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Handels-undZndustrie-Zeiiung/AlpmeundSport-Zeitung/Theaier-undKunst-Chronik

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S./9.

1922

Knorr & Hirth «.«.».». München

25. Jahrgang Nr. 151

WiMges vom Tage

Geheimer Kommerzienrat Heinrich v. Dall' Armi, der hochherzige Stifter des Bürgerheims, ift in München gestorben.

Die Sachverständigenkommission der deutschen Industrie befürwortet die Schaffung einer Rcichseisenbahn-A.-G.

Der Patzst hat anläßlich der Konferenz von Genua ein bedeutsames Schreiben an den Bi­schof von Genua gerichtet.

Nach Meldungen aus Helstngfors bereitet die Sowjetregierung für den Fall des Mißlingens der Genueser Konferenz eine militärische Offen­sive vor.

Der dänische Arbeitskonflikt ist nach einer Einigung zwischen Arbeitgebern und -nehmern beigelegt.

Lloyd George bei pomratt

Eigene Drahtmeldung

1l7. Paris, 8. April

Ter englische Ministerpräsident Lloyd George traf um 5 Üyr 30 nachmittags auf dem Norü- vahnhos ein, begleitet von Schatzkanzler Sir Robert H o r n e und Kriegsminister K o r - tyington-Evans. Der Aufenthalt von einer Stunde galt der Besprechung mit dem französischen Ministerpräsidenten, die im Eisen­bahnwagen selbst stattfand. Es nahmen an ihr srarrzöflscherseits Poincarö, Barthou und deüa Rocca teil. Um 6 Uhr 35 reiste Lloyd George nach Genua weiter. Ueber die Unterredung sind amtliche Mitteilungen nicht gemacht worden. Trotzdem versuchen die Pariser Blätter, wie es ihre Gewohnheit ist, alle möglichen Angaben über den Gegenstand der Unterredung z>l machen. In geschickter Weise wird Eindruck zu erwecken versucht, als habe Poincarö wiederum einen Sieg davongetragen, indem es ihm gelun­gen sei, Lloyd George weitere Zugeständnisse zu entreißen. In drei Fragen sei man einig: Ueber die bestehenden Beiträge dürfe in Genua nicht gesprochen werden, die Wiederherstellungsfrage könne nicht einmal berührt werden und selbst wenn über die Abrüstung des Roten Heeres in Rußland gesprochen werde, dürfte dabei in kei­ner Weise die Frage der allgemeinen Abrüstung oder der Einschränkung der Rüstungen aufge­worfen werden.

Eine interalliierte vorbereitende Konferenz der Hauptmächte würde in Genua stattfinden. Lloyd George habe nach demOeuvre den Ber- such gemacht, daraus einen ständigen Rat der Großmächte zu entwickeln, dem auch Deutschland angehören solle, und dessen Aufgabe darin bestehen würde, die Verhandlun­gen zu leiten. Darauf soll Poincars geantwor­tet haben, es scheine ihm unmöglich, die Dele­gierten der verbündeten Nationen und die eines Landes, gegen das die Entente leicht gezwungen sein könnte, Zwangsmaßnahmen zu ergreifen, aleichzustellen. Nach demPetit Parisien" soll Poincars gesagt haben, der Vertreter Deutsch­lands könne an derartigen Beratungen nicht teilnetzmen, weil augenblicklich Deutschland im Wiederherstellungsausschuß mit den Verbünde­ten in Verhandlungen stehe und diese Verhand­lungen mit einem Bruch enden könnten.

Eine weitere Meinungsverschiedenheit soll sich auch über die Frage der Begrenzung der Ab­rüstungsfrage ergeben haben. Es scheint, daß Lloyd George in dieser Frage seine Gedanken nicht vollkommen entwickelt hat. Auch in der Frage der interalliierten Schulden sei man nicht einig gewesen. Lloyd George habe ausdrücklich erklärt, es müsse nun endlich eine allgemeine Liquidation der Kriegspassiven er­folgen. Hinsichtlich des russischen Pro­blems soll man festgestellt haben, daß Lloyd George unter dem Druck der englischen Han­delskammer sich sehr geneigt zeige, dem Stand­punkt der baltischen Länder und der Staaten des Kleinen Verbandes Rechnung zu tragen.

