine Heimreise nach England antreten.
Vom elektrischen Schlag getötet.
Aus Aschaffenburg wird der Frankfurter Zeitung berichten In Waldaschaff wollte ein Karusselbesitzer die Kinder von seinem Karussel abhalten und befahl deshalb einem 19 jährigen Angestellten, das Metallgestell elektrisch zu laden. Gin Arbeiter, der zu nahe an das Karussel heranging und mit dem Kopf an eine Messingstange stieß, erhielt einen elktrischen Schlag, der ihn zu Boden warf. Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg.
ID Vier Todesopfer einer Pilzvergiftung. Nach dem Genuß selbstgesammelter Pilze erkrankte die aus sieben Personen bestehende Familie eines in der Nopitschstraße in Nürnberg wohnhaften Arbeiters und mußte auf ärztliche Anordnung in das Krankenhaus übergeführt werden. Im Laufe des Tages sind dort zwei Frauen und zwei Kinder verstorben.
Zehn Opser einer Pilzvergiftung.
• Leipzig, 11. Aug. Zehn Einwohner aus Lützen bei Lsizig nd, wie die Frkf. ZH. berichtet, in den vergangenen Tagen Opfer einer schweren Pilzvergiftung geworden. Es handelt sich um die Familien des Malers Hahnisch und des Schmiedes Schaller, sowie eine Frau Herling. Die Familien hatten am vergangenen Freitag mittags und abends die Pilze gegessen, die sie fälschlich für Feld-Champignons hielten; in Wirklichkeit waren es aber Knollenblätterpilze, die außerordentlich giftig find. Schon Freitag abend machten sich bei verschiedenen Mitgliedern der Familien Vergiftungserscheinungen bemerkbar. Sie wurden in der Nacht noch bemerkt. Betroffen waren die Eltern und von der Familie Hahnisch drei Jungens Im Alter von 2 bis 6 Jahren, von der Familie Schaller ein kleines Mädchen. Als die erkrankten Personen nach dem Diakonissenkrankenhaus in Leipzig geschafft wurden, befanden sie sich bereits im vorgerückten Stadium der Krankheit. Es trat eine lähmende Wirkung des Pilzgiftes auf das Gehirn ein. Eines der Kinder starb hereits am Samstag abend, ein zweites am Sonntag nachmittag und ein drittes in der Nacht zum Montag. Bei den Erwachsenen hatte das Gift inzwischen die Leber ergriffen und gleichzeitig auch die Herztätigkeit gefährdet, so daß sich das Ehepaar Hanisch und die Tochter von Schaller noch in Lebensgefahr befinden. Die anderen Erkrankten scheinen soweit hergestellt zu sein, daß eine ernstliche Gesundheitsgefährdung nicht mehr zu befürchten ist. Bezeichnend für die starke Wirkung des Pilzgiftes ist auch, daß Tauben, die die weggeworfenen Reste des Mittagessens gefressen hatten, ebenfalls verendeten.
Die Frage einer Tarifkündigung im Ruhrbergbau.
Essen, 11. Aug. (Frkf. Ztg.) Heute fand die von uns bereits angekündigte Ausschußsitzung des Zechenverbandes statt, in der über die Frage einer eventuellen Kündigung des Loyntarffs entschieden werden sollte. Eine Entscheiduna ist aber wider Erwarten heute nicht gefallen, vielmehr soll eine neue Sitzung am Freitag dieser Woche die Angelegenheit endgültig klären. Soweit im Augenblick erkennbar, besteht, wie wir schon meldeten, ziemliche Wahrscheinlichkeit dafür, daß eine Kündigung des Lohntarifs durch den Zechenverband vorgenommen wird. Es gibt allerdings auch noch die Möglichkeit einer freiwilligen dem Sinne, daß man sich irgendwie dahin verständigt, daß der jetzige Lohntarif, besten Kündigung stattfinden soll, nicht, wie ursprünglich vorgesehen, unverändert bis zum 31. März nächsten Jahres läuft, sondern daß seine Gültigkeitsdauer eben im Wege der freiwilligen Verständigung bis Ende dieses Jahres befrfftet wird. Anscheinend soll bis zum Freitag versucht werden, in dieser Richtung mit den Gewerkschaften Fühlung zu nehmen.
Soviel aus dem Ergebnis der heutigen Sitzung bekannt wird, bestätigt sich unsere Vermutung, daß man auf keinen Fall eine Preissenkung ohne eine Lohnreduzierung im Ruhrbergbau vornehmen will.
^ Ein deutsch - französisches Filmabkommen.
Engste Zusammenarbeit.
