Dr. Kobelt und seine Betätigung zur geistigen Hebung
unseres Volkslebens.
Unter den Männern, die sich in unausgesetzter und hervorragender Weise auf dem Gebiet des Volksbildungswesens betätigt haben, steht Dr. Kobelt an erster Stelle. Schon im Jahre 1866 gründete er als junger Arzt in Biedenkopf den „Humboldtverein“, der sich der Pflege der Volksbildung, hauptsächlich aber der Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse zur Aufgabe gestellt hat. Dadurch kam er in innigen Verkehr mit dem Vater des organisierten Volksbildungswesens in Deutschland, dem Privatgelehrten Emil Adolf Rossmässler in Leipzig, und Dr. Kobelt wurde von da an eifriger Mitarbeiter an Rossmässlers volksbildenden Zeitschriften und allen Bestrebungen zur Förderung des Volksbildungswesens. Anfangs der 70er Jahre gründete er in Schwanheim den Fortbildungsverein dessen Seele er war. Es wurden öffentliche Vorträge und Diskussionsabende veranstaltet, ein Schulgarten wurde angelegt und der älteren Schuljugend darin naturkundliche Belehrungen erteilt. Auch regte er die Gründung von Volksbildungsvereinen in einer Reihe von Orten des unteren Maintales an, und unermüdlich war er als Redner in diesen Vereinen tätig. Oft war er an 4 Abenden der Woche als Volkslehrer unterwegs. Auch in den Lehrervereinen der benachbarten Bezirke veranstaltete er naturkundliche Vor- tragskurse. Leider wurde er durch zunehmende Berufs- und wissenschaftliche Arbeit gehindert, die Leitung dieser vorbildlichen Volksbildungsvereine dauernd in Händen zu behalten. Ein Nachfolger, der mit der gleichen Arbeitslust die Kenntnisse der geistigen Bedürfnisse unserer heimatlichen Landbevölkerung verbunden hätte, fand sich nicht, und so gingen diese Vereine bis auf wenige nach und nach wieder ein. Als aber die von Flesch und Opificius in Frankfurt im Jahre 1800 gegründete neuere Volksbildungsbewegung ins Leben trat, und neue Begeisterung für die Volksbildungssache entfachte, schloss sich ihr Kobelt wieder an. Er gründete in Schwanheim den Ausschuss für Volksvorlesungen; von neuem begann seine Vortragstätigkeit und als sich die ähnlichen Vereinigungen, die Ende der 90er Jahre in einer Reihe von Städten und Dörfern in der näheren Umgebung Frankfurts entstanden waren, zu einem Verband zusammenschlossen, waren alle darin einig, dass Dr. Kobelt den Vorsitz dieser Vereinigung übernehmen müsste. Unter seiner j
Leitung sind allmählig im weiteren Verkehrsgebiet von ■
Frankfurt 600 Leute als geistige und materielle Stützen für 5
die Volksbildungsarbeit zusammengetreten und 200 Vereine mit i
vielen tausenden von Mitgliedern reihen sich diesem engeren »
Kreise persönlicher Mitglieder des Verbandes an. Sein Ver- j
dienst ist es, dass dieser Verband eine durch Berufsarbeit :
geleitete Geschäftsstelle hat; seinem weitgehenden Einfluss »
namentlich ist es zu verdanken, dass genügende Geldmittel S
beschafft wurden, um die Volksbildungsarbeit im Rhein- :
Maingebiet auf längere Zeit hinaus sicher zu stellen und sie »
so vor dem Schicksal der früheren Volksbildungsbewegung [
zu bewahren. So sehen wir in Dr. Kobelt'den besten Förderer ;
und die feste Stütze des neueren organisierten Volks- »
bildungswesens in Hessen, Nassau und den angrenzenden S
Gebieten, wie es sich im „Rhein-Mainischen Verband für :
Volksbildung“ darstellt. »
Die Bestrebungen des Verbandes wurden namentlich auch »
dadurch gefördert, dass er die von ihm früher schon ge- i
gründeten „Gemeinnützigen Blätter“ dem Verband für seine ■
Veröffentlichungen zur Verfügung stellte, dass er einen ■
Mineralienaustausch unter den Mitgliedern und sonstigen i
Freunden des Rhein-Mainischen Verbandes leitete. Ausser- »
dem war er in der Lage, manchem der sich in Fragen seiner »
persönlichen Geistesbildung an ihn wandte, mit seinem Rat »
brieflich oder durch mündliche Aussprache zu dienen. ;
Auch seine nimmermüde Feder stellte er derVolksbildungs- >
arbeit zur Verfügung. Nicht allein, dass er in den „Gemein- i
nützigen Blättern“ manchen Aufsatz mit guten Anregungen ge- i
schrieben hätte, auch Rossmässlers schöne Programmschrift ■
für die naturkundliche Volksbildungsarbeit, „Das Gebirgs- »
dörfchen“ wurde in der Sammlung „Die Volkskultur“ (Leipzig, ■
Quelle und Meyer) von ihm neu herausgegeben, und mit ■
einem prächtigen Vorwort eingeleitet. Für die neue populär- »
wissenschaftliche Schriftensammlung „Aufwärts“ (Frankfurt, :
E. Grieser) hat er bereits ein Bändchen über „Die alten -
Flussläufe in Deutschland“ geschrieben, und weitere wert- !
volle Beiträge zugesagt. Abhandlungen über die Menschen- :
rassen, die Völkerstämme Europas, die Völkerstämme Asiens, j
sowie Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Reisen u. a. i
werden in dieser Sammlung erscheinen. ;