Oie Vorkonferenz der Neutralen

1v. Bern, 8. April

In den gestrigen Beratungen der neutralen Sachverständigen die weiter geheim geführt wurden, gelang es den Holländern, ihren Stand­punkt durchzuietzen, nach dem die Neutralen nicht als geschlossene Gruppe in Genua auf- treten und die Berner Beratungen nur einer allgemeinen Verständigung aus allgemeinen In­teressen dienen sollen. Es soll jedem von ihnen frcistehen, seine Bedürfnisse und Ansichten in Genua für sich zu verteidigen. Weiter behandelte die Konferenz die Probleme der internationalen Kredite und einer internationalen Geldeinheit. Die Berner Konferenz der neutralen Staaten wird in Paris mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Man fragt sich, ob von den neutralen Staaten nicht eine Opposition gegen die beiden Ententen oder gegen die baltischen Staaten zu erwarten sei.

Eine päpstliche Mahnung

Ronr, 7. April

Papst Pius XI. richtete an den Erzbischof von Genua ein Schreiben, in dem es heißt:

Anläßlich der Konferenz von Siegern und Be­siegten, der sich die gemeinsamen Hoffnungen der Völker znwendcn, hofft der Papst vertrauens­voll, daß die Abgesandten der Mächte zum Wohle ihrer Völker bereit sein werden, einiges zu opfern auf dem Altar des allgemeinen Woh­les. Deshalb sollten die Bedingungen so sein, daß sie imstande wären, eine wirkliche Besserung herbeizuführen» und den ersten Schritt darstellen zu der von der ganzen Welt herbeigesehnten Be­freiung. Wenn selbst im Waffenlärm die gegen- fettige Liebe herrschen soll, so müßte d«ts noch viel mehr gelten, wenn die Waffen niedergelegt sind, und der Friede unterzeichnet ist, umsomehr als sich der Völker Hatz, diese traurige Erb­schaft des Krieges, auch gegen die Sieger wendet und der ganzen Weiteine sch re ck- licheZukunft vorbereitet. Man dürfe nicht vergessen, datz Ruhe und Friede nicht so sehr durch die Sicherheit der Bajonette gewährleistet sind, als durch gegenseitiges Vertrauen und Freundschaft. Wenn man von der Konferenz nicht nur jede Erörterung der früher abge­schlossenen Verträge, sondern auch der anferleg- ten Reparationen ausschlietzen will, so scheine dies doch nicht jeden späterenMeinnngs- austausch z« hindern, der dm Bcfiegtm

die schwere Erfüllung der Verpflichtun­gen erleichtern würde, was schließlich auch zum Vorteile der Sieger dimm würden

Eigene Drahtmeldung

Kopenhagen, 8. April

Nach einem Helsingforser Telegramm der Bcrlingske Tidende" hat die Sowjetregierung mehrere mtlassme Jahrgänge wieder eirrberufen. Diese Mobilisierung wird in Finnland als eine Demonstration anläßlich der Gmueser Konferenz mlsgefatzt und mit den Truppmkonzmtrationen verglichen, die währmd der Warschauer Konfe­renz stattfandm.

Aus London wird gemeldet, man arbeite in Sowjctrntzland fieberhaft, um die Rote Armee zu einem großm Schlag ausznrüstm. So schreibt derTimes"-Vertreter in Kowno seinem Blatte, daß Trotzki von der Genna-Konferenz nichts erwarte und sich auf Me Eventualitäten gefaßt mache. Er wäre entschlossen, nach einem nngün- stigen Verlauf der Zusammenkunft Mm konter. rcvolutionärm Bestrrbungm der Nachbmm Rußlands, nammtlich Polens, zuvorzukammm. An der Westgrmze seien starke Tmppmmassm konzentriert. In dm Munitionsfabriken von Petersburg und Tula werde mit Hoch­druck gearbeitet.

