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Beilage zum Frankfurter Journal.
M LOS Donnerstag, den S November 18LO
Deutschland.
(Bo m Main, 3. Nov.) Während man über die kriegeri- schen Ereignisse im Orient nur einseitige Berichte in deutschen Blattern liest, dagegen die ftanzösichen fast gänzlicher Stillschweigen beobachten, war wahrscheinlich in der jetzt eingetretenen ftiedlichen Politik deS neuen französischen ÄabinetS liegt, gibt die neueste Nummer der »Deutschen Naiionalzeitung" einen sehr lichtvollen Bericht über die Kriegsoperationen im Orient, den wir unscm Lesern hier mittheilcn: »Die Nachrichten vom Kriegs- Schauplatze in Syrien sind für die Verbündeten bei weitem nicht so günstig, als das gefällige Gerücht sie dargestellt hat. Die einzige Waffenthat von einiger Bedeutung, welche die verbündeten Streitkräfte seit der Eröffnung der Feindseligkeiten ausgeführt haben, war die Erstürmung von Saida, bei der ein deutscher Fürst, der Erzherzog Friedrich von Oesterreich, sich durch rühmliche Tapferkeit auszeichncte. Mer Anstrengungen ungeachtet wollte cS den Engländem nicht gelingen, von den vereinzelten Puncten an der Küste, die «sie besetzt hielten, sich eine Verbindung mit dem Innern zu eröffnen, weil Ibrahim Pascha daS gelandete Truppencorps in seinem Lager am Hundeflusse auf das engste eingeschloffcn hielt, während Soliman Pascha keine Neigung zeigte, das halb zerstörte Beimt zu räumen. Einen ernstlichen Angriff gegen diese Stadt zu unternehmen, schien nicht rathsam, weil vorherzusehen war, daß derselbe viele Menschen kosten würde, und weil man im günstigsten Falle, wenn der Angriff von dem vollkommensten Erfolge begleitet war, doch wenig Aussicht hatte, den durch nahe Höhen beherrschten Platz zu behaupten. Unter diesen Umständen machte der durch seinen verwegenen Muth bekannte Commodore Napier dem britischen Admiral den Vorschlag, das wenige Meilen entfemte Saida zu nehmen, von wo es eben so leicht war, wie von Beimt, den Weg nach dem Gebirge zu finden, sofern die Be- völkemng den fremden Befreiern mit einiger Bereitwilligkeit entgegen kam. Saida, daS alte vor dritthalbtausend Jahren hoch berühmte Sidon, welches aber gegenwärtig zu einer kleinen Stadt von 5000 Einwohnern herabgesunken ist, hatte eine Besatzung , die nach englischen und deutschen Berichten 2000, nach französischen aber nur 600 Mann zählte. Am 26. deS Morgen- erschien Commodore Napier mit einem ansehnlichen Geschwader, das auS einem britischen Linienschiff, vier großen bewaffneten Dampfbooten, einer türkischen Eorvette und der von dem Erzherzoge Friedrich befehligten österreichischen Fregatte bestand, auf der Rhede von Saida. Der Commandant des Platze-, ein ägyptischer Obrist, wurde aufgefordert, die von der Landseite nur durch eine noch auS dem Mittelalter herrührende Mauer vertheidigte Stadt zu übergeben, ertheilte aber eine abschlägige Antwort. Als der britische Commodore hierauf seine Vorbereitungen traf, um das Feuer zu oeginnen, verlangte der Capitain deS im Hafen liegenden französischen Dampf- IbooteS Castor einen Aufschub, um die in Saida angesiedelten französischen Unterthanen in Sicherheit zu bringen. Cs wurde ihm eine Stunde bewilligt, während welcher sich außer den in der Stadt befindlichen Franzosen auch die Familie Solimqn Pascha'S, die in derselben einen prächtigen Palast bewohnte, einschiffte. Nach eilf Uhr begann das Bombardement von den Geschützen der Kricgsfahrzeuge, und um Mittag war die alte Burg, welche die vornehmste Schuhwchr der Stadt bildete, nebst den kleinen Forts am Eingänge des Hafens bereits in einen Schutthaufen verwandelt. Jetzt landete Napier an der Spitze von 700 britischen und 200 österreichischen Marinesoldaten, mehreren hundert bewaffneten Matrosen und 800 Türken. Er fand daS Thor, durch welches er einbrechen wollte, verschlossen und barricadirt. Einige Kanonenschüsse reichten hin, dieses Hinderniß zu beseitigen, die Aegypter vertheidigten aber die Bresche mit solcher Beharrlichkeit, daß eö den Stürmenden erst nach zweistündigem Kampfe gelang, in die Stadt einzudringen. Der Erzherzog Friedrich war unter den Ersten, welche die Bresche erstiegen. Die Besatzung zog sich fechtend nach der in Trümmern liegend:» Burg zurück; hier hatte aber bereits ein britisches Marinebataillon sich aufgestellt, welches den Aegyptern mit gefälltem Bayonnette entgegenging. Der
ägyptische Obrist, der sich noch wehrte, als zwei Marinesoldaten ihm ihre Bayonnette bereits auf die Brust gesetzt hatten, fiel kämpfend an der Spitze der Seinigen. Auch der Obristlieutenant, der nach ihm den Befehl hatte, fand seinen Tod im Kampfe. Daraus erst, gegen vier Uhr, streckte der Rest der Besatzung, der sich nach der Aussage eines Augenzeugen noch aus etwa 500 Mann belief, das Gewehr. Die Stadt wurde der Plünderung preisgegeben, und, alS am andern Morgen Commodore Napier mit den europäischen Truppen sich wieder rinschiffte, blieben die gelandeten Türken als Besatzung zurück. Ebenso wie Saida ist auch das etwas weiter südlich gelegene Sur, das so oft zerstörte und immer wieder, nur nicht ganz auf der alten Stelle, neu aufgcbaute, jetzt aber völlig herunter gekommene TyruS von den Verbündeten besetzt; dagegen haben sie, wie eS scheint, sich damit begnügt, die Städte TrabloS im Norden und Kaifa im Süden zu bombardiren, ohne dauernden Besitz von denselben zu ergreifen, wahrscheinlich weil Admiral Skopforo es nicht wagte, die zu seiner Verfügung stehenden Streilkräfte durch allzugroße Therlung zu schwächen. . (Schluß folgt.)
