Jenckenbergische Naturforschende Gesellschaft.

Frankfurt a. M., Mai 1910.

Viktoria-Allee 7.

Sehr geehrter Herr!

Seit der Entdeckung des Malaria-Parasiten und der Erkenntnis, daß seine Übertragung ausschließlich durch Stechmücken aus der Gattung Anopheles erfolgt, hat die Bekämpfung des Wechselfiebers große Fortschritte gemacht. Nun ist die Malaria zwar vorzugsweise in den tropischen und subtropischen Ländern heimisch; aber auch in Deutschland fehlt sie nicht. Nach der Kranken­hausstatistik betrug die Zahl der jährlich in Krankenhäusern an Malaria behandelten Personen um « 1900 herum durchschnittlich 1000. Die Gesamtzahl der vorgekommenen Fälle wird sehr wahrscheinlich viel größer sein; aber das vorhandene Zahlenmaterial gibt hierüber keine Auskunft. Aus anderen Quellen ist bekannt, daß es auch bei uns in Deutschland endemische Malariaherde gibt, so z. B. in dem Marschgebiet in der Nähe der Küste ist doch in Norddeutschland sogar der Name »Marschfieber« im Gebrauch. Wir kennen solche Herde den Rhein hinauf bis ins Unterelsaß, bis in die Rheinsümpfe zwischen Kehl und Straßburg. Wir kennen zwei solcher Herde in Thüringen, und in Wilhelmshafen und in den deutschen Marschbezirken an der Nordsee zeigt sich eine deutliche Zunahme der Malaria-Erkrankungen in den letzten zehn Jahren.

Da die Verbreitung der Malaria die Anwesenheit der Anopheles -Mücke voraussetzt, über deren Vorkommen in Deutschland aber noch sehr wenig bekannt ist, sie ist in Aachen, bei Kassel, in Thüringen, im Schwarzwald, bei Leipzig, auf Rügen und an der Nordseeküste gefunden worden so erscheint eine Feststellung der Verbreitungsgebiete jener Culiciden sehr wünschenswert.

Der Unterzeichnete, der im Aufträge der Senckenbergischen Gesellschaft mit einer Zu­sammenstellung der Fundorte beschäftigt ist, wendet sich daher an alle Forscher und Sammler mit der Bitte, ihn hierbei durch Angaben über das Vorkommen von Anopheles zu unterstützen.

Erfahrungsgemäß wird der in Deutschland am meisten verbreitete Anopheles maculipennis ,sehr oft mit dem sehr ähnlichen Culex annulatus verwechselt; die Fundortangaben sind deshalb , meist nur dann zuverlässig, wenn die Stechmücken von einem Kenner der Culiciden bestimmt sind. In allen Fällen, in denen die Bestimmung nicht vollständig sicher ist, ist die Übersendung der verdächtigen Mücken empfehlenswert. Am einfachsten werden die Tiere in yo°lo Alkohol in Glastuben als »Muster ohne Wert« verschickt. Einer Beschädigung durch die in der Flüssigkeit herumspielenden Luftblasen wird leicht dadurch vorgebeugt, daß man einen dichten Wattepfropfen so in den Alkohol einschiebt, daß sich unter der Watte keine Luftblasen mehr befinden.

Es scheint beobachtet worden zu sein, daß die 7 l/ 70 p/ 7 e/es-Mücke mitunter in Ställen und Kellern, besonders in Schweineställen überwintert, und daß sie nicht nur am Menschen, sondern auch am Schweine Blut saugt. Um diese Beobachtungen zu bestätigen, ist die Untersuchung des Mageninhaltes überwinternder, aber auch anderer Mücken notwendig, um festzustellen, ob da­rin Schweineblut-Elemente vorhanden sind.