(Es ist das Druckmittel der Macht, das jede kluge Diplomatie anwendet, vorausgesetzt, daß sie es noch zur Verfügung hat, um ihre politischen Ziele zu erreichen. D. Schristl.)

Messer über Genua

Frankfurt a. M., 8. April. In einer Ver­sammlung der Deutschen Volksvartei Frankfurts äußerte' sich BeF Vizepräsident des Reichstags Dr. Riesser u. a. wie folgt über die Konfe­renz von Genua:Unsere Delegierten müssen erklären, daß ohne die Revision des Versailler Vertrages ein Aufleben der Weltwirtschaft nicht möglich ist. Unsere Delegierten dürfen nicht einen Schritt zurückweichen bei der Ablehnung der 60 Milliarden neuen Steuern und seder Ein­mischung in unsere inneren Verhältnisse. Sollte Genua ohne Erfolg bleiben, dann erst wird sich zeigen, ob das deutsche Volk etwas gelernt hat aus den letzten vier Leidensjahren, ob es sich wenigstens entschließen kann, soweit es möglich ist, eine nationale Einheitsfront zu bilden, jede Regierung zu unterstützen, die gewillt ist eine solche Einheitsfront zu fördern, und jede Ne­gierung zu beseitigen, die in nationaler Be­ziehung würdelos ist. Einmal wird der Tag kommen, wo das deutsche Volk in der Abwehr feindlicher Uebergriffe emig mrd geschlossen ist."

*

Zn dm Sachverständigen für die Genueser Konferenz tritt noch der frühere Reichsschatz­minister Dr. v. Raumer.

Kritik der französischen Neparalionspolitik

Zürich, 7. April. Der Pariser Korrespondent derNeuen Zürcher Zeitung" berichtet über eine Unterredung, die er mit Professor Gide, einer allgemein anerkannten 'Autorität auf volkswirt­

schaftlichem Gebiet, hatte. Der französische Na­tionalökonom bezeichnet« es als großen Fehler, daß man die Vorschläge des direkten Wiederauf­baues durch Deutschland nicht beizeitm prüfte. Der Wiederaufbau wäre auf diesem Wege rascher und billiger vor sich gegangen. Hinsichtlich der Höhe der Neparationszahlen gibt Gide der Kri­tik seines englischen Kollegm Keynes recht. Fer­ner wandte er sich gegen die kostspielige militä­rische Besetzung, die er nicht als wirtschaftlich ansehen könne; desgleichen könne er den fran­zösischen Vorwürfen gegen die deutsche Steuer­politik nicht glauben. Er verwies darauf, daß es bei den heutigen verwirrten Geldvcrhält- nissen Europas nicht möglich sei, einen ge­nauen Vergleich zwischen dm Steuerlasten der Nattonen zu ziehen.

Die Getreidewiris-ast

Neue Brolverieuerung

Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft fand am Freitag unter dem Vorsitz des Reichsministers Fehr eine Kon­ferenz mit Vertretern der Landwirtschaft statt, deren Beratungsgegenstand die Getreidebewirt­schaftung im kommmden Wirtschaftsjahr war. Der Minister erklärte, der Standpuntt der jüng­sten Konferenz mtt den Ernährungs- und Lanv- wirtschaftsministern der Länder, daß eine voll­kommen freie Getreidewirtschaft im kommenden Jahre nicht möglich sei, stimme überein mit der Auffassung der Reichsregierung. Bei den Kartoffeln werde man mit einer Um­lage oder sonstiger öffentlicher Bewirtschaftungs­form nicht zum Ziele kornmen, da hierbei be­deutende technische Schwierigkeiten bestünden und die Kommunalverbände auch nicht in der Lage und bereit seien, das finanzielle Risiko zu tragen. Man werde an Lieferverträge und di­rekte Beziehungen zwischen Erzeugern und Ver­brauchern denken müssen.

