Anlage A.
Abschrift eines officicllen Briefs, geschrieben von Dr. Eduard Rüppell an Herrn Dr. Mappes, als dem Secretair der Dr. Senkcnbergislien
Naturforschenden Gesellschaft alliier; d. d. Frankfurt a. M. am 18. Mai 1840.
In der von Ihnen am verflossenen Maifest gehaltenen Rede machten Sie eine Anspielung, als ob eine von der Naturforschenden Gesellschaft zu begründende besoldete Lehrstelle für mineralogische Vorlesungen etwas besonders Wünschenswerthes sei. Dieser Ansicht kann ich gar nicht beipflichten, indem ich der Meinung bin, dass die etwa disponibelen Mittel der Gesellschaftskasse zu weit zweckmässigeren Ausgaben verwendet werden können und müssen. Die Vermehrung der naturhistorischen Sammlungen, wenn durch Geldeinkäufe bewirkt, halte ich gleichfalls bei den jetzigen Verhältnissen der Gesellschaftskasse für ganz unwesentlich; aber die Vervollständigung der naturhistorischen Bibliothek, ohne deren Hülfsmittel Niemand etwas gründliches arbeiten kann, dieses betrachte ich immer als einen Hauptaugenmerk, welchen unsere Gesellschaft zu verfolgen habe.
Im Stillen arbeitete ich fortwährend darauf hin, das Meinige beizutragen, um diesem speciellen Zweck nach meinen Mitteln nachzukommen, und ich habe bereits, wie Sie wissen, successive eine sehr nahmhafte Anzahl ausgezeichneter und kostspieliger naturhistorischer Prachtwerke geschenksweise der Gesellschaft überlassen; andere erkaufte ich mir, um darüber auf ähnliche Art in der Folge zu verfügen. Aber ganz unerwartet sind gewisse von mir nicht gehoffte und somit nicht vorausgesehene Verhältnisse eingetreten. Die vollkommene Theilnahmlosigkeit des hiesigen Publikums an der Herausgabe meiner Reise in Abyssinien und an anderen meiner naturhistorischen Schriften, hat mich genöthigt den Verlag jenes Reiseberichts, an dem ich mit so vieler Liebe und pecuniairen Opfern arbeitete, der Schmerber’schen Buchhandlung als Eigenthum zu überlassen, und zwar ist das Resultat dieser Transaction weit entfernt mir irgend ein Honorar zu verschaffen, vielmehr von der Art, dass ich unberücksichtiget des Zinsenverlusts des seit zwei Jahren hineingesteckten Capitals noch 44 Gulden baares Geld an meinen gehabten wirklichen Ausgaben der Publication einbüsse! Ich hatte früher erwartet mit gemuthmasstem Gewinn an der Herausgabe dieses Reiseberichts, den haaren Geldverlust von circa Tausend Gulden zu decken, welchen ich bei der Herausgabe meiner abyssinischen Wirbelthiere erleide. So täuscht man sich!!
Durch diese Verhältnisse bin ich genöthigt, vorerst nicht allein mit der Anschaffung vieler wichtigen naturhistorischen Werke, die ich seiner Zeit gleichfalls der Gesellschaft geschenksweise zu überlassen beabsichtigte, einzuhalten, sondern ich muss sogar darauf denken, einen Theil der in meinem Besitze befindlichen Werke auf irgend eine Art zu verwerthen. Ich habe mich dabei zu folgendem Vorschlag bestimmt: Die in Rede stehenden Bücher sind lauter classische Prachtwerke, unentbehrlich zum Arbeiten in der Naturgeschichte, die eigentlich die Senckenbergische Gesellschaft längst hätte anschaffen sollen und müssen. Der effective Kostenbetrag eines Theils derselben ist laut einliegendem Verzeichniss fl. 1604. 44 kr.; ich mache den Antrag, sie der Gesellschaft für den vierten Theil dieser Summe, d. h. für fl. 401. zu cediren, ein Betrag, den ich versichert bin, von jedem Bücherantiquar gleichfalls dafür zu erlangen. Ich werde ferner, auf den Fall, dass dieser Antrag genehmigt wird, noch eine nahmbare Suite von andern naturhistorischen werthvollen Büchern unent- geldlich beifügen, über welche ich Ihnen gleichfalls ein Verzeichniss vorlege, und ich halte mich um so mehr zur Voraussetzung der Annahme meines Antrags berechtigt, wenn ich erwäge, dass ich von meinem Werk: Neue Abyssinische Wirbelthiere, acht vollständige colorirte Exemplare im Namen und zum Vortheil der Naturforschenden Gesellschaft freiwillig verschenkte, welche Litteralien allein einem Geldwerth von mehr als Vierhundert Gulden gleichkommen. Diese acht Exemplare erhielten:
Die Leopoldinische Akademie in Bonn.
„ Zoologische Gesellschaft in London.
,, Linneische Gesellschaft in London.
„ Königliche Akademie der Wissenschaften in Edinburgh.
,, Kaiserliche Naturforschende Gesellschaft zu Moskau.
Herr Dr. von Ludwig am Cap.
„ Staabsarzt Dr. Döbel in Batavia.
„ Staabsarzt und Professor Eichwald in Wilna.