Während wir diese Ansicht der National-Zeitung unseren Lesern zum eigenen Commcntar vorlegen, verfehlen wir auf der andem Seite nicht, denselben nachstehenden wichtigen und neuesten Bericht, welchen heute da» Journal de Francfort enthält, hier mitzutheilen:
(Frankfurt, 4. Nov.) Das » Joumal de Francfort' bringt nachstehende Nachrichten, welche auS Konstanlinopel auf außerordentlichem Wege in Wien am 3 0. Okt. eingetroffen waren. DaS »Journal de Francforl" bemerkt: daß eS Gründe hat, diese Nachrichten für völlig genau zu halten. »Die allnr- ten Truppen griffen Beirut am 9. (Okt.) an, und einige Kanonenschüsse, welche von den Schiffen auS auf die Stadt abgefeuert wurden, reichten hin, die Räumung deS Platzes und die Einnahme desselben zu bewirken. Soliman Pascha, bi» dahin Herr Beirut'S, wurde genöthigt, die Flucht zu ergreifen; er zog sich in südlicher Richtung zurück. Die türkischen Truppen nahmen alSbald Besitz von Beirut. Die Einnahme dieser Stadt macht von nun an daS Lager von Tschuniah überflüssig, und wenn selbst die vorgerückte Jahreszeit, die Flotte nöthigen würde, jene Meeresstriche zu verlaffen, so würde die Occuparion von Beirut und Saida hinreichend sey», um Herr de« Landes zu bleiben. Die Alliirten faßten, alS sie vernahmen, daß sich Ibrahim Pascha mit 4000M.Bcicut nähere, den Entschluß, ihn anzugreisen. Sofort warfen sich 3000M. türk. Truppen, welchen sich eine Abtheilung der Alliirten und der bewaffneten Gebirgsbewohner anschloß, mit dem Obristen Hodges, dem Generalkonsul Ihrer brit.Maj. zu Alexandrien, an der Spitze, mit solchem Ungestüm auf Ibrahim Pascha, daß die Truppen dieses letzteren in die größte Unordnung gebracht, zum Theil zersprengt, zum Theil gefangen genommen wurden. Zwanzig Kanonen fielen in die Gewalt der Sieger. Ibrahim Pascha rettete sich, bloß von einigen Reitern begleitet; da aber alle Communicationen abgeschniiten sind und man alle Maßregeln zu kräftiger Verfolgung desselben getroffen, so zweifelt man daran, daß er entkommen könne. Man traf Anstalten, Tripolis anzugreifen, und man sah dessen baldigen Fall voraus; ebenso glaubt man, daß St. Jean d'Äcre den Alliirten Bortheile darbiete, welche sie hoffen kaffen, diesen Platz mit leichter Mühe zu nehmen; es heißt, daß sich unter der ägyptischen Besatzung viele kranke und kampfunfähige Leute befinden, und daß im Allgemeinen in dieser Stadt eine solche Demoralisation und eine solche Entmuthigung herrsche, daß die Citadelle einem ernsten Angriffe keinen langen Widerstand entgegensetzen könne. Die ägyptischen Truppen haben große Soldrückstände zu sodern und blvs die Furcht hemmt den Ausbruch ihrer' Unzufriedenheit. DaS Beispiel des übrigen ThcilcS der Armee Ibrahim Pascha'S, welcher so bald die Waffen gestreckt hat, wird nicht verfehlen, Eindruck auf die Besatzung St. Jean d'Acre'S zu machen. — Emir Befchir, Fürst des Libanons, kam, seinem gegebenen Worte gemäß, mit seiner Familie in daS Lager von Tschuniah. Admiral Stopford ließ ihn und dessen Familie in zwei Dampfbooten nach Beimt führen; man sagte ihm die Sicherheit seiner Person und seiner Güter