Die sachlichen Besprechungen wurden durch ein Referat des Präsidenten der NeichsgctreiBe­stelle eingcleitet, der darauf aufmerksam machte» baß Zuschüsse des Reiches im kommenden Be- wirtschaftungsjahr vollkommen in Wegfall kämen und eine Verteuerung des Bro­tes schon hierdurch eintreten werde. Durch eine gleichzeitige Beseitigung der Erfassung be­stimmter Mengen zu Preisen, die unter dem Welttnarktpreis liegen, werde die Möglichkeit getrommen, einen stabilen und erträglichen Preis zu schaffe«.

Im ganzen ergab die Aussprache trotz des im allgemeinen ablehnenden Standpunktes der Landwirtschaft gegenüber der Umlage, daß die Vertreter bereit seien, in Einzelerörterungen einzutreten und an allen Maßnahmen zur Siche­rung und Versorgung des Volkes mit Brot­getreide mitzuarbeiten. Die Vertreter der Land­wirtschaft schlugen die Heranziehung der land­wirtschaftlichen Genossenschaften zur Beschaffung einer Brotgetreidereserve vor. Es wurde eine besondere Kommission eingesetzt, die im Laufe der nächsten Woche zusammentreten wird.

Lord Curzon erkrankt

117. London, 7. April. Lloyd George wird nicht bis zum Ende der Konferenz in Ge­nua bleiben können. Infolge einer Erkrankung ist Lord Curzon verhindert, mit Lloyd Ge­orge nach Genua zu fahren.

Das äußere Mld in Genua

Von unserem Sonderberichterstatter

8. Genua, 5. April

Obwohl seit über einem Monat in Genua fieberhaft an den äußeren Vorbereitungen für die Konferenz gearbeitet wird, sind diese noch immer nicht vollständig zum Abschluß gelangt. In der Tat war die italienische Regierung mit der Nebernahme der Organisation der Welt­konferenz vor eine neue, bisher noch nicht da­gewesene Aufgabe gestellt. Um die Nachrichten­übermittlung sicher zu stellen, mußte der tck- graphische und telephonische Dienst gewaltig er­weitert werden, und allein hierfür wurden 12 Millionen Lire ausgegeben. Die Stadt, die von unzähligen Vertretern der Staaten und der Presse aus allen Teilen der Erde besucht wird, mußte in möglichst schmucken Zustand versetzt Und zur Sicherung der persönlichen Sicherheit der Konferenzmitglieder und zur Wahrung der politischen Ruhe von sozial und politisch un­sicheren Elementen gereinigt werden, was in einer modernen Hafenstadt keine leichte Aufgabe war. Und schließlich mußte für die vielen Tausend Konferenzteilnehmer und Zaungäste ausreichende und behagliche Unterkunst geschafft werden.

Zum Sitze der Konferenz wurde der mittel­alterliche Palast der Stadthauptleute (Capitani del Popolo), San Giorgio, gewählt, in dem die Vollsitzungen der Konferenz abgehalten wer­den sollen. Die Kommissionen sind im Palazzo Reale untergebracht. Zur Bewältigung der Arbeiten der Konferenz sind vier Kommis­sionen und drei Unterkommissionen gebildet worden. Die erste der Kommissionen besaßt sich mit den Bedingungen der Wicderaufnahme der Beziehungen zu Rußland, die zweite mit de« finanziellen Problemen, vor allem mit der Sta­bilisierung des Wechselkurses, die dritte mtt wirt- schastlichen und kommerziellen Problemen, die vierte mit dem Verkehrs- und Transvortwcsen, dem Flußvcrkebr und der Verbesserung des tele­graphischen und postalischen Dienstes in Ruß­land, Polen, Tschechien, Rumänien und den kleineren Staaten Osteuropas. Von den drei Unterkommissionen beschäftigt sich die erste mit dem österreichischen Problem, die zweite mtt dem von Fremden unternommenen Handel, die dritte mit der technischen Unterstützung bei dem Werke des industriellen Wiederaufbaus.

