153

. lich in dem jetzige», von 18801883 erbauten neuen Anatomie- i Institut in der Straße, die seinen Namen erhielt.

Im Privatleben war v. Kölliker eine überaus sympathische Er­scheinung, die wahrhafte Popularität genoß; erst in den letzten Jahren, als sich Schwerhörigkeit bei ihm bemerkbar machte, zog er sich vom weiteren Umgang mehr und mehr zurück, blieb aber in engerer Fühlung mit seiner Wissenschaft und seiner geliebten Univer­sität. So war er auch noch in letzter Zeit mehrfach als Zuhörer zu den Sitzungen der physikalisch-medizinischen Gesellschaft erschienen. Als geborener Schweizer war Kölliker, wie seine ihm im Tod vor­ausgegangenen Freunde Fick und WiSlicenus, von durchaus frei­heitlich politischer Gesinnung, zugleich aber auch von deutsch-nationalem Geiste beseelt und begrüßte er insbesondere die Neugründung deS deutschen Reichs als neue vielversprechende Grundlage deS Deutsch­tums auS innerster Ueberzeugung.

Leidenschaftlich ging v. Kölliker dem edlen Waidwerk nach; er kannte kein größeres Vergnügen, als auf dem Anstand das Leben des Wildes zu beobachten. Die Jagd erhielt ihn auch offenbar bis inS Greiscnalter so frisch und jugendfroh.

Von seinen Kindern errang ein Sohn, Hans Theodor Alfred Kölliker, der sich auch der akademischen Karriere widmete, gleichfalls hohes Ansehen als Chirurg; er ist Universtiätsprofessor in Leipzig. Ein anderer Sohn ist ebenfalls Hochschullehrer an der philosophischen Fakultät der Universität Freiburg i. Br. Seine Tochter ist an den Universitätsprofessor Danz in Jena verheiratet. s

Die feierliche Beerdigung findet am Samstag nachmittag y 2 5 Uhr vom Sterbehause aus, Hofstraße 5, in welchem der Der- ! lebte seit seiner Hterherkunft seine Wohnung inne hatte, statt. K.

Kunst und Wissenschaft.

' Kleine Mitteilungen. Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft in Frank­furt a. M. ernannte den Geh. Reg,-Rat Profeffor Dr. E. Ehlers, Leiter der zoologischen Anstalt in Gottingen, der am 11. November die Feier seines 70. Ge­burtstages begeht, zu ihrem korrespondierenden ; Mitglieds. |

Ausländische Tiere in Frankfurt. Wenn man im Senckenbcrgischen Museum den Saal für In­sekten im zweiten Stock aufmerksam durchmustert, so fin­de! man eine kleine Sammlung von Tieren mit der Eti­ketteausländische Tieres welche lebend in Frankfurt gefunden wurden". Diese Kollek­tion ist zwar noch klein, sie scheint erst m den letzten Jahren gegründet zu sein, aber sie enthält doch recht be­merkenswerte Stücke. Man sieht da z. B. einen Skor­pion, der in Nußbaumholz aus der Türkei eingeschleppt und von PH. Meyer in Rödelheim gesunden wurde. Durch ihre Größe fallen Käferlarven auf, die mit Quebrachoholz nach Frankfurt in die Farbstosfwerke von C. Flesch kamen und dort für das Museum gesammelt wurden. Dieselbe Firma lieferte Honigtöpfe einer argentinischen Diene, die in den Farbstosswerken lustig herum geflogen ist. Bon , japanischen Heuschrecken, welche die Gewächshäuser der I hiesigen Gärtnereien von Gebrüder Siesmayer, Klaner, Müller usw. längere Zeit bevölkerten, sind zahlreiche

Exemplare in allen Enkwickelungsstadien vorhanden. Solche Sammlung kann natürlich erst im Laufe von vielen Jahren und unter Mithülfe von allen Seiten umfangreich werden. Wenn alle Firmen, die ausländisches Material importieren, aus das Vorkommen von sreniden Tieren achten und diese dem Museum abliefern wollten, dann würde man schließlich einen interessanten Ueberblick über die exotischen Gesellen, welche zeitweilig unsere Stadt be­völkern, gewinnen.

* Kleine Mitteilungen. Die Senckenbergis ch e

Naturforschende Gesellschaft m Frank­furt a M. ernannte den Rittergutsbesitzer Louis Mtuel' in Barca (Rumänien), den ausgezeichneten Kenner der rumänischen Dogelwelt, und Dr. Morris STfut,, den Präsidenten des Naturhistorischen Museums in N e u y o rf zu ^korrespondierenden^Mügliedern. .

