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Bei dieser merkwürdigen Sitzung waren folgende sechs wirkliche Mitglieder, die muthmasslich gleichlautend mit mir gestimmt hätten, theils entschuldigt, theils durch Abwesenheit oder andere Veranlassung zu kommen verhindert, nämlich: Herr Dr. jur. Bansa, Dr. Buch, Herman von Meyer, Dr. Römer, J. F. Schmidt-Müller und M. G. Seufferheldt. Hätte übrigens eine geheime Abstimmung stattgefunden, welche sogar laut §. 28. der Gesellschaftsstatuten in der Regel als Norm angeordnet ist, so glaube ich, dass nun und nimmer Beschlüsse, wie die vorstehend erwähnten, gefasst worden wären.
Da die besprochenen Vorgänge unter der jetzigen Direction der Naturforschenden Gesellschaft stattfanden, welche Direction successive alle drei Jahre, in dem Verlauf von 15 Jahren ohne Ausnahme in einer statutengemäß ungültigen Versammlung wieder erwählt wurde, so hoffe und erwarte ich vertrauensvoll, die hohen Staatsbehörden Frankfurts werden mit exemplarischer Unparteilichkeit einzuschreiten wissen, indem sie mein unterm 17. September d. J. an Hohen Senat eingereichtes Petitum selbst gegen den Willen der Direction der Dr. Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft in gehörige Berücksichtigung nehmen, und in Folge derselben die bestimmte Verfügung ertheilen, dass die vom Aerar jährlich gespendete Unterstützungssumme ungetheilt zur Tilgung der hypothekarischen Capitalschuld, welche auf dem Museumsgebäude zu Gunsten des löblichen Senckenbergischen Bürgerhospitals haftet, hinfüro verwendet werden müssen. Mögen die Hohen hiesigen Staatsbehörden doch sich wohl bedenken, ein gefährliches Beispiel zu sanctioniren, nach welchem zur Unterstützung einer öffentlichen hiesigen Anstalt aus der Staatskasse gespendete Gelder zum Privat-Vortheil eines Individuums verwendet werden, wenn auch dessen angebliche Verdienste noch so plausibel wären; denn ein solches Verfahren würde zu endlosen Ansprüchen berechtigen, und sicher könnte mir Niemand in einem solchen Fall das Recht absprechen, in Berücksichtigung meiner beinahe zwanzigjährigen, unentgeldlichen mühevollen und gefährlichen Leistungen, einzig und allein zu Gunsten des hiesigen Naturhistorischen Museums unternommen, wobei ich mehr als Sechzigtausend Gulden baares Geld meines eigenen Vermögens mit Vorbedacht opferte, vom Staate eine sehr erkleckliche Remunerations-Summe in Anspruch zu nehmen, welche selbstsüchtige, niedrige Gesinnungen mir wohl schwerlich irgend jemand, der mich persönlich kennt, andichten wird.
Ich verspreche nochmals, und zwar im Bewusstsein meiner Befähigung, einen regelmässigen naturhistorischen Lehrcursus öffentlich und unetgeldlich fortwährend zu halten, so lange der Hohe Senat fl. 1500 zur Tilgung der hypothekarischen Schulden der naturforschenden Gesellschaft bewilliget (hoffentlich verlangt man nicht, dass ich diesen Lehrcursus vor Ostern nächsten Jahres, 1841, zu beginnen habe). Es soll darin nicht vorge- trageu werden: Betrachtungen über die Psyche der Hausthiere, oder über das Lebensverhältniss des Erdballs und der Planeten, oder sonstige speculative Theorien über die Schöpfung, die Urstoffe und dergl., welche Materien wohl ein gewisses Publicum amusiren können, aber die für die wahre gründliche beobachtende Natur-Wissenschaft total unfruchtbar sind. Ich wiederhole es nochmals, die 15 Jahre schwer besoldeter Vorlesungen des Herrn Dr. Cretzsclimar haben in Frankfurt nicht einen einzigen Dilettanten für das Studium wahrer Naturforschungen gewonnen! Möge mein Ruf nach Hülfe, um die hiesige Naturforschende Anstalt wieder auf den rechten Weg zu führen, nicht verhallen! Möge durch ihn erwirkt werden, dass die jetzige seit vielen Jahren stereotype Direction der Gesellschaft endlich einmal, wenigstens theilweise regenerirt werde! Möge die von mir beantragte gründliche Revision und zweckmässige Verbesserung der Gesellschaftsstatuten endlich stattfinden! Mögen die beitragenden Ehrenmitglieder der Gesellschaft, welchen eine so wesentliche Mitwirkung zum Fortbestand derselben verdankt wird, endlich Gehör finden, in Beziehung auf ihre gerechten Wünsche, welche so lucide ein Ungenannter in der Hanauer Zeitung vom 13. October d. J. ausgesprochen hat!
Ja! ich bin in meinem Innersten überzeugt, dass unter den 42 Herren, welche den Hohen Senat constituiren, unter den 62, welche das Collegium der ständigen Bürger-Repräsentation zusammensetzen, und unter den 45, die zuzüglich der Abgeordneten aus beiden vorgenannten Corporationen den diesjährigen Gesetzgebenden Körper bilden, eine hinlängliche Anzahl vollkommen unabhängiger, unparteilicher und einsichtsvoller Männer befindlich ist, um genau den Sachbestand der in gegenwätiger Schrift auseinandergesetzten Verhältnisse zu ermitteln, die ihn auch gebührend würdigen, und die dann aus eigener Ueberzeugung kräftig und für das Allgemeinwohl nutzbringend stimmen.
Frankfurt am Main, den 21. October 1840.
ür. JEduard Mi Hinten.