Generalsekretär der Konferenz ist der Graf Romano di Avezzana. Als Arbetts- räume (Palazzo della Stampa) der Journa­listen, von denen allein Italien etwa 4M ent­sendet, dient die Casa Petroni, als Unterkunsts­haus (Albergo dei Giornalisti) ein zu einem Hotel eingerichteter, eben fertig gewordenes Neubau. Von den fremdm Delegationen, die nicht weniger als dreißig Staaten vertreten, wohnen in Genua selbst: im Hotel Miramar die englische Delegation, 110 Personen in 138 Zimmern, die belgische, 14 Personen in 18 Zim­mern, die schweizerische, 8 Personen in 10 Zim­mern. Im Hotel Eden und im Hotel Bavaria die deutsche Delegation, über 80 Personen. Im Savoy die französische. In dm 94 Zimmern des Bristolhotels und 43 Zimmern des Splen­didhotels die Italiener, die mtt weit über 4M Personen die st ä r k st e Delegation bilden. Die 50 Japaner werden in der Jsotta und im Hotel des GZnes untergebracht. Lloyd George

eltall und Menschheit

Bon

Gustav Treupel

Di- folgenden Aphorismen stellt uns der bekannte Mediziner, Direktor des Heiliggeist-Hospitals in Frankfurt, Pro­fessor Dr. Gustav Treupel, zur Ver­fügung.

Bewegung

Im Weüall herrscht die Bewegung wenig­stens für unsre sinnliche Wahrnehmung. Dabei ist es gleichgültig, ob wir für unser Planeten- system die Sonne als ruhend und die Erde als bewegt betrachten oder umgekehrt. Das für uns Sinnfälligste, was von den Himmelskörpern ausgeht, das Licht ist Bewegung. Wenn wir die Stoff-, aus denen die Erde und alles, was auf ihr lebt und webt, gemacht ist, immer weiter in ihre einzelnen Bestandteile auflösen, kommen wir zu den Molekülen und von diesen zu den Atomen. Und wenn wir die Atome zerschlagen, was finden wir? Bewegung, Bewegung der Jonen". Also Bewegung im Größten und Bewegung im Kleinsten!

Gesetzmäßigkeit

Alle diese Bewegungen scheinen das heißt io weit wir das durch die Beobachtung feststellen können sich gesetzmäßig abzuspiclen. Wir haben also zweierlei von allem Anfang an: Be­wegung und Gesetzmäßigkeit.

Die Erde und ihr Leven

Auf unserer Erde einem kleinen Teilchen des bewegten Alls hat sich Leben entwickelt und ein Teil dieses Lebens ist zu Lebewesen höherer Ordnung" geworden: Pflanze, Tier, Mensch. Auch in diesen ist alles Bewegung. Auch da, wo sie als grobsinnliche Wahrnehmung gar nicht in Erscheinung tritt: der Stofswcchs.l m der Zelle, jenem kleinsten Baustein, aus denen sich das Lebewesen zusammcnsetzt. Pflanze. Tier und Mensch sind aufeinander an- gewiejen; ein großer. Ring «mschliM sie: der.

, Kreislauf der Stoffe. Also auch hier Bewegrmg j und Gesetzmäßigkeit. A /)

! Die Menschheit

Mer nicht nur im Körperlichen, auch im Geistigen haben wir dasselbe Spiel der gesetz­mäßigen Bewegung und zwar der Bew.gung im Preise". Das soll ein bildlicher Ausdruck sein. Es soll damit gesagt sein, datz auch das rein geistige Leben der Menschen ungeachtet aller Fortschritte im einzelnen sich in ,einer großen Bahn vollzieht, die wieder zu ihrem Ausgang zurückführt.

Der Staat

Greifen wir drei groß- Gruppen menschlich- geistigen Wirkens heraus: Wissenschaft, Kunst und Politik, und betrachten wir einen Augen­blick die letzte sie nur deshalb, weil sie zur Zeit wohl allen Menschen der sogenannten Kultur"welt am zugänglichsten und geläufig­sten ist. Betrachten wir sie, aber nicht in ihren Einzelerscheinungen der Parteien und was diese wollen usw., sondern in dem großen Ausmaß der Menschheitsgeschichte vom Anfang bis auf den heutigen Tag.