Franz Ritter f. Dem kürzlich verstorbenen Herr« Franz Ritter widmet die,Senckenbergische Naturfor­scher de Gesellschaft, deren langjähriges Mitglied er war, folgenden Nachruf:Am 31. Dezember 1905 entschlief Herr Franz Ritter dahier im Alter von genau 66 Jahren, nach , langem schwerem Leiden. Die Senckenbergische Natur- f forschende Gesellschaft, die Ritter bereits-'1882 zum ar- t beitenden Mitglied ernannte, wird dem schlichten Manne, j der als Autodidakt in unermüdlicher Tätigkeit unser Hetuiat- > gebiet mineralogisch und geologisch durchforschte, ein dankbares Gedächtnis bewahren. Franz Ritter wurde am 1. Januar 1840 im Stiftswalder Forsthause bei Kaisers- , lautern geboren. Sein Großvater war der bekannte Phy- I fiter Ritter, von dem Goethe sagte:Gegen diesen Ritter j sind wir übrigen nur Knappen." Durch die Erschöpfung der Geldmittel seiner Mutter sein Vater starb sehr früh ' an der Fortsetzung künstlerischer Studien (Ritter war zu­nächst Bildhauer) gehindert und im Kriegsjahre 1866 völlig : brotlos geworden, widmete er sich auf den Rat eines Be­kannten, der auf sein hochentwickeltes musikalisches Gehör aufmerksam geworden war, dem Berufe eines Klavier­stimmers. Diese Stellung sicherte ihm bei der Schlichtheit seines Wesens, seiner peinlichen Gewissenhaftigkeit und sei­nem feinen Ohr. eine bescheidene, aber doch sorgenfteie Exi­stenz. In Mußestunden beschäftigte er sich mit dem Formen­reichtum der Kristalle, zu welchem Zwecke er sich meisterhafte Modelle anfertigte. Diese Arbeiten, wie Anregungen durch die Senckenbergische Gesellschaft führten ihn auf das Sam­meln der Taunusmineralien, von denen er mehrere, bisher unbekannte, entdeckte. Ritter war ein Sammler, der seines gleichen suchte und konnte stundenlang in glühendem Son­nenbrände ausharren, wenn er einem Mineral auf der Spur war. In den 80cr Jahren wandte er seine Aufmerksamkeit auch den Gesteinen zu. In den Berichten der Gesellschaft sind eine ganze Reihe guter Beobachtungen von ihm nieder­gelegt. die besonders den Nachweis der lveiten Verbreitung eines eigentümlichen Eruptivgesteines im Taunusgebiete er­brachten. Unter seiner Leitung stellte Professor Milch dieses Material zu einer schönen Untersuchung zusammen. Neben dem Taunus studierte Ritter spater den Spessart und den Odenwald, übernahm bei Exkursionen in diese Gebirge die wissenschaftliche Führung und zeigte in zahlreichen Vor­trägen in den wissenschaftlichen Gesellschaften der Stadt, wie tief er in die schwierigen petrogenetischen Probleme cingedrungen war. Für die mineralogische Erforschung un­serer Heimat hat sich Ritter unvergeßliche Verdienste er­worben. Aber auch eine bewundernswerte Sammlung von etwa 400 Steinbeilen aus dem Taunus, die Licht wirst in das Leben des vorgeschichtlichen Menschen unserer Gegend und die unbedingt Frankfurt erhalten bleiben müßte, be­weist den weiten Blick Ritters. Die Senckenbergische Ge­sellschaft verdankt dem Verstorbenen prachtvolle Kollektionen mineralogischer und petrographischer Schätze aus der Um­gebung von Frankfurt, die durch das große Entgegenkommen seines Bruders, des Herrn Oberforstrates Albrecht w Ritter in glücklicher Weise aus dem Nachlaß vervollständigt Werder» konnten."

a.f//.

ür -

L f-

* Jusekten-Ausstrllnug. Im Senckenvergllchen Museum, Bleichstraße 59, findet jetzt im Vogelsaale für mehrere Monats eine Ausstellung der wissenschaft­lichen Jnsektensammlung statt. In regelmäßiger Folge werden einzelne Abteilungen der umfangreichen Samm­lung zur Schau gestellt. Der Anfang ist mit den prachtvollen Hummeln gemacht, die der Sektionär, Herr LIlbrecht Weis, in miilievoller Arbeit in den letzten vier Jahren zusammengebracht hat. Die, meisten Arten dieser ausschließlich europäische Hummeln umfassenden Sammlung sind von Herrn Weis selbst in der Umgebung von Frankfurt, namentlich auf dem Schwanheimer Sande und im Alpengebiet» gefangen worden. Wenn hierin allein schon eine mühevolle Täligkeit liegt, so ist die nachfolgende Arbeit des Bestimmens, Präparierens und Etikettierens noch ' viel schwieriger und zeitraubender. Jede Art ist durch Weibchen, die sich bei Hummeln durch besondere Größe auszeichnen, Arbeiter und Männchen vertreten und zwar nicht nur wie in den meisten Museen mit verschiedenen Stücken, sondern hier in unserem Museum mit ganzen Serien, ja bei einzelnen Arten sogar mU ganzen Regimentern. Wer sich die Zeit nimmt, die Sammlung genauer anzusehen und bei den Arten die einzelnen Exemplars zu betrachten, der wird sehr bald eine Verichicdrnhett in der Färbung rc. feststellcn und sich selbst überzeugen, daß es bei dieser großen Variationsbreite notwendig ist, von jeder Art viele Vertreter zu haben. Rur eine solcye Sammlung kann eine wissenschaftlich« genannt werden. Die Sammlung deS Herrn Weis zeichnet sich auch noch dadurch onS, daß nur tadellose, guterhaltene Stücke eingeordnct sind, von denen manche auS dem Alpen­gebiet erst nach langen, vergeblichen Touren erwischt wurden. Die Hummelsanmilung allein umfaßt 33 Kasten. Außerdem sind noch 16 Kasten mit Wespen anägcstellt. Die Sammlung bleibt etwa 2 Wochen dem Publikum zugänglich, dann wird eine andere