Berlin, 9. Aug. Wie die Spitzenorganisation der Deutschen Filmindustrie mitteilt, haben gestern in Paris Rechtsanwalt Dr. Flügge als Beauftragter der Spitzenorganffatjon und Charles Delack als Präsident der Chambre Syndicale Francaife de la Cintzmatographie ein Abkommen unterzeichnet, das den uneingeschränkten Austausch von Filmen vorsieht, die in Frankreich in deutscher Sprache oder in Deutschland in französischer Sprache hergestellt sind, und die Förderung engster Zusammenarbeit zum Ziele hatte.
Hoepker-Aschoff gegen Lehrerabbau.
Berlin, 11. Aug. (Frkf. Ztg.) Auf der Tagung der demokratischen Beamten, dessen EesamtvorstaNd am Sonntag in Berlin eine Sitzung abhielt, äußerte sich u. a. auch Finanzminister Dr. Hoepker-Aschoff zu den Befürchtungen über einen Abbau von Lehrkräften, der in Preußen geplant sein solle. Hoepker- Aschoff erklärte, daß die Stellungnahme seines Ministeriums zu den Volksschullehrerstellen in der Oeffentlichkeit vielfach falsch aufgefaßt worden sei. Es denke niemand daran, auch nur einen Lehrer abzubauen. Die Vorgänge des Personalabbaues von 1924 schreckten. Was aber geschehen müsse, sei eine Verringerung der Lehrstellen, die nicht mehr im Einklang mit der sinkenden Schülerzahl stünden.
Mordversuch an einem Hoteldirektor.
Zürich, 11. Aug. (Frkf. Ztg.) Ein Morvdersuch wurde gestern nacht auf den Direktor Eyr des allen Besuchern Zürichs bekannten Hotels Waldhaus Dolder verübt. Eyr, der eine Ausfahrt unternehmen wollte, bemerkte, daß sich ein Fremder an seinem Auto zu schaffen machte. Als er ihn zur Rede stellte, zog der Unbekannte einen Revolver und gab aus unmittelbarer Nahe einen Schuß auf Gyr ab, der diesen in die Herzgegend tras. Obwohl es Eyr noch gelang, fünf Schüsse auf den Fliehenden abzugeben, konnte dieser unbekannt entkommen. Gyr wurde ins Kantonhospital verbracht und dort operiert, doch besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten.
Das Verbrechen hat in der Züricher Bevölkerung stärkste Erregung hervorgerufen, da erst kürzlich mitten in der Nacht ein Autobesitzer von einem Autodieb, der ihm seinen Wagen entwenden wollte, erschossen worden war, ohne daß es bisher gelang, den Mörder zu ermitteln.
Ein Festtag der Mainkur.
Unzählige Glückwünsche zu Arthur von Weinbergs 70. Geburtstag.
Wenn Arthur von Weinberg gestern den Auftakt zu den Feierlichkeiten des 70. Geburtstages in Fechenheim, im Werk Mainkur zuerst erklingen ließ, so zeigt uns dies, wie sehr ihm die Stätte seines nahezu 30 jährigen Wirkens ans Herz gewachsen ist. Manch schöne Erinnerung mag heute dem alten Herrn aufsteigen an die Tage seines ersten Schaffens auf der Mainkur, als er kaum 23 jährig — im Jahre 1883 — mit jugendlichem Temperament in die Räder griff, um dem von seinem Onkel Dr. Leo Gans ins Leben gerufenen Werk, der Äinilinfarben- fabrik Leopold Castella & Co. Geltung in der Welt zu verschaffen, wozu den Wissenschaftler hohe Geistesgaben befähigten. Eine endlose Kette von Erfolgen führten den jetzt greisen und doch so jugendlichen Chemiker auf eine Höhe, aus der zu wandeln nur wenigen Sterblichen vergönnt ist.
Fechenheim darf nicht vergessen, daß das rasche Aufblühen zu einem so bekannten Jndustrieort in erster Linie dem schnellen Aufstieg des chemischen Werkes auf der Mainkur zu verdanken ist. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde vor etwa 20 Jahren Herr Arthur von Weinberg unter der damaligen Fechenheimer Gemeindeverwaltung zum
ersten und einzigen Ehrenbürger Fechenheims
ernannt. Dieser Ehrung geigte sich der Ausgezeichnete würdig, vieles Gute verdankt ihm heute Fechenheim. Das Kinderheim auf der Mainkur gibt sin beredtes Zeugnis von der edlen Gesinnung A. v. Weinbergs und seiner ebenso hochgesinnten Gattin Frau Willemine von Weinberg. Jene stets um das Wohl anderer Menschen so sehr besorgte Frau, die es sich nicht nehmen läßt, selbst hinabzusteigen zu den Kranken und Gebrechlichen, für die sie immer ihre helfende Hand bot. Auch sie, denen sie heiße Tränen trocknen half, werden sich an dem Tag der Freude ehrlich mit ihr gefreut und in Dankbarkeit ihrer gedacht haben. So wurde gestern in verschiedenen Reden, besonders von Direktor Dr. Begda und von Prof. Drevermann, die von dem edlen Genius sprachen, der über den Geschicken des Hauses Buchenrode walte, ihrer Verdienste höchst ehrenvoll gedacht. Auch der Gefeierte selber sprach mit von Liebe und Verehrung getragenen Worten von seiner Lebensgefährtin, die stets befruchtend auf feine Arheiten einwirkte.
Die Feier im Werk Mainkur.
Selbst der Himmel hatte gestern nach wochenlangen Regenfällen ein Einsehen; er zeigte sich von der besten Seite, als der Wagen des Herrn von Weinberg mit Gemahlin gestern früh kurz vor 9 Uhr am Kasino des Werkes Mainkur vorfuhr. Auch der greise Geh. Kommerzienrat Dr. Leo Gans, der Nestor der deutschen Chemiker und der Bruder Carl von Weinberg nebst Gemahlin trafen gleichzeitig ein. „Die Himmel rühmen", intoniert von einem Orchester des Musikvereins „Vorwärts", vorwiegend aus Angehörigen des Werkes zusammengesetzt, hallte feierlich unter der Leitung I. Rupperts durch den mit Tannengrün geschmückten Festsaal.
Direktor Dr. L. Benda würdigte in einer treffend angelegten Festrede die Verdienste des jetzt Siebzigjährigen, der schon als junger Student in Straßburg und später in München die besondere Aufmerksamkeit seiner Professoren auf sich lenkte. Nach seinem Eintritt in die Praxis begann für ihn eine Aera der Erfindungen. Eine große Reihe von Arbeiten über wissenschaftliche Dinge, die eine erstaunliche Vielseitigkeit erkennen ließen, schrieb A. v. Weinberg; doch wurde davon nur ein Teil in Druckschriften wiedergegeben; der weitaus größte Teil wurde nicht publiziert. Von tiefschürfendem Wissen zeugen eine große Zahl Berichte, die in fachwissenschaftlichen Zeitungen erschienen sind. Seine Erfolge in der Therapeutik und Naturwissenschaft sprechen für sich, während seine Vorträge, besonders im Kreise der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft die Hörer ob seines vielseitigen Wissens immer erneut in Erstaunen versetzte.
Während Dr. Benda im ersten Teil seiner Rede den Chemiker, den Wissenschaftler Arthur von Weinberg beleuchtete, befaßte er sich im zweiten Teil mit dem nun Siebzigjährigen als Chef und Mensch, als welcher er ein hohes Maß von sozialem Verständnis zeigt für das ihm heute wohl alle Arbeiter und Mitarbeiter Dank zu sagen misten. Dabei gedachte er auch der Errichtung des Castellaheims, als ein Werk der unermüdlichen Philantropin Frau Willemine von Weinberg. Noch erinnerte der Redner an die großen Verdienste des anwesenden Bruders Carl von Weinberg und feines Onkels Dr. Leo Gans und verknüpfte damit den Wunsch, daß den Freunden deutscher Kultur und deutschen Geistes dieses Dreigcstirn noch recht lange
leuchten möge. Damit enthüllte er als Geburtstagsgabe der gesamten Beamtenschaft des Werkes Mainkur die von dem Bildhauer Ernst von Zschock geschaffene Bronzebüste, ein treffliches Brustbild des Geburtstagskindes.