Der Einzelmcnsch schließt sich zusammen zur Familie, die Familie zur Sippe usw. zu immer größeren Verbänden bis zum Staat. Dieser Mer, ein hochkompliziert-s Gebilde, muß gelei­tet, erhalten und weitergeführt werden. In den älteren Zeiten und bei denNaturvölkern" war es fast immer ein einzelner, dem diese Aufgabe zufiel, teils durch die eigene erworbene oder er­erbte Macht, teils durch denWillen" seines Volkes". Erregierte".

Die Regierungsform

Je mehr sich aber der Staat differenzierte, desto größer und dringlicher wurde der An­spruch auf das Mitregieren. So wurde aus der Einzelherrschast zunächst die Herrschaft weniger, dann vieler und schließlich aller: Monarchie- OligarchiePolyarchie (Republik")Anarchie. Diese letzt:, daspolitische Chaos", hat noch nie und nirgends lange bestehen können und sie hat As jetzt da, wo die genannten Regie^ngs-

formen rasch einander ablösten, stets in der Dik­tatur der Alleinherrschaft geendet. Da haben wir also wiederum die kreisförmig ge­schlossene Bahn.

Und in der Wissenschaft ist es trotz allen noch so großen Errungenschaften und Fort­schritten im einzelnen nicht anders, und auch die scheinbar freieste aller geistigen Betätigun­gen, die Kunst bewegt sich im Kreise immer im großen Ausmaß ihrer Entwicklung vom Ur- beginn an gemessen! *

Eigen- und Massenmenschen

In jedem Volk diis Folgende ist weder politisch, noch sozial gemeint, sondern rein menschlich, das heißt also, für die ganze Mensch­heit gültig gedacht lassen sich zwei Typen unterscheiden:Herren"- undHerden"-Men- schen oder vielleicht umfassender ausgedrückt: Eigen- und Massen-, Qualitäts- und Dutzend­menschen". Es liegt im Wesen der Sache, daß die ersten sehr spärlich, die andern in Masse vor­handen sind. Ich denke hierbei nicht an die ganz Seltenen, ganz Großen, die wie ein Mo­ses, Buddha oder Christus der Menschheit neue Gesetze schrieben und neueWahrheiten" ver­kündeten: Menschgewordener Geist vom Geiste Gottes. Sondern ich meine nach Anlage, Wil­lensstärke und geistigen Fähigkeiten überragende Menschen, die ob mit Recht oder Unrecht, bleibe hier unberührt sich bewußt außerhalb der Masse stellen. Die Geschichte kennt solche Menschen von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart Wohltäter oder Missetäter der Menschheit oder beides zusammen!

Gegensätzlichkeit

Die Eigenmenschen bleiben Einzelerscheinun­gen, ihr Weg führt wenn's sein muß, über Leichen hinab oder hinauf, unabänderlich nach dem in ihrer Brust wohnenden eigenen Ge­setz! Sie pflanzen sich nicht fort. Das tut die Masse der andern. Sie erhält und vermehrt die Art, ihre Art. Sie hat ihre geschriebenen Ge-

g e, auf die sie pocht, sie hat das unbestrittene cht derM e h r h e i t", und wehe dem, der dagegen will. Wohl vermag ein einzelner für

eine gewisse Zeit die Masse zu zwingen, zu bannen, aber immer wieder bricht es durch, setzt sich durch dasGemeine" über das ^.Besondere". Wir haben hier eine Gegensätzlichkett, die so alt ist wie die Menschheit selbst, und die sein wird, solange es Menschen gibt auf dieser Erde.

