»

Aufruf

zu einer Ehrung Georg v. f4eumayers

bei der Vollendung seines 80sten Lebensjahres.

Am 21. Juni 1906 vollendet Georg von Neumayer sein 80. Lebensjahr. Geziert mit all den Ehren, welche die Mächtigen der Erde und die wissenschaftlichen Körperschaften zu verleihen haben, konnte sich der grosse Gelehrte aus seinem überaus erfolgreichen Wirkungskreis an der Deutschen Seewarte zu Hamburg vor einigen Jahren ins Privatleben zurückziehen, ln seiner heimatlichen Provinz, der bayerischen Rheinpfalz, hat er sich das prächtig gelegene Neustadt a. d. Hardt zu seinem Wohnsitz auserkoren.

Aber nicht der wohlverdienten Ruhe pflegt er dort, nein, in ungeschwächter Leistungs­fähigkeit und staunenswerter Frische des Körpers und des Geistes dient er unausgesetzt der Wissen­schaft und findet, wie immer in seinem Leben, Befriedigung nur im Ernste wissenschaftlichen Strebens. Die Veröffentlichung von bedeutsamen Ergebnissen eigener Forschung sowie die Heraus­gabe einer dritten Auflage seines Sammelwerkes:Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen bringt ihn der Gelehrtenwelt fortwährend in frische Erinnerung. Seiner geliebten Heimat, der Rheinpfalz, bildet er als Ehrenpräsident des altehrwürdigen naturwissenschaftlichen Vereins Pollichia einen Mittelpunkt für alle höheren geistigen Bestrebungen. In Schrift und freier Rede wirkt er hier unausgesetzt für die Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse.

So konnte es nicht unterbleiben, dass man in den Neumayer nahestehenden Kreisen der Rheinpfalz die Anregung zu einer festlichen Begehung seines 80. Geburtstages gegeben hat. Die Tage vom 16. und 17. Juni 1906 sind bereits dafür bestimmt. Aber weit über die Grenzen seiner heimatlichen Provinz hinaus hinweg über die Ozeane, die er durchsegelt und durchforscht hat, ist sein Name gedrungen an alle Stätten wissenschaftlichen Strebens. Lieberall auch, wo Seeschiffe [Anker werfen und ihre Segel spannen, wird man sich dankbar der praktischen Erfolge bewusst, [welche v. Neumayer der Seefahrt zu sichern verstand.

I Wenn es gilt, den hochverdienten Mann der Wissenschaft und Förderer der Seeschiffahrt

[bei Erreichung des Psalmistenalters zu ehren, werden deshalb weite Kreise dem Aufrufe zustimmen; |m ganzen deutschen Lande und darüber hinaus werden sich Männer finden, die Verehrung und Dankbarkeit für Georg v. Neumayer hegen und an seiner Jubelfeier gerne Anteil nehmen wollen, wenn wahrlich auf ein reiches Leben darf der Jubilar im Silberhaar zurückblicken.

1 Schon frühe sah sich der Sohn der sonnigen Pfalz er, der Binnenländer durch seine kbhafte Neigung für das Meer und die fremden Länder aus den engen Grenzen des damaligen Deutschland hinausgeführt in die grosse Welt; denn die Hochherzigkeit König Maximilians II. von layern hatte ihm die Möglichkeit eröffnet, diesem Wunsche zu folgen. Er lernte dabei den Seedienst Ion Grund auf kennen und studierte zugleich die nautischen Wissenschaften in praktischer An­wendung. Mit welchem Erfolge, das zeigte sich schon von 1856 an, als ihm abermals die könig- he Unterstützung zur Reise nach Australien verhalt. Zwar sollte der australische Aufenthalt nur rzere Zeit in Anspruch nehmen und der Ausführung gewisser Arbeiten auf dem Gebiete der Erd- lysik dienen; aber aus dem vorgesehenen kurzen Aufenthalte ward ein lange dauernder, und