vormals

Mittelrheinische Zeitung.

Donnerstag, 23. Juli 1908.

* Zesuitenmoral.

Der Geist Spectators geht um des treff- I lichen Mannes, der imWiesbadener VolkS- blatt" nach berüchtigten Mustern die Katholiken zuProbabilisten erzieht und heuchlerische politische Handlungsweise nach dem Moralgrundsätzen Ignaz von Loyolas heilig spricht. Mit Herrn Spectator werden wir uns morgen noch ein Viertelstündchen mit Rücksicht auf unsere Spezialzwecke beschäftigen. Für heute wollen wir nur feststellen, daß Spectators Geist auch in derKölnischen Volkszeitung" Herrschaft er- | langt hat.

Der Leser weiß, daß der sozialdemokratische ! Vertreter für Speyer, Ehrhardt, gestorben ist; es ist sonach eine Neuwahl nötig. Bei dieser könnte ein Vertreter des Bürgertums geivählt werden, wenn die Bürgerlichen zusammenhielten. | Die in Betracht kommenden Zahlen sind folgende.

Es erhielten Stimmen:

Nationalliberale Zentrum Sozialdemokraten

1890

11467

6 088

6 993

1893

12 510

6130

7 433

1868

6 707

6 666

12 M3

1903

6 690

8 095

16 564

1907

13 708

8164

18 639

Im Jahre

1603 hatte

der Bund der,

wirte einen eigenen Kandidaten aufgestellt, der 14 745 Stimmen erhielt.

Die bürgerlichen Stimmen zusammen er- geben die Sunrme von beinahe 22 OM, während der Sozialdemokrat es nur auf 18 6M Stimmen gebracht hat. Dabei kommt in Anschlag die außerordentliche Beliebtheit, deren sich der ver- j storbene Ehrhardt erfreute. Kein anderer Sozial­demokrat wird diese Stimmenzahl erreichen.

Aus der von uns gebrachten Tabelle ergibt sich klar, daß unter den bürgerlichen Parteien daS Zentrum die schwächste ist; es stand 1607 um nicht weniger als 6 6M Stimmen hinter den Nationalliberalen zurück; die in Betracht kom­menden Bündlerstrmmen sind nationalliberal, wie sich aus dem Vergleich von 1903 und 1607 ergibt.

Nun muß man hören, wie dieKölnische IV e l k s z e i t u n g" die wahlpolitische Situation I aussaßt; sie schreibt:

Aus diesen Zahlen seht zunächst hervor, bah die Sozialdemokratie im ersten Wahlgange den Kreis nicht halten kann, wenn die nicht sozialdemokratischen Wähler zahlreich abstimmen; es steht aber ebenso fest, daß es den bürgerlichen Parteien gelingen kann, mit vereinten Kräften den Kreis zu erobern. Ein Teil der Presse fordert dies auch für die Ersatzwahl. Am rätsel­haftesten stellt sich hierbei dieTägliche Rundschau", indem sie das Zentrum angreist und die Sache so dai- stellt, als hätte das Zentrum die Verpflichtung, das Mandat den Rationalliberalen zu verschaffen. So liegt nun die Sache absolut nicht; wenn vielmehr Speier an eine bürgerliche Partei zu< rückfallensoll, sokannesnurandasZen,

aufschlag von der nationalliberalen Presse werden kann, das Zentrum habe diesen Kreis sturzpartei ansaeliesert, damit nicht auch bei kanzler diese Mär wiederholt. Wenn es letzt seinem Kampfe gegen dieGenossen" so bit ist, wie er es im Reichstage darstellt, dann seinen ganzen Einfluß auf die Nationallibei sonders au; den in der Nähe von Speier tt Abgeordneten Basiermann, aufwpnden, um veranlassen, sofort für das Zentrum einzutr

Man ist ja in der Zentrumspresse oO an manches gewöhnt worden das ist at doch das stärkste Stück jesuitischer Diale! uns vorgekommen ist. Es gibt doch in schen Leben eine gewisse aus Tradition, und Gerechtigkeit erzeugte Norm, nach i wahlpolitisch verfährt. Als eine solch verständliche Norm wird es angesehen, den Konkurrenzen der Parteien diesen Vortritt hat, die r e l a t i v die meisten auf sich vereinigt. Es ist dies ein Grün! Selbstverständlichkeit und Billigkeit. D trum aber schaltet diesen Grundsatz aus u wir haben zlvar die Minorität- aber die der Majorität ist es, für uns zu ftimmei der Sozialdemokrat matt gesetzt wert Tut ihr das nicht, so fällt der Wahlkreis Sozialdenwkraten, denn wir vom £ stimmen in der Stichwahl unter kein ständen für den Nationalliberalen. Dies« mentation ist brutal, aber sie läßt sich bei energischer Gewissenspressung und E una einer gewissen Dosts politischer Bosh« nicht rechtfertigen, aber verstehen.

DieKöln. V o lk s z e i t u n g" a ihrer brutalen Machtpolitik die Krone jes Dialektik auf, indem sie behauptet, daß, >i Nationalliberalen nach diesem Rezept ni fahren, sie für dieAuslieferui Wahlkreises an die Sozial! kraien moralisch verantwo gemacht werden müssen.

Das ist denn doch das stärkste an pc Rabulisterei, was wir erlebt haben: die dem Feind ausliefern und dann die a n beschuldigen, daß sie am schmählichen schuldig sind!

So erzieht man das Volk zur Po Heuchelei. Mit dem katholischen Kate« in der Hand, der von derEinen Sitt predigt, treibt man unsere ahnungsloser tischen Mitbürger dem Vertreter der Rei und des Atheismus in die Arme. O. Spectator, was bist Du für ein Stümpe die Moraltheolügen derKölnischen zeitung". Nun, wir glauben an ei geltung; darum wird auch der Tag kann dem über diese frivole Gesellschaft ein fm Gericht hereinbrechen wird: an ihrem * Strick jesuitischer Dialektik wird sie au werden.