Letzte Frage«

Sie gehen ans Uebermenschliche, Uebersum- liche. Wollen wir sie dennoch stellen, so müssen wir uns klar sein, datz wir dabei uns mensch­licher Vorstellungen, menschlicher Begriffe, menschlicher Ausdrucksweise bedienen müssen. ES kann also nur ein Gleichnis werden. Von wo kommt die Bewegung und ihre Gesetzmäßigkett? Sind es Kräfte, die einander anziehen oder ab­stoßen? Sind diese wiederum Teile einer einzi­gen Kraft, der Urkraft, die über allem steht und in Mem wirkt. Sinnlos kann diese Kraft nicht sein. Es muß ein Geist sie beherrschen. Wie und wo fassen wir diesen Geist? Im Größten und im Kleinsten: Also ein allmächtiger, all­gegenwärtiger Geist, der alles Gegensätz­liche vereint? Ein Geist, der auch den zu­letzt erwähnten Zwiespalt, der durch die Mcnsch- heit geht, überbrückt, auflöst und zu einem ver­bindet, indem er beide Menschheitstypen als Werkzeuge seines Willens gebraucht?

Die Antwort darauf

Kein Wissen, kein Denken, kein Forschen wird je darauf antworten können. Es bliebe also nur die Nacht deslgncrramus et Ignorabimus", des Nie-Wifsend-Werdcns, wenn da nicht ein Licht leuchtete in der Finsternis, » das ist der Glaube.

So klein oder so groß?, Menschlein, mußt du werden, um zu erkennen, daß nur die tiefste Religiösität die Lösung dieser letzten Fra­gen bringen kann.

Im Deutsihen Museum für Buch und Schrift in Leipzig ist eine GrabbeauSstellung eröff­net worden, die an Hand einer Fiill« von antoara- ! phjfchem Material an Briefen. Mannskripte». Ent- | würfen und anderen seltenen Drucken «inen umfats.'n- den Einblick in Grawe- Lebe» und dichterisches t Schaffe» gewährt. . ,__,

Sie Fugger-KspeHe bei St. Anna

In diesen Tagen erhält der überlieferte, schöne Kunstschatz der alten Reichsstadt Augs­burg eines seiner köstlichsten Werke, wenn zwar nicht völlig, so doch in seinen wichtigsten Teilen im ursprünglichen Zustand zurück. Dank dem Fuggcrsclrcn Hause und im besonderen dem künstlerischen Sinn und der Energie des Fürsten Karl Ernst Fugger-Glött wird unsere Scation nun wieder eines der reifsten Denk­mäler der deutschen Frührenaissance mit reiner Freude genießen können. Die Grabkapelle Jakob Fuggers (gest. 1525), des bedeutendsten deutschen Kansmanns, erstrahlt nach einer sachkundigen Restaurierung jetzt wieder in einer Form, die »nS die Begeisterung der damaligen kunstver- ständigcn DUtwelt verstehen lägt. Philipp rvkaria Halm, der Generaldirektor des Baye­rischen Siationalmuscums, hat dem Fürsten Fugger sür das schönste Denkmal, das er seinem großen Ahnherrn und dem mächtigsten Sohn Arlgsburgs beim Nal>en seines 400jährigen TodcStagcS setzen konnte, die reife Kennerschaft und den tätigen Eifer in der H-rbcisck-afsung der verstreuten Teile der stark verwüsteten Fugger-Kapelle geliehen. Bei der Restanrie- rnng boten auch die Professoren Georg Pezold und Heinrich Düll ihre sachkundige Nnter- stützung. Halm l)at unS gleichzeitig in seinem kürzlich erschienenen Buche:Adolf Taucher und die Fugger-Kapelle bei St. Anna in Augs­burg" (6. Heft der Studien zur Fugger-Ge- sthichte, Hrsg, von Jakob Strieder, München und Lefl'zig 1921) eine ausgezeichneteBiogra­phie" der Kapelle, sowie eine Würdigung des Schöpfers ihrer hervorragendsten Kunstwerke geschentt.

Wie die starken Persönlichkeiten der italie- lüschelr Renaissance von dem Wunsckie erfaßt, ! den eigenen Skachrnhm auch äußerlich zu be- > gründen, hat Jakob Fugger sich bei Lebzeiten i noch selbst seine Grabeskapclle mit ganz bedeu- t teutau Kostenaufwand errcchict. Zugleich diente

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