Als nächster der Gratulanten sprach derBetriebsrats- vorptzende I. Krug. Dieser Dank, schlicht und gerade vorgetragen durch den Mund eines Arbeiters, der für die gesamte Belegschaft sprach, machte sichtlich tiefen Eindruck auf den Gefeierten, der darin eine Anerkennung sah für all das was er oft nach schwierigen Verhandlungen für die Arbeiter erreichte. Auch Frau von Weinberg schloß er in seine Dankesworte din und gab dem Wunsch Ausdruck, daß beide zum Segen des Werkes Mainkur noch recht lange erhalten bleiben mögen. Für den An ge stellten rat gratulierte D r. v. Müller, der betonte, daß es besonderen Dankes gebühre, daß Herr von Weinberg, für das Wohl der Angestellten besorgt war, stets eine feine Gesinnung, die Gesinnung des alten Castellageistes mitbrachte. Dafür zu danken ist ehrenvolle Pflicht. Daß nach dem großen Zusammenschluß, nach dem Ruf nach Rationalisierung der letzten Jahre das Werk Mainkur erhalten wurde, ist lediglich der Initiative des Herrn A. v. Weinberg zu danken. Möge er sein umfassendes Wissen noch recht lange in den Dienst der Menschheit stellen zum Besten seines Werkes auf der Mainkur. Eine Dank- und Glückwunschadreste der gesamten Arbeiterschaft übergibt sodann mit warmen bewegten Worten der Vorsitzende des Arbeiterrates I. Krebs. Auch die Angestellten des Frankfurter Büros in der Feuerbachstraße ließen in herzlichen Worten durch ihren Beauftragten Herrn Erich Beyer gratulieren. Zwei Pfleglinge des Castellaheims, ein Knabe und ein Mädchen bringen Blumengrüße aus dem Heim und einen sinnvoll gereimten, kindlichen Glückwunsch.
Der Dank des Gefeierten.
Mit den Merkmalen innerer Ergriffenheit nimmt Arthur von Weinberg das Wort, um für die üherwältigenden Huldigungen zu danken. Einfachheit und Bescheidenheit, die meist großen Menschen eigen ist, zeichnet auch diesen Mann nicht nur äußerlich, sondern auch in seiner Gesinnung aus. Er betont, daß es ihm von jeher fern gelegen habe, irgeitd etwas zu tun, um damit Beifall zu erringen. Man könne nicht seine Taten feiern, ohne der Taten derer zu gedenken, die jahrein, jahraus ihrer Pflicht in den Betrieben Nachkommen. Me hätte er seine Werke vollenden können, ohne die Tat des pflichtgetreuen Arbeiters. Sehr treffend prägte der Redner den Satz „daß wahre Weisheit aus dem Herzen kommen muß". Was das Werk Mainkur angehe, so stehe dies heute auf festen Füßen. Die geäußerten Bedenken seien nicht berechtigt; wohl habe man Einschränkungen vornehmen müssen, die aber unvermeidliche Folge der Abnahme des Konsums und der Rationalisierung gewesen seien. Noch der Mithilfe seines jetzt 88 jährigen Onkels, der ihm zum Vorbild wurde und seiner unermüdlichen Gattin gedenkend, dankte er für alle Gratulationen und bat, die Büste im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes aufstellen zu lasten. Zur Erinnerung an den. Tag werde jedem Arbeiter des Betriebes ein kleines Geldgeschenk je nach der Länge der Dienstzeit ausgehändigt, als kleine Beihilfe im jetzt so schweren Daseinskampf. Alle die dazu beigetragen haben, dem großen Werk förderlich zu fein, möge das Gefühl beseelen, einem ganzen Land gedient zu haben, dem geliebten deutschen Vaterland! Rauschender Beifall folgte diesen mit innerer Bewegung gesprochenen Worten.
Aus Ansaß der Zugehörigkeit als Offizier des ehemaligen 4. bayrischen Chevaulegersreaiments Augsburg spielte das Orchester den Parademarsch dieses Regiments, der freudestrahlend von dem Gefeierten und der festlich gestimmten Menge angehört wurde. Der Ehrendirigent I. Ruppert durfte den persönlichen Dank des Herrn von Weinberg entgegennehmen. Damit fand die eindrucksvolle Feier auf der Mainkur ihr Ende.
Aus der Reihe der Geschenke, die im Saal ausgestellt waren, fiel noch besonders eine umfangreiche Mappe mit Leder- prägung mit ganz reizenden Aufnahmen aus der Natur- und Vogelwelt unserer näheren Umgebung auf, eine Geburtstagsgabe der Vereinigung für Vogel- und Naturschutz. Die Fechenheimer Rudergesellschaft 1910 bezeugte ihren Dank an den hohen Gönner, dessen Wanderpreis alljährlich auf der hiesigen Strecke ausgefahren wird, durch eine kunstvoll gefertigte lederne Schreibmappe, die auf ihrer Außenseite das Fechenheimer Wappen in buntem Lederschnitt trägt.
Ein beabsichtigter Anschlag gegen Stalin?
Paris, 10. Aug. (Frkf. Ztg.) Die Pariser Blätter veröffentlichen aus Moskau stammende Nachrichten, wonach dort ein Komplott gegen Stalin aufgedeckt worden sei. Eine Anzahl Offiziere des 18. Artillerie-Regiments, von dem die Bewegung ausgegangen fei, soll bereits verhaftet worden sein.
