Es hat mich weiterhin nicht wenig überrascht, in dieser Selbstdarstellung auch schon alles enthalten zu finden, was dieser Tage in den Zeitungen und auch heute von so manchem Redner an Ihnen gerühmt wurde: neben der wissenschaftlichen Exaktheit die umfassende Allgemeinbildung, den stark ausgeprägten Zug ins Philosophische, die lebhaft drängende künstlerische Phantasie und die weit über den Durchschnitt gehende musikalische Neigung und Befähigung, sodaß man wohl sagen könnte, diese Urkunde sei der erstaunlich früh und genau umrissene Rahmen, den Sie im späteren Leben nur reicher ausfüllten. Es ist kaum ein neuer Wesenszug hinzugekommen, keiner ist in dem heute deutlich ausgeprägten Bilde weggeblieben. Und wenn Sie bescheiden und stolz zugleich gegen Schluß schreiben: „Mein Streben soll dahin gehen, dem Vaterlande, der Menschheit zu dienen, etwas zu leisten für deren künftiges Glück, mit einem Worte, ein würdiges Glied der menschlichen Gesellschaft zu werden", so haben Sie sich damals wahrhaftig kein geringes Ziel gesteckt; aber es darf Sie mit tiefster Befriedigung erfüllen, durch das öffentliche Urteil heute einhellig bestätigt zu finden, daß der Mann geleistet hat, was der Jüngling sich einst gelobte.
Für eine Bildungsanstalt aber, und ich darf das im Andenken an Ihre früheren Lehrer, besonders an meinen vorletzten Amtsvorgänger, Ihren damaligen Direktor Geheimrat Dr. Eiselen, sagen, gibt es nichts Beglückenderes als das Gefühl, daß die stille Arbeit der Schule auch vielleicht einen kleinen Baustein zu dem aufsteigenden Lebenslauf eines führenden Mannes beigetragen hat, führend nicht nur in seiner Vaterstadt, sondern auch in seinem Vaterlande und in der Welt.
Und so übergebe ich Ihnen denn im Aufträge der Musterschule und des Musterschul Vereins diese kleine Aufmerksamkeit mit der Bitte um freundliche Entgegennahme und verbinde damit zugleich die herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem Geburtstage und die besten Wünsche für ein gesegnetes ferneres Wohlergehen.