Meldungen aus denselben Quellen zufolge, soll der Metropolit der ukrainischen Kirche,. Primien, von Agenten der G. P. U. verhaftet und in Moskau ins Gefängnis geworfen worden fein.
Echo der Rede Treviranus in Paris.
Paris, 11. Aug. Die gestrige Rede des Reichsministers für die besetzten Gebiete, Treviranus, in der er von den Brüdern in Eupen und Malmedy, im Saargebiet und im polnischen Korridor sprach, hat hier sinen wahren Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Diese Gemütswallung ist aber vorgestern nur in den Ueberfchriften der Zeitungen zum Ausdruck gekommen, die sich mit der ausführlichen Wiedergabe der Rede begnügen. Das nationalistische „Echo de Paris" nimmt redaktionell Stellung und spricht in seiner Ueberschrift von einer Revancherede. Für Briand, so schreibt das Blatt, habe jetzt zweifellos die Stunde geschlagen, Deutschland daran zu erinnern, daß im Rahmen der Locarno-Verträge oder vielmehr der Auslegung, die diesen Verträgen gegeben worden sei, solche Reden nicht am Platze seien, weil sie eine Drohung mit einer Gewaltaktion enthielten.
Endlich Regensälle in Amerika.
New Port, 11. Aug. Nach einer ungewöhnlich langen Periode katastrophaler Trockenheit sind endlich in sieben der betroffenen Staaten die ersehnten Regenfälle eingetreten. In New Port ist ein erheblicher Temperatursturz zu verzeichnen. Die Wettervoraussagen geben zu der Haftung Anlaß, daß in einigen Tagen die Trockenheit allgemein überwunden sein wird.
Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten.
New Pork, 10. Aug. Die Zeitung „World" veröffentlicht ein längeres Interview mit Prof. Perfons, dem Mitarbeiter an der kürzlichen Bundesarbeitslosenzählung. Dieser erklärte, die bei der Zählung befolgten statistischen Methoden als irreführend. Beispielsweise seien die infolge von Vetriebseinschrän- kungen entlassenen Arbeiter nicht mitgezählt worden. Hieraus resultiere die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Höhe von 2 Millionen, während tatsächlich eine Zahl von 5 Millionen als zutreffend zu erachten sei.
Lokales.
Fechenheimer Angelegenheiten.
-st Hallenschwimmbad Ost, Frankfurt a. M. - Fechenheim. Das Hallenschwimmbad Ost, Ffm.-Fechenheim, wurde im Monat Juli von insgesamt 4842 Personen (Vormonat 5558 Personen) besucht. Gesamtbesucherzahl seit dem Tage der Eröffnung (24. August 1929) 78 441 Personen. Vergleichsweise Besucherzahl im Schwimmbad Innenstadt vom Monat Juli 39 349 (Vormonat 40523) Personen.
öä Das Geburtstagsgeschenk. Allen Arbeitern und Pensionären des Werkes Mainkur wird als Geburtstagsstfftung des Herrn Geheimrats von Weinberg ein nach Beschäftigungszeit gestaffelter Geldbetrag ausgezahlt.
* Vibelstunde. Heute abend }49 Uhr Volksmission und Bibelstunde im evangelischen Gemeindehaus. Herr Stadtmissionsinspektor Schöpwinkel. Jedermann herzlich eingeladen.
Neues aus Frankfurt.
G Stillegung der Peters-Union-Werke. Wie die Frankfurter Zeitung berichtet, soll ab 20. September d. I. das Peters- Union-Werk stillgelegt werden, diese Maßnahme werde sich voraussichtlich zu Gunsten des Corbacher Werkes auswirken, das sowohl nach der fabriktechnischen als auch nach der verwaltungs- tcchnifchen Seite hin weiter ausgebaut werden soll. Diese Stilllegung ist außerordentlich bedauerlich und angesichts der Verhältnisse in Frankfurt recht schmerzlich.
— Die Deutschnationalen. Nachdem Stadtverord. Dr. Schnorr es bereits abgelehnt hat, der Aufforderung des Vorstandes der Deutschnationalen Volkspartei, fein Mandat niederzulegen, Folge zu leisten, hat nunmehr auch Stadtverord. Nagel die Forderung der Partei abschlägig beschieden.
Sauere Gurken.
Wer es noch nicht weiß: Wir sind in der saueren Gurkenzeit, d. h. in einer Zeit, in der — wie man so oberflächlich sagt — „nichts los ist".
Ja, oberflächlich sagt man das; denn eine sauere Gurkenzeit in diesem Sinne gibt es nimmer, weil immer